Das französische Start-up Skynopy, ein Anbieter von Satelliten-Bodenstationen als Service, will seine Präsenz in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Neben der Bereitstellung dieser Leistung sollen künftig hierzulande auch eigene Bodenstationen, Hardware sowie Software entwickelt werden, wie Felix Steiner, der für den Aufbau des deutschen Standorts verantwortlich ist, im Gespräch mit hartpunkt erläutert. Erst im vergangenen Monat hat das Unternehmen damit begonnen, das OneWeb-Bodenstationsnetz von Eutelsat im Rahmen des AKAR-Projekts in sein bestehendes Netzwerk zu integrieren.
Skynopy betreibt nicht nur eigene Antennen, sondern nutzt die ungenutzten Kapazitäten bestehender Anlagen über eine cloudbasierte Softwareplattform. Das Unternehmen mietet dafür Nutzungszeiten bei Bodenstationsbetreibern und stellt diese seinen Kunden über eine einheitliche Schnittstelle zur Verfügung. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit, LEO).
Nach Angaben von Skynopy legt eine selbst entwickelte Orchestrierungssoftware fest, welche Bodenstation zu welchem Zeitpunkt für den Kontakt mit einem Satelliten genutzt werden kann. Auf diese Weise können Satellitenbetreiber und Nutzer von Satellitendiensten weltweit auf zusätzliche Empfangskapazitäten zugreifen, ohne selbst ein eigenes Bodennetz aufbauen zu müssen.
„Wir werden in Deutschland eigene Produkte gestalten und auch Produktion anbieten“, sagt Steiner. Dazu gehöre auch der Aufbau einer deutschen Infrastruktur, inklusive Bodenstationen. Auch mobile oder verlegbare Bodenstationen seien ein Thema. Skynopy beteilige sich an einer entsprechenden Marktsichtung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und stehe dazu mit verschiedenen Dienstleistern und Zulieferern in Kontakt.
Das Unternehmen zeigt auch Interesse an bereits laufenden deutschen Rüstungsprogrammen. „Wir werden uns auf jeden Fall um SATCOMBw Stufe 4 bemühen, aber wir werden uns auch um die Programme SPOCK 2 bemühen und versuchen, in bestehende Rüstungsprogramme reinzukommen, indem wir quasi unser Netzwerk anbieten“, sagt der Manager. Bei den bestehenden Programmen gehe es um SPOCK 1. Der Aufbau einer deutschen Gesellschaft steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Eine konkrete Mitarbeiterzahl für Deutschland wollte Steiner jedoch noch nicht nennen.
Eutelsat-Vertrag gibt Wachstumsschub
Ein wichtiger Schritt für die internationale Expansion des Start-ups war ein Auftrag des zivilen französischen Satellitenbetreibers Eutelsat im September. „Wir integrieren jetzt das Eutelsat-Bodenstationsnetzwerk für die OneWeb-Satellitenkonstellation“, erklärt Steiner. Bis Ende 2029 sollen seinen Angaben zufolge mehr als 100 zusätzliche Antennen in das Netzwerk aufgenommen werden, verteilt auf rund 40 Standorte weltweit. Derzeit verfügt Skynopy nach eigenen Angaben über 17 Standorte mit mehr als 30 Antennen. Die Stationen sind wie beschrieben in „Teilzeit“ gemietet. „Wir haben beispielsweise in Punta Arenas ein Rack mit unserer Software und Standardservern“, erläutert Steiner.
Das Unternehmen strebt dabei eine Datenübertragungskapazität von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde im Downlink an. Der heutige Standard liege häufig bei ein bis zwei Gigabit pro Sekunde, sagt Steiner. „Die zehn Gigabit pro Sekunde konkurrieren dann auch mit optischer Datenübertragung.“
Bestehende Infrastruktur statt eigener Antennen
Das Geschäftsmodell setzt darauf, existierende Bodenstationen besser auszulasten. Viele Anlagen seien nur für bestimmte Satelliten ausgelegt und deshalb einen großen Teil des Tages ungenutzt. „Man hat beispielsweise eine Bodenstation in Deutschland, die vielleicht nur für zwei Satelliten gebaut wurde. Dann läuft sie am Tag vielleicht zwei Stunden und ist 22 Stunden ohne Betrieb“, erklärt Steiner.
Skynopy schließt mit den jeweiligen Betreibern Verträge über bestimmte Nutzungszeitfenster. Da sich die Überflugzeiten von Satelliten vorhersehen lassen, sei bekannt, wann eine Station verfügbar ist. Die Nutzungsverträge mit den Eigentümern der Bodenstationen laufen Steiner zufolge teilweise über fünf, teilweise über zehn Jahre.
An den Standorten installiert das Unternehmen sogenannte Ground-Station-Stacks mit Servern für die eigene Software. Sobald ein Satellit zur Station funkt, fließen die Daten in das Skynopy-System. Von dort werden sie über Glasfaserleitungen in die Cloud und anschließend zum Kunden übertragen.
Ein „Satellitenpass“, also die Zeit, die ein Satellit mit der Bodenstation funken kann, dauert im Durchschnitt sieben bis acht Minuten. Während eines solchen Kontakts können laut Skynopy bis zu 100 Gigabyte an Daten heruntergeladen werden. Wie schnell diese anschließend beim Kunden ankommen, hängt auch von der Leistungsfähigkeit der weiteren Übertragung ab. „Das Rückgrat des Bodensegments sind die Glasfaserleitungen. Je besser diese sind, desto schneller geht es“, erläutert der Manager.
Die übertragenen Daten umfassen dabei nicht nur die eigentlichen Nutzlastdaten, beispielsweise Satellitenbilder, sondern auch Telemetrie- und Kommandierungsdaten, mit denen der Satellit gesteuert wird.
Mehr Empfangsstandorte verkürzen die Latenz
Ein Satellit in einer niedrigen Erdumlaufbahn überfliegt eine bestimmte Bodenstation nur für kurze Zeit. Stehen nur wenige Empfangsstationen zur Verfügung, kann es deshalb dauern, bis neue Daten heruntergeladen werden können. „Je weniger Bodenstationen ein Anbieter des Bodensegments hat, desto länger sind die Latenzzeiten“, sagt Steiner.
Nach Umsetzung des AKAR-Netzwerks rechnet der Skynopy-Manager damit, dass er für Kunden wie constellr eine extrem niedrige Latenz von unter drei Minuten anbieten kann. Das deutsche Raumfahrtunternehmen constellr baut Satelliten mit Infrarot-Sensoren zur präzisen Messung von Oberflächentemperaturen. Die dabei gewonnenen Daten können auch für die militärische Aufklärung genutzt werden, etwa zur Positionsbestimmung von Schiffen.
Skynopy arbeitet nach Aussage von Steiner überdies mit Airbus bei den optischen Pléiades-Satelliten des Konzerns zusammen. Durch die zusätzliche Freischaltung von zwei Bodenstationen habe sich die Latenz dort von etwa 80 auf 20 Minuten verringert.
Ka-Band für höhere Datenraten
Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt des Unternehmens ist die Nutzung des Ka-Bands. Während viele Satellitenbetreiber nach Aussage von Steiner bislang S- oder X-Band verwenden, biete Ka-Band durch seine größere verfügbare Bandbreite die Möglichkeit, höhere Datenraten zu erreichen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Satelliten und die Bodenstationen über die erforderliche technische Ausstattung verfügen, wie Steiner erläutert. „Ka-Band ist quasi das neue Ding, das kommen wird.“
Nach seinen Angaben sind die Antennen des Eutelsat-OneWeb-Netzwerks bereits für Ka-Band geeignet. Im Rahmen des AKAR-Projekts sollen die entsprechenden Bodenstationen durch ein Retrofit angepasst und in die Skynopy-Orchestrierungsplattform integriert werden.
Für militärische Anwendungen sind die Verfügbarkeit der Infrastruktur, der Schutz der Daten und die Kontrolle über deren Verarbeitung wichtige Parameter. Skynopy will diesen Anforderungen mit mehreren Maßnahmen entsprechen. Dazu gehören Verschlüsselungstechnologien, die Beschäftigung mit künftigen Sicherheitsverfahren sowie Cloud- und Serverlösungen, die in Europa oder unmittelbar im Land des jeweiligen Kunden betrieben werden können. Für europäische Kunden baue das Unternehmen derzeit eine Secure Cloud auf. „Die Daten laufen Ende-zu-Ende verschlüsselt über Glasfaser. Da kann niemand dazwischenfunken“, sagt Steiner.
Bei Beschaffungsvorhaben sieht er sein Unternehmen nicht zwingend als alleinigen Lieferanten der gesamten Infrastruktur. Skynopy könne vielmehr als Softwareebene in ein größeres Konsortium eingebunden werden. Dort könnten Bodenstationen verschiedener Hersteller mit dem von Skynopy integrierten Eutelsat-Netzwerk verbunden werden.
Wie viel Transparenz staatliche Kunden in Deutschland bei Software und Quellcode erwarten, scheint noch nicht abschließend geklärt zu sein. Steiner betont jedoch die Bereitschaft, die Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit des Systems nachzuweisen. „Ich denke, wir werden offen sein, den Kunden zu zeigen, dass wir ein zuverlässiges, unabhängiges System liefern.“
Lars Hoffmann















