Satellitenunabhängige Kommunikation: Tragbare Troposcatter-Systeme sollen TaWAN ergänzen

Waldemar Geiger

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Für die Führung von Truppenverbänden benötigen die Streitkräfte Kommunikationsmöglichkeiten, die sowohl Sprach- als auch Datenaustausch über weite Distanzen zuverlässig ermöglichen. Bislang sollte dies bei mobil eingesetzten Kräften der Bundeswehr in erster Linie mittels Satellitenkommunikation sowie Richtfunk erfolgen, in Kürze soll dies nun auch wieder über Troposphärenfunk in größerem Maßstab möglich werden.

Die jüngsten Starlink-Einschränkungen in der Ukraine sowie Berichte über Annäherungen russischer Satelliten an einen Aufklärungssatelliten der finnischen Firma Iceye zeigen die Abhängigkeit der modernen Kriegsführung von der Satellitenkommunikation (SATCOM) sowie deren potenzielle Verwundbarkeit. Umso wichtiger ist es, neben SATCOM auch weitere Optionen für breitbandige und satellitenunabhängige Kommunikation auf weite Distanzen zu haben, um jederzeit führungs- und handlungsfähig zu bleiben.

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Die deutschen Streitkräfte haben dies bereits vor längerer Zeit erkannt und führen im Rahmen des Vorhabens „Taktisches Wide Area Network Landbasierte Operationen“ (TaWAN LBO, kurz TaWAN) einen durchgängigen Kommunikationsverbund ein, in dem mittels Richtfunksystemen von der Frontlinie bis mehrere Hundert Kilometer ins Hinterland bedrohungsgerecht und kriegstauglich kommuniziert werden kann. Mittels TaWAN sollen bewegliche Truppenteile sowie stationäre oder bewegliche Gefechtsstände vernetzt werden.

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Für einen zuverlässigen Betrieb sind die Richtfunksysteme auf direkte Sichtverbindungen zwischen den einzelnen Funkknoten angewiesen, die abhängig vom Gelände oder der Lage nicht immer sichergestellt werden können. Um auch abseits direkter Sichtverbindungen kommunizieren zu können, soll das TaWAN-Vorhaben hartpunkt vorliegenden Informationen zufolge um Troposcatter-Systeme erweitert werden.

Gut informierten Kreisen zufolge beabsichtigt die Bundeswehr in Kürze, eine Rahmenvereinbarung über eine mittlere dreistellige Anzahl tragbarer Troposcatter-Systeme mit der JK Defence & Security GmbH im Gesamtwert von über 200 Millionen Euro zu schließen. Vorbehaltlich einer parlamentarischen Billigung will die Bundeswehr eine niedrige dreistellige Anzahl an Systemen für rund 60 Millionen Euro direkt beschaffen.

Troposcatter

Troposcatter, auch als Troposphärenfunk bezeichnet, ist eine spezielle Art des Richtfunks, bei dem die ausgestrahlten Funkwellen an der Troposphäre in einer Höhe von etwa 13 Kilometern zurückgeworfen werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Richtfunkstrecken sind größere Reichweiten möglich, da keine direkte Sichtlinie erforderlich ist. Im Kalten Krieg wurde beispielsweise eine fest installierte zivile Richtfunkverbindung zwischen West-Berlin und Torfhaus im Oberharz durch eine Troposcatter-Verbindung ergänzt.

Die Bundeswehr hatte bereits vor wenigen Jahren entschieden, die Technologie nach Jahrzehnten der Nichtnutzung wieder in Betrieb zu nehmen, um mittels Troposcatter einen zusätzlichen Weg zur kabelungebundenen Kommunikation über große Entfernungen zur Verfügung zu haben. So wurde die JK Defence & Security GmbH im April 2024 mit der Lieferung von vier verlegefähigen Troposcatter-Systemen inklusive Ausbildung und Support für eine Proof-of-Concept-Untersuchung beauftragt, hartpunkt berichtete.

Wie hartpunkt zudem berichtete, hat die JK Defence & Security GmbH im Zuge der AFCEA-Fachausstellung 2024 erstmals in Deutschland eine tragbare Terminalvariante eines Troposphärenfunksystems des US-Herstellers Comtech Systems gezeigt. Dem Vernehmen nach soll nun genau dieses als COMET (Compact Over-the-Horizon Transportable Terminal) bezeichnete System von der Bundeswehr beschafft werden und TaWAN ergänzen.

Bei COMET handelt es sich nach damaligen Angaben des Herstellers um das kleinste und leichteste modulare Troposcatter-System, das auf dem Markt erhältlich ist und von einer Person getragen werden kann. Das im zusammengesetzten Zustand 25,4 kg wiegende Funksystem ist Comtech zufolge dafür optimiert, abhängig vom Gelände Datenraten von 5 bis 60 Mbit/s auf Distanzen von bis zu 60 km zu übertragen. Das System arbeitet in den Frequenzbereichen von 4,4 bis 4,65 GHz sowie 4,75 bis 5,0 GHz und hat eine Leistung von 110 Watt.

Waldemar Geiger