Tarnkappen-Bomber für das 21. Jahrhundert – B-21 Raider im Überblick

Alexander Luck

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Im Rahmen ihrer Modernisierungsbemühungen befindet sich die United States Air Force (USAF) derzeit im Prozess der Einführung des neuen Nurflügel-„Stealth“-Bombers B-21. Der Beitrag liefert einen umfassenden Überblick über den Hintergrund und den Stand dieses Vorhabens. Die Analyse beschäftigt sich darüber hinaus mit einigen grundlegende Fähigkeiten, die das neue Design bieten wird, sowie mit den daraus resultierenden operativen Auswirkungen für die USAF.

Die amerikanische Luftwaffe betreibt derzeit drei Typen strategischer Bomber zur Umsetzung ihrer luftgestützten Angriffs-Fähigkeiten. Dazu gehören die rund 70 noch im Dienst befindlichen unterschallschnellen B-52H-„Stratofortress“-Bomber, die derzeit einer umfassenden Modernisierung einschließlich neuer Triebwerke unterzogen werden, um das Muster bis in die 2050er Jahre hinein flugfähig zu halten, dann unter der neuen Bezeichnung B-52J.

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Darüber hinaus betreiben die US-Luftstreitkräfte 45 überschallschnelle B-1B „Lancer“ Schwenkflügel-Bomber, und schließlich 19 B-2B-Unterschall-Bomber, genannt „Spirit“, mit sehr geringer Signatur bzw. „Stealth“-Eigenschaften. Beginnend mit der Einführung im nächsten Jahr beabsichtigt die USAF, ihre Flotten von B-1B- und B-2-Bombern über einen Zeitraum von etwa zwei Jahrzehnte durch die neue B-21 „Raider“ zu ersetzen.

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Historischer Hintergrund

Das visuelle Erscheinungsbild der B-21 unterstreicht das primäre Ziel dieses neuen Designs: Die „Raider“ soll vorrangig die B-2 „Spirit“ bei strategischen Bombermissionen ersetzen, einschließlich der Rolle der nuklearen Abschreckung im Einsatz gegen stark verteidigte Ziele von ebenbürtigen Gegnern mit modernen Luftverteidigungssystemen und Abfangjägern.

Die B-2 Spirit, die noch immer als das leistungsfähigste „Tarnkappen“-Angriffsflugzeug im aktiven Dienst gilt, entsprang dem amerikanischen „Advanced Technology Bomber“-Programm, das Ende der 1970er Jahre begann. Die B-2 stellte einen Wendepunkt für die Anforderungen an das Design strategischer Bomber der USAF dar. Sie verabschiedete sich von der Philosophie der B-1 Lancer, deren Entwicklung ein Jahrzehnt früher begonnen hatte. Das Konzept der B-1 betonte den Überschallflug einschließlich sehr schneller Annäherung im Tiefflug an ein Ziel, was das charakteristische Schwenkflügel-Design motivierte.

Die B-21 soll das zukünftige Rückgrat der strategischen Bomberflotte der US-Luftwaffe bilden.
Die B-21 soll das zukünftige Rückgrat der strategischen Bomberflotte der US-Luftwaffe bilden. (Bild: Northrop Grumman)

Die B-2 ist stattdessen darauf ausgelegt, sich Zielen mit Unterschallgeschwindigkeit zu nähern, vorzugsweise in sehr großer Höhe. Das Stealth-Design ist von Radar- und optischen Sensoren nur sehr schwer zu erkennen und zu verfolgen. Wie schon zuvor beim älteren taktischen Bomber F-117 Nighthawk führte dieser Ansatz zu dem hier und da aufkommenden Irrglauben, dass solche Stealth-Flugzeuge praktisch unsichtbar seien. Während Tarnkappenflugzeuge mit bloßem Auge klar erkennbar sind, zielen sie darauf ab, einen Effekt der „Unsichtbarkeit“ oder sehr geringer Erfassbarkeit für Sensornetzwerke zu erreichen, die erforderlich sind, um Flugzeuge oder Flugkörper zum Abfangen einzusetzen.

Mit der B-2 begann eine langwierige und kostspielige Entwicklung, die zum Pech des Programms mit dem Ende des Kalten Krieges zusammenfiel. Dieses Ereignis führte zu drastischen Budgetkürzungen für Verteidigungsprogramme, insbesondere für strategische Systeme. Vergleichbare Schwierigkeiten hatte es bereits bei der Beschaffung der B-1A Lancer unter Präsident Jimmy Carter gegeben. Die Idee unter Carter war, dass die B-2, damals noch in einem frühen Entwicklungsstadium, anstatt der B-1B langfristig die große Flotte an B-52-Bombern ersetzen sollte.

Ronald Reagan, 1981 im Amt, beschloss, das B-1-Vorhaben wiederzubeleben. Treiber war die Sorge über die schnellere Verfügbarkeit modernerer und leistungsfähigerer Bomber als der veralteten B-52. Der Plan der Reagan-Regierung bestand darin, eine begrenzte Flotte modernisierter B-1B-Bomber einzuführen, um die Verfügbarkeitslücke zu überbrücken, bis die B-2 einsatzbereit wäre. Entsprechend nahm die Lancer ab 1985 bei der USAF den Betrieb auf, während sich die B-2 in einem fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung befand.

Anfängliche Pläne für die B-2 sahen eine Beschaffung von mindestens 132 Flugzeugen vor, um den operativen Bedarf der US-Luftwaffe zu decken. Einzelne Quellen nennen ein letztendliches Ziel von 165 Einheiten. Mit dem Ende des Kalten Krieges erfuhr die sehr teure B-2 jedoch drastische Kürzungen, nachdem die sowjetische Bedrohung scheinbar über Nacht verschwand. In diesem politischen Klima gab die Regierung von George H. W. Bush im Jahr 1992 bekannt, dass das B-2-Programm nach 20 bereits bestellten Flugzeugen eingestellt werden sollte. Die nachfolgende Clinton-Regierung hielt an diesem Plan fest und fügte lediglich einen weiteren Bomber hinzu, was in einem Gesamtbestand von 21 B-2 resultierte. Aufgrund dieser drastischen Reduzierung und weiterer Kostensteigerungen, die für sehr ambitionierte Militärtechnologieprogramme typisch sind, stiegen die Kosten der B-2 einschließlich Entwicklungs- und Logistikkosten des Programms auf häufig zitierte 2 Milliarden US-Dollar pro Flugzeug in Dollarwerten von 1997. Dieser Betrag entspricht unter Berücksichtigung der Inflation einem Wert von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2026. Eine direkte Folge des abgebrochenen B-2-Programms war, dass die B-1B, ursprünglich nur als Übergangsfähigkeit angesehen, bis heute im Einsatz verbleibt. Darüber hinaus, und ironischerweise, blieb auch die B-52, welche sowohl durch die B-1B als auch die B-2 letztlich ersetzt werden sollte, weiterhin im Dienst. Die Stratofortress deckt insbesondere den Bedarf der USAF nach kosteneffizienter Schlagfähigkeit mittels einer großen Zahl an Marschflugkörpern gegen Ziele, wie sie für die 1990er- und frühen 2000er-Jahre in amerikanischen Militäroperationen typisch waren. Zudem wird eine geringere Zahl an B-52 für den nuklearen Einsatz, ebenfalls mit Marschflugkörpern, vorgehalten.

Währenddessen bestand der ursprüngliche Plan nach der Einstellung der B-2-Produktion darin, zu einer neuen strategischen Schlagkraftentwicklung überzugehen, um die amerikanischen Bomberflotten langfristig zu modernisieren. Diese Absicht fand jedoch aufgrund anhaltender Budgetzwänge der USAF und der Priorisierung anderer Programme, etwa des Joint Strike Fighters, der zur F-35 führte, keine Umsetzung.

Konzept und Programm-Entwicklung der B-21

Trotz der Einstellung von Entwicklung und Produktion eines neuen Bombers aufgrund fehlender Mittel und politischer Unterstützung war der USAF klar, dass bestehende Typen aufgrund von Alter und Verschleiß innerhalb der nächsten Jahrzehnte ersetzt werden müssten. Obwohl sowohl die B-1B als auch die B-2 eine begrenzte Modernisierung durchliefen, einschließlich für Einsätze in Afghanistan, sind beide Entwürfe teuer im Betrieb und in der Wartung.

Die B-21 bei der Erprobung der Luftbetankungsfähigkeit.
Die B-21 bei der Erprobung der Luftbetankungsfähigkeit. (Bild: U.S. Air Force)

Die ältere B-52-Flotte ist zwar im Betrieb günstiger und vielseitiger. Dennoch würde ein Punkt erreicht werden, an dem Verschleiß und Abnutzung die Anzahl der einsatzfähigen Flugzeuge beeinträchtigen würden. Zudem ist die B-52 trotz ihrer erstaunlichen Robustheit nicht in der Lage, Anforderungen zu erfüllen, wie sie von B-1B und B-2 gedeckt werden. Schätzungen gingen generell davon aus, dass diese Fähigkeitslücke vor 2035 entstehen würde, wobei ein neues Programm zur Produktion eines Nachfolgebombers etwa um 2010 beginnen müsste.

Über die Glaubwürdigkeit nuklearer Fähigkeiten und traditionelle Angriffsszenarien mit konventionellen Waffen entstanden in den frühen 2000er Jahren neue Motivationen für modernere Bomber. Von besonderer Bedeutung war die zunehmende Fähigkeit strategischer Bomber dank verbesserter gelenkter Waffen und Aufklärungstechnologien, bewegliche Boden- und Seeziele anzugreifen.

Die resultierende Fähigkeit verwischt die Grenzen zwischen strategischen und taktischen Angriffseinsätzen und gewann aus zwei wesentlichen Gründen an Attraktivität. Erstens ermöglicht dies teuren strategischen Bombern mit traditionell eng begrenzten Einsatzprofilen eine flexiblere Nutzung. Ein frühes Beispiel für diese Logik war der Einsatz der B-1B zur Unterstützung von Bodeneinsätzen in Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September. Die „Lancer“ verwendete hierzu neu installierte Zielbeleuchter in Verbindung mit einer hohen Traglast an laser-gelenkten Gleitbomben, um ein Höchstmaß an Luftnahunterstützung für Bodentruppen zu bieten.

Zweitens ermöglicht dieser Fortschritt großen Nutzlastträgern wie strategischen Bombern, zunehmend komplexe Luftverteidigung-Systeme zu bedrohen, einschließlich der von Kriegsschiffen zur Verbandsflugabwehr auf See. Dieser Punkt hat erheblich an Bedeutung gewonnen mit der zunehmenden Verlagerung amerikanischer Militärkräfte in den pazifischen Einsatzraum. Von besonderer Bedeutung hier ist eine zunehmend leistungsfähige Aufstellung chinesischer See- und Luftstreitkräfte in Ostasien.

Anfänglicher Enthusiasmus bei der Ausarbeitung von Entwürfen für den B-2-Nachfolger beinhaltete hyperschallfähige oder unbemannte Bomberfähigkeiten. Allerdings führten anhaltende technologische Beschränkungen, realistische Budgeterwartungen und umfassendere operationelle Überlegungen schließlich zu einer Planung im Sinne eines evolutionären Ansatzes, basierend auf dem bestehenden Einsatzkonzept für strategische Stealth-Bomber. Das Pentagon verwarf zudem schlussendlich weitere Ideen bezüglich einer Familie von Angriffssystemen mit sich ergänzenden Fähigkeiten, anstelle eines einzelnen Entwurfs.

Die grundlegende Anforderung für einen stark signaturreduzierten Entwurf ähnlich der B-2, der dennoch für eine Serienproduktion erschwinglich bleiben muss, entstand zunächst im Rahmen des „Next Generation Bomber“-Programms. Dieses Projekt, oft abgekürzt als NGB, wurde auch als „2018 Bomber“ bezeichnet, indikativ für die beabsichtigte Serienreife bis 2018. Im Jahr 2009 deutete Robert Gates, damals Verteidigungsminister, eine Verzögerung bei der Entwicklung des NGB an und rückte vom Zieljahr 2018 ab. Gates begründete diese Änderung mit laufenden Rüstungskontrollgesprächen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland. Allerdings waren Kostenüberlegungen wahrscheinlich ein weiterer erheblicher Faktor, und Gates betonte, dass das letztlich benötigte Flugzeug in erster Linie erschwinglich sein müsse.

Die damit verbundene Planung ging nach 2009 in das neue „Long Range Strike Bomber“-Projekt über, auch LRS-B genannt. Zuvor diskutierte Ideen für ein vollständig unbemanntes Design im Rahmen des NGB wurden nun in ihrem Anspruch zurückgefahren zu einem „optional bemannten“ Flugzeug. Dieser Ansatz sah nach wie vor die Fähigkeit zum vollständig autonomen Flug für den neuen Bomber vor, etwa bei langen Überführungsflügen, erforderte jedoch eine Besatzung für die Durchführung komplexer Missionen.

Mit dem Stand von 2011 legte sich die US-Luftwaffe offiziell auf eine Zielproduktion für den neuen Bomber von zwischen 80 und 100 Flugzeugen fest. Diese Zahl stellte eine Reduzierung gegenüber einem ursprünglich spekulierten Bedarf von 175 neuen Bombern dar. Der damalige Chief of Staff der Air Force, General Norton Schwartz, betonte zudem Kern-Fähigkeiten, darunter nukleare Schlagfähigkeit, optionale Besatzung, und betonte den stark vernetzten Charakter der Einsätze für das neue Flugzeug. Beide letztgenannten Aspekte sollten später in der offiziellen Kommunikation abgeschwächt werden, im Einklang mit der fortlaufenden Entwicklung und der Kostenkontrolle.

Industrievereinbarungen für die Ausschreibung des neuen Bombers nahmen 2014 ihre endgültige Form an. Boeing entschied sich, mit seinem üblichen Hauptkonkurrenten für Luft- und Raumfahrtprogramme, Lockheed Martin, zusammenzuarbeiten. Diese Kooperation trat gegen den B-2-Entwickler Northrop Grumman an, mit seiner demonstrierten Kompetenz bei der Entwicklung und Produktion strategischer Stealth-Bomber. Fachmedien berichteten 2015, dass der neue Bomber wahrscheinlich kleiner sein würde als die B-2, möglicherweise sogar halb so groß wie die „Spirit“ mit ihrem maximalen Startgewicht von 170 Tonnen und einer Waffenlast von bis zu 27 Tonnen. Berichte deuteten außerdem darauf hin, dass die weitgehend geheime Entwicklung des neuen Flugzeugs zu diesem Zeitpunkt, insbesondere bei der Festlegung zentraler Anforderungen, schneller als üblich für derartige Vorhaben vorankam.

Am 27. Oktober 2015 vergab das US-Verteidigungsministerium den Auftrag mit einem Anfangswert von 21,4 Milliarden US-Dollar, etwa 25 Milliarden Euro im Jahr 2026, für den neuen Bomber an Northrop Grumman. Im Februar 2016 designierte die US-Luftwaffe den neuen Bomber offiziell als B-21 und stellte erste Grafiken vor, die das endgültige Design des Flugzeugs zeigten. Die Konfiguration als Nurflügler ähnelten stark der B-2, ein Umstand, den USAF-Offizielle als beispielhaft für einen evolutionären Ansatz mittels ausgereifter und erschwinglicher Technologien betonten. Die US-Luftwaffe bestätigte außerdem ein angestrebtes Einsatzdatum Mitte der 2020er Jahre.

Im September 2016 gab Deborah Lee James, Secretary of the Airforce bekannt, dass das Flugzeug den Namen „Raider“ tragen wird – in Anlehnung an die „Doolittle Raiders“, die 1942 im Zweiten Weltkriegs im Pazifik den ersten Gegenangriff gegen Ziele auf den japanischen Inseln durchführten. Die Namenswahl verdeutlicht zudem das operative Denken der US-Luftwaffe hinsichtlich der Priorisierung von Landzieloperationen im Pazifikraum.

Mit dem Stand von 2017 revidierte die USAF ihre gewünschte Produktionszahl für die B-21 von zuvor bis 100 Flugzeugen auf 145 Einheiten. Der stellvertretende Stabschef der USAF merkte außerdem an, dass die Luftwaffe im besten Fall einen Bestand von 165 B-21 erhalten würde. Dennoch bleibt die endgültige Flottengröße der B-21 offiziell geheim und unbestimmt, und keine exakte Zahl kann in diesem Kontext als zuverlässig betrachtet werden.

Der Bau der ersten B-21 war 2019 auf dem Gelände von Northrop Grumman im staatseigenen Fertigungskomplex „Werk 42“ in der Nähe von Los Angeles im Gange. Die USAF stellte den B-21 Raider am 2. Dezember 2022 bei einer Zeremonie in den Produktionsanlagen von Northrop Grumman in Kalifornien offiziell vor. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich insgesamt sechs Flugzeuge im Bau. Herauszustreichen ist, dass es aufgrund der komplexen Entwicklung und der relativ geringen Flottenzahl keine Prototypen für das B-21-Programm gibt. Stattdessen wird Northrop-Grumman die ersten Muster für Erprobungen verwenden und diese Bomber später für den operativen Einsatz durch die Luftwaffe umrüsten.

Der Erstflug fand etwa ein Jahr nach der Vorstellung am selben Ort am 10. November 2023 statt. Das zweite Muster flog erstmals am 11. September 2025. Mit Stand Mai 2026 sind mindestens drei B-21 in der fliegenden und bodengestützten Erprobung. Tests beinhalteten bereits die Luftbetankung durch KC-135 der USAF. Unterdessen hat Northrop-Grumman Berichten zufolge das Produktionstempo um ein Viertel erhöht und strebt eine Auslieferungsrate von acht Flugzeugen pro Jahr an. Der Stabschef der Luftwaffe, General Kenneth Wilsbach, erklärte im Februar 2026, dass die erste B-21 im Jahr 2027 auf der Ellsworth Air Force Base in South Dakota eintreffen wird. Die USAF hatte bereits 2019 erklärt, dass Ellsworth die erste Luftwaffenbasis für die B-21 sein werde, gefolgt von Whiteman und Dyess AFB.

Designmerkmale und Spezifikationen

Detaillierte Spezifikationen der B-21 Raider bleiben geheim, ähnlich wie bei beim Vorgänger B-2. Daher müssen öffentliche Analysen die meisten Daten aus veröffentlichten Bildern und grundlegenden Aussagen über die Fähigkeiten des Musters ableiten. In den letzten Jahren hat die USAF zunehmend detaillierte Bilder der B-21 veröffentlicht, die zumindest Hinweise auf das Einsatzkonzept und darauf bezogene Fähigkeiten bieten.

Die Luftbetankungsfähigkeit der B-21 erhöht die Reichweite des Bombers und ermöglicht so eine weltweite Einsatzfähigkeit.
Die Luftbetankungsfähigkeit der B-21 erhöht die Reichweite des Bombers und ermöglicht so eine weltweite Einsatzfähigkeit. (Bild: U.S. Air Force)

Wie die ältere B-2 ist die B-21 ein strategischer Bomber mit interkontinentaler Reichweite, der von Luftwaffenstützpunkten auf dem amerikanischen Festland aus operieren kann, um Ziele rund um den Globus anzugreifen. Folglich ähnelt die Konfiguration stark der B-2. Beide Flugzeuge teilen das grundlegende Nurflügel-Konzept mit obig angeordneten Lufteinlässen und Auslässen, welche die Triebwerke vor radar- und infrarotgestützter Erkennung von bodengestützten Sensoren schützen. Die B-21 ist insgesamt ein kleineres Flugzeug und wird von zwei Turbofan-Triebwerken von Pratt & Whitney angetrieben, im Vergleich zu den vier General-Electric-F118-Triebwerken der B-2.

Die hintere Sektion der B-21 unterscheidet sich deutlich von der B-2. Der frühere Bomber musste eine Anforderung für den Tiefflug berücksichtigen, ähnlich wie die B-1B, was zur charakteristischen Dreiecksform um die Triebwerksauslässe führte. Die damalige Begründung war die Sorge um die langfristige Überlebensfähigkeit von Tarnkappenflugzeugen in großer Höhe. Daher wünschte sich die USAF diese Rückfall-Option, um sicherzustellen, dass die B-2 effektiv bleibt. Diese Konstruktionsentscheidung erforderte die Integration komplexerer Steuerflächen für das anspruchsvolle Flugregime. Die ausschlaggebende Sorge stellte sich jedoch als unbegründet heraus. Daher scheint die B-21 ausschließlich für den Flug in großer Höhe konzipiert zu sein, was ein vereinfachtes Heckdesign ermöglicht, mit einer besseren Optimierung für die Signaturreduzierung.

Das Design des Triebwerkseinlasses bei der B-21 ist ebenfalls deutlich verbessert. Die Triebwerkseinlässe der B-2 Spirit sind ausgeprägte Strukturen, die auf der Flugzeugzelle sitzen und Splitterplatten zur Verbesserung der Grenzschichtkontrolle enthalten. Dagegen verfügt die B-21 über Triebwerkseinlässe, die tief in die Flugzeugzelle eingebettet sind und anders als bei der B-2 keine „splitter plates“ zur Grenzschichtkontrolle beim Anströmen aufweisen. Wie beim Leitwerksdesign dürfte diese visuelle Vereinfachung die Signaturreduktion erheblich verbessern.

Ein der am deutlichsten erkennbare Unterschiede zwischen den beiden Tarnkappenbombern betrifft das Cockpit-Design. Beide Flugzeugcockpits, die eine zweiköpfige Besatzung aufnehmen, verfügen über vier Fenster in der Cockpit-Haube. Während jedoch das Cockpit der B-2 ähnlich wie das Triebwerkseinlass-Design eine ausgeprägte Struktur auf der Oberseite des Flugzeugrumpfs mit großen Windschutzscheiben darstellt, weist das B-21-Pendant eine stark verbesserte Integration in den Flugzeugkörper auf. Die Fenster des Raider weisen ein charakteristisches und unregelmäßigeres Design auf, das ebenfalls die Integration in die Flugzeugzelle optimiert. Beide Flugzeuge sind in der Lage, während des Fluges mittels der Flying-Boom-Technik betankt zu werden und besitzen eine Betankungsöffnung hinter dem Cockpit. Die B-21-Version ist allerdings stark simplifiziert und besitzt weniger bewegliche Teile, erneut zur Verbesserung der Stealth-Eigenschaften.

Die Spannweite der Raider ist im Vergleich zum früheren Bomber reduziert und entspricht seinem insgesamt kompakteren Design. Offizielle Angaben zur Größe der B-21 liegen nicht vor, aber Beobachter schätzen die Spannweite auf etwa 45 Meter, verglichen mit 52 Metern beim Spirit. Während die B-2 über zwei Waffenschächte zwischen dem Hauptfahrwerk verfügt, besitzt die B-21 aufgrund der geringeren Abmessungen nur einen solchen Nutzlastschacht. Rund um den Waffenschacht sind weitere Abdeckungen erkennbar. Detaillierte Bilder deuten darauf hin, dass es sich dabei stattdessen um Wartungsluken für installierte Ausrüstung handelt. Das Hauptfahrwerk der B-21 besitzt zwei Räder pro Seite, während die deutlich schwerere B-2 jeweils vier Räder verwendet.

Ebenso wie andere Spezifikationen, etwa Reichweite, Geschwindigkeit oder Einsatzflughöhe, bleibt die Nutzlastangabe der B-21 unter Verschluss. Aus diesem Grund müssen veröffentlichte Angaben in Medienberichten mit Vorsicht betrachtet werden. Schätzungen, die auf den Gesamtabmessungen und der Waffennutzlast-Auslegung basieren, gehen im Allgemeinen von etwa der Hälfte der Nutzlastkapazität der B-2 aus, was in einer Waffenlastkapazität von etwa 10 bis 14 Tonnen resultieren würde.

Die Sensorkonfiguration der B-21 ist eine weitere unbekannte Größe. Der Bomber verwendet sehr wahrscheinlich ein oder mehrere „Active Electronically Scanned Array“ (AESA)-Radarsysteme für Navigation, Aufklärung und elektronische Kampfführung. In diesem Zusammenhang würde „Scalable Array“-Technologie, wie sie vom Sensorspezialisten Raytheon beworben wird, erhebliche Sensor-Fähigkeiten einschließlich Vernetzung ermöglichen, ohne dabei die passive und aktive Signaturreduzierung des Entwurfs in Frage zu stellen.

Implikationen für den Einsatz der B-21

Wie bereits erwähnt, befinden sich die geplanten Produktionszahlen für die B-21 weiterhin im Fluss. Da die Raider derartig konzipiert ist, dass sie sowohl in der Beschaffung als auch im Betrieb kostengünstiger ist als ihr Vorgänger, weisen hochrangige amerikanische Militärbeamte regelmäßig auf ihren Wunsch nach mehr als 100 B-21-Bombern hin. Admiral Samuel Paparo, Chef des US Indo-Pacific Commands, hat zuletzt seine Sympathie für die Beschaffung von bis zu 200 B-21 zum Ausdruck gebracht, um alle für das Flugzeug vorgesehenen Einsatzrollen abzudecken.

Derartige Überlegungen erhalten auch die Aufmerksamkeit amerikanischer Politiker vor dem Hintergrund der beträchtlichen Ausweitung chinesischer nuklearer und konventioneller Fähigkeiten. US-Offizielle prognostizieren regelmäßig, dass sich das nukleare Arsenal Chinas über das nächste Jahrzehnt effektiv verdoppeln wird. Eine solche Veränderung würde den bestehenden Druck auf die amerikanische nukleare Abschreckung verstärken, der zusätzlich aus den russischen Bemühungen zur Modernisierung des eigenen nuklearen Arsenals resultiert.

Darüber hinaus gestalten sich die Bedingungen für Luftschlagfähigkeiten zunehmend herausfordernder. Der Grund ist der traditionelle Wettlauf zwischen offensiven und defensiven Systemen, in diesem Fall bodengestützte Luftverteidigungssysteme und modernere Kampfflugzeuge in der Abfang-Rolle. Noch mehr als bei nuklearen Fähigkeiten gilt China mittlerweile als Hauptkonkurrent. Dieser Trend führt zwangsläufig zu einer steigenden Nachfrage nach Stealth-fähigen strategischen Bombern führen, die sogenannte „Penetrating Strike“-Missionen durchführen, also Angriffe mit konventionellen Waffen gegen stark verteidigte Bodenziele. Beispielhaft in diesem Zusammenhang sind jüngste amerikanische Militäroperationen gegen den Iran, die wiederholte B-2-Angriffe gegen mehrere iranischen Ziele in den Jahren 2025 und 2026 umfassten.

Sobald die B-1B- und B-2-Flotten der USAF ab Mitte der 2030er Jahre außer Dienst gehen, wird die B-21 wahrscheinlich einer erheblichen Nachfrage gegenüberstehen, da sie Missionen übernehmen muss, die derzeit von beiden Flugzeugtypen über das gesamte konventionelle Einsatzspektrum hinweg durchgeführt werden. Diese Nachfrage könnte dadurch noch verstärkt werden, dass die B-21 pro Flugzeug weniger Waffenlast tragen wird als beide genannten Typen. 

Die B-52-Flotte wird weiterhin eine beträchtliche Nutzlastkapazität durch den Verschuss von Marschflugkörpern bieten, einschließlich für die nukleare Abschreckung. Aufgrund der inhärenten Eigenschaften dieses inzwischen 70 Jahre alten Flugzeugmusters wird die Stratofortress jedoch weiterhin auf die strikte Verwendung von Abstandswaffen beschränkt bleiben, um dieses deutlich verwundbarere Design vor feindlichen Luftverteidigungssystemen zu schützen.

Als die B-2 Spirit in den Dienst der United States Air Force trat, war aufgrund der globalen Sicherheitslage ein dramatischer Rückgang der Nachfrage nach hochentwickelten strategischen Luftschlagfähigkeiten zu verzeichnen. Das resultierte in einem vorzeitigen Ende der Beschaffung dieses Bombers. In Gegensatz dazu wird die B-21 ihre Serienreife zu einem Zeitpunkt erreichen, zu dem das US-Militär wahrscheinlich einen deutlich gestiegenen Bedarf an entsprechenden Fähigkeiten kommunizieren wird. 

In der Konsequenz wird dieser neue Stealth-Bomber eine Nutzung im deutlichen Kontrast zu seinem bahnbrechenden Vorgänger erleben und in größeren Stückzahlen häufiger weltweit zum Einsatz kommen.

Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien.