TaWAN: Rheinmetall erwartet Verdopplung der Aufträge

Lars Hoffmann

Anzeige

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall sieht großes Wachstumspotenzial beim Bundeswehr-Projekt Tactical Wide Area Network (TaWAN). Wie Rheinmetall-CEO Armin Papperger am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten ausführte, denkt die Bundeswehr an die Verdopplung ihrer Kapazitäten bei TaWAN. Dies sei Rheinmetall in den vergangenen zwei Wochen zur Kenntnis gebracht worden. Das bedeute eine Erhöhung des Auftragsvolumens für sein Unternehmen von 8 auf 16 Milliarden Euro, so Papperger. Rheinmetall fungiert als Generalauftragnehmer für TaWAN. Bei dem Projekt geht es um den Aufbau eines durchgängigen Kommunikationsverbundes mittels Richtfunksystemen von der Frontlinie bis mehrere Hundert Kilometer ins Hinterland.

Papperger erklärte den sprunghaft gestiegenen Bedarf mit der Beschaffung von deutlich mehr Fahrzeugen durch die Bundeswehr als erwartet und den Aufbau zusätzlicher Brigaden. Damit erhöhe sich auch der Bedarf an Kommunikationstechnik.

Anzeige

Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hatte Rheinmetall Anfang des Jahres mit der Entwicklung und Herstellung Tactical Wide Area Network for Land Based Operations (TaWAN LBO) beauftragt. Der Beschaffungsrahmenvertrag zu TaWAN LBO hat eine Laufzeit von zehn Jahren und ein Gesamtvolumen von rund 5,5 Milliarden Euro, von denen in einer ersten Festbeauftragung rund 1,88 Milliarden Euro inklusive Mehrwertsteuer für die Beschaffung von 56 kleinen TaWAN-Richtfunksystemen und 51 großen Richtfunksystemen sowie zehn Führungsfahrzeugen für das Richtfunkmanagement abgerufen werden. Mit dem ersten Abruf sollen genügend Systeme zur Ausstattung einer Heeresdivision beschafft werden und dort eine Aufrechterhaltung der Kommunikation sicherstellen, falls Satellitenverbindungen im Kriegsfall ausgeschaltet werden sollten.

Anzeige

Gut informierten Kreisen zufolge handelt es sich bei dem ausgehandelten Vertrag um ein Rahmenvereinbarung, die die spätere Bestellung von weiteren Systemen vorsieht, um Heeresdivisionen, die an der Ostflanke der NATO eingesetzt werden sollen, mit den rückwärtigen Dienststellen – bis hin nach Deutschland – zu verbinden.

Insgesamt können über den jetzigen Rahmenvertrag bis 256 kleinen TaWAN-Richtfunksystemen auf Basis der Piranha-V-Plattform von General Dynamics European Land Systems (GDELS) und eine ähnliche Anzahl an großen Richtfunksystemen abgerufen werden – wobei zwei 8×8 HX-Lkw ein großes Richtfunksystem bilden. Dabei trägt ein Fahrzeug ein 40-Meter-Mastsystem von SMAG, ein weiteres den 20-Fuß-Funktionscontainer mit Arbeitsplätzen, Servern und weiterer Ausrüstung. Die Richtfunktechnologie für das System kommt von Dynamit Nobel Defence (DND). Die Basis dafür bildet das Richtfunksystem BNET HCLOS (High Capacity Line of Sight). Das „BNET HCLOS“-Richtfunkgerät ist Teil der Funkgerätefamilie BNET SDR des israelischen Rüstungskonzerns Rafael und gilt als eines der leistungsfähigsten Broadband-IP-MANET-Systeme weltweit. Bei einer Verdopplung des Auftragsvolumens für Rheinmetall, dürfte sich auch der Bedarf an an beschriebenen TaWAN-Subsystemen in einem vergleichbaren Maße erhöhen.

Lars Hoffmann