Sturmgewehr C25 – höhere Präzision und Treffgenauigkeit schlagen höhere Durchschlagskraft?

Waldemar Geiger

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Als Nachfolger im Rahmen des Vorhabens „Canadian Modular Assault Rifle“ der kanadischen Streitkräfte entwickelt, soll das C25-Sturmgewehr des kanadischen Handwaffenherstellers Colt Canada die vor über 35 Jahren eingeführten C7-Sturmgewehre und C8-Karabiner ablösen und Soldatinnen und Soldaten in die Lage versetzen, Ziele auch auf größere Distanzen effektiv bekämpfen zu können. Der Hersteller sieht die Waffe jedoch auch als potenziellen Kandidaten für mehrere europäische Sturmgewehr-Beschaffungsvorhaben.

In Europa war das C25-Sturmgewehr erstmals Mitte September im Rahmen der britischen Rüstungsmesse DVD2026 zu sehen. Am 3. Oktober wurde das C25 nun im Zuge eines Medienbriefings in Kopenhagen erstmals im scharfen Schuss vorgestellt werden.

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Seit Anfang der 2020er Jahre unter dem Dach der Colt CZ Group operierend, hat Colt Canada eigenen Angaben zufolge seit den 1990er Jahren mehrere europäische Streitkräfte als Kunden für seine Sturmgewehre gewinnen können. Neben Dänemark und den Niederlanden, die die C7/C8-Plattformen querschnittlich eingeführt haben, hat auch die British Army rund 3.000 Sturmgewehre aus Kanada beschafft, die unter anderem bei den Spezialkräften genutzt werden. Weiterhin gehören Herstellerangaben zufolge die Spezialkräfte Norwegens, Schwedens sowie Tschechiens zu den Nutzern von Waffen „Made in Canada“.

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Alle diese Nutzer gelten als potenzielle Kandidaten für die Beschaffung der auf Basis des C25 in Entwicklung befindlichen Sturmgewehr-Generation von Colt Canada. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass der kurzfristige Fokus der kanadischen Aktivitäten auf Großbritannien und den Niederlanden liegen wird. Denn Großbritannien beabsichtigt im Rahmen des Vorhabens „Projekt Grayburn“, die seit Jahrzehnten im Dienst stehende SA80-Sturmgewehr-Familie zu ersetzen, wie hartpunkt berichtete. Gleichzeitig sind auch die niederländischen Streitkräfte auf der Suche nach einer neuen Sturmgewehr-Familie als Ersatz für die aktuell in Nutzung befindlichen C7/C8-Plattformen. Dem Vernehmen nach soll eine Beschaffung im Rahmen eines Regierungsgeschäfts erfolgen.

Entwicklung des C25

Das C25 von Colt Canada ist die neueste Weiterentwicklung der C7/C8-Sturmgewehrplattformen. Dabei handelt es sich  im Wesentlichen um in Kanada in Lizenz gefertigte Versionen des Colt M16A2, das ursprünglich von der Firma Diemaco hergestellt wurde, die 2005 von Colt Defense übernommen und zu Colt Canada umfirmiert wurde.

Das C25 ist wie seine Vorgänger ein gasdruckbetriebenes Sturmgewehr, das wie die AR-15-Serie, auf der es basiert, das originale interne Kolben-/Direktgasdrucksystem von Eugene Stoner und einen Drehkopfverschluss verwendet. Die Waffe ist vollständig für den beidhändigen Gebrauch ausgelegt. Es verfügt über ein monolithisches Obergehäuse mit fünf M-Lok-Schnittstellen am Handschutz sowie ein freischwingendes 13,7-Zoll-Rohr, was der Präzision zugutekommt und außerdem verhindert, dass sich durch Verschleiß „Spielraum“ zwischen dem vorderen Handschutz und dem Gehäuseteil bildet. Dadurch verfügt die Waffe über eine durchgehende Schiene entlang der gesamten Oberseite, an der Zielvorrichtungen wie optische Visiere und Nachtsichtvorsätze montiert werden können.

Wie bereits angesprochen, wurde das Sturmgewehr C25 speziell für die Ausschreibung „Canadian Modular Assault Rifle“ der kanadischen Streitkräfte entwickelt. hartpunkt berichtete im März, dass Colt Canada von der kanadischen Verteidigungsinvestitionsagentur (DIA) mit der Lieferung von Sturmgewehren sowie weiteren Leistungen im Wert von umgerechnet rund 172 Millionen Euro beauftragt.

Im Rahmen des Auftrags sollen zwischen 2026 und 2029 insgesamt 30.000 sogenannte „General Service“ (GS)-Gewehre an die kanadischen Streitkräfte geliefert werden. Der Vertrag enthält zudem Optionen für weitere Gewehre, konkret 19.207 zusätzliche GS-Gewehre sowie 16.195 sogenannte „Full Spectrum“ (FS)-Gewehre.

Bei eben jenen GS-Gewehren handelt es sich um das C25. Diese GS-Sturmgewehre mit der Bezeichnung C25 sollen vor allem bei den Unterstützungsverbänden zum Einsatz kommen, während infanteristisch operierende Kampftruppen die noch in der Entwicklung befindlichen FS-Gewehre (C26) erhalten sollen. Wesentliche Unterscheidungsmerkmale sollen in einer größeren Rohrlänge sowie einer stärker vergrößernden Optik liegen, die die effektive Kampfreichweite des C26 auf 500 m steigern soll. Für die Unterstützungstruppenteile wurde hingegen „nur“ eine effektive Kampfreichweite von 300 m gefordert.

Im Gegensatz zu anderen Streitkräften, die der Proliferation von Körperschutzausrüstung auf Seiten möglicher Gegner mit stärkeren Kalibern begegnen wollen, sieht der kanadische Ansatz eine Steigerung der Präzision und Treffgenauigkeit bei Beibehaltung des Standard-NATO-Kalibers 5,56 x 45 mm vor. Diese Maßnahmen sollen Soldatinnen und Soldaten in die Lage versetzen, feindliche Kräfte auch auf größere Distanzen durch gezielte Schüsse auf nicht geschützte Körperpartien effektiv bekämpfen zu können.

Um das zu erreichen, sieht der Ansatz von Colt Canada eigenen Angaben zufolge mehrere Verbesserungen der neuen Sturmgewehrfamilie vor. So soll eine Optimierung der Rohrgeometrie die waffenbedingte Präzision erhöhen, indem auf das Geschoss einwirkende innenballistische Störungen verringert werden. Erzielt wird dies mit einem 13,7-Zoll-Rohr mit 7-Zoll-Drall.

Neben der waffen- und munitionsbedingten Streuung wird die Präzision einer Handwaffe auch durch außenballistische Faktoren, beispielsweise Wetter, sowie die durch den Schützen bedingte Streuung beeinflusst.

Munitionstechnisch ist das C25 Colt Canada zufolge auf die C77-Patrone im Kaliber 5,56 x 45 mm der kanadischen Streitkräfte abgestimmt, die dem US-amerikanischen M855-Standard beziehungsweise dem SS109-Geschoss entspricht. Gleichwohl deuten Berichte kanadischer Medien darauf hin, dass der Munitionshersteller General Dynamics Ordnance and Tactical Systems Canada aktuell im Auftrag der kanadischen Streitkräfte eine leistungsverbesserte, schadstoffarme Patrone unter der Bezeichnung XC77A2 entwickelt, die offenbar ebenfalls im Rahmen des Vorhabens „Canadian Modular Assault Rifle“ eingeführt werden soll. Diese Patrone soll eine bessere außenballistische Leistung aufweisen sowie sowohl die Durchschlagskraft als auch die Präzision auf größere Entfernungen erhöhen.

Um die schützenbedingte Streuung zu senken, wurden im Wesentlichen zwei Maßnahmen umgesetzt: Durch die Implementierung eines Zweipunktabzugs soll ein besseres Abzugsverhalten der Schützen ermöglicht werden. Zudem wird die Waffe querschnittlich mit einem sogenannten Multi-Function Muzzle Device (MFMD) eingeführt, das Mündungsfeuerdämpfer, Mündungsbremse und Signaturreduzierer in einem System kombiniert.

Das MFMD wurde von Millbrook Strategic Sciences entwickelt und wird in Kanada hergestellt. Das System mit geringem Reinigungsbedarf sorgt dafür, dass die während des Schießvorgangs aus dem Rohr austretenden schädlichen Gase nach vorne – also weg vom Schützen – geführt werden. Zudem wird der Mündungsblitz fast gänzlich eliminiert. Dies wirkt sich sowohl positiv auf den Schießvorgang als auch auf die Aufklärbarkeit der Schützenstellung durch den Feind aus. Weiterhin wird der vom Schützen empfundene Mündungsknall um rund 15 dB reduziert. (Zum Verständnis: Die Erhöhung eines Lärmpegels um 10 dB wird vom Menschen als doppelt so laut empfunden.) Die Nutzung eines Gehörschutzes wird durch die Nutzung des MFMD zwar nicht obsolet, der geringere Lärmpegel erleichtert jedoch die Kommunikation im Gefecht und erschwert zudem die akustische Aufklärung durch den Feind. Bei Bedarf kann das MFMD durch einfaches Aufstecken um weitere Elemente ergänzt werden, die den Lärmpegel noch weiter reduzieren. Schlussendlich reduziert das MFMD den Rückstoß der Waffe um mehr als 70 Prozent. In Kombination führen diese Aspekte dazu, dass die Schützenstreuung signifikant reduziert werden kann und schnellere Folgeschüsse möglich werden, was beim Schießen mit der Waffe auch merklich spürbar ist.

Da Präzision (geringe Streuung) allein nicht ausreicht – schließlich kann man auch sehr präzise vorbeischießen –, muss für die zielgenaue Bekämpfung auf weitere Distanzen auch die Treffergenauigkeit verbessert werden. Beim C25 soll dies mittels der Ausstattung der Sturmgewehre mit einem variablen Zielfernrohr erreicht werden, was für eine für die querschnittliche Nutzung vorgesehene Waffe unüblich ist. Das Zielfernrohr soll es dem Schützen ermöglichen, Ziele auch auf größere Distanzen schneller aufzufassen und genauer anvisieren zu können. Colt sieht dabei eine zweifache Vergrößerung pro 100 m effektiver Kampfreichweite als sinnvoll an. Bei einer geforderten effektiven Kampfreichweite des C25 von bis zu 300 m resultiert dies daher in einem Zielfernrohr mit einer 1- bis 6-fachen Vergrößerung.

Unternehmensvertreter von Colt Canada verweisen darauf, dass das in Kopenhagen vorgestellte C25-Sturmgewehr in Kooperation mit den kanadischen Streitkräften explizit für die kanadischen Bedürfnisse entwickelt wurde. Die C25-Plattform bilde jedoch eine geeignete Basis, um auch nutzerbedingte Forderungen anderer Kunden bedienen zu können. Sowohl die Anpassung der Ausrüstungsmerkmale als auch der Rohrlänge wären dabei zwei Möglichkeiten des Handelns. Colt Canada verweist zudem auf den Plattformgedanken des Sturmgewehrs, das auch für andere Kaliber geeignet sei.

Waldemar Geiger