RENK will führende Marktposition bei Kampfschiffgetrieben auf unbemannte Kampfschiffe ausweiten

Waldemar Geiger

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Die Augsburger RENK Group AG nimmt bei Getrieben für große Überwasserkampfschiffe der NATO eine führende Marktposition ein. Nun nimmt das Unternehmen Kurs auf den Bereich der unbemannten Seekriegsführung, mit einem Fokus auf mittlere und große USV-Plattformen, wie Nils Oesterlen, Head of Marine bei RENK, im Gespräch mit hartpunkt erläutert.

Mehr als 40 Marinen weltweit, darunter NATO-Staaten und mit der NATO befreundete Staaten, setzen Oesterlen zufolge bei den Antrieben ihrer Korvetten, Fregatten und Zerstörer auf Getriebe von RENK. Moderne Kampfschiffe verfügen üblicherweise über zwei Propeller, die von einer Kombination von verschiedenen Antriebsmaschinen wie Dieselmotor, Gasturbine und /oder Elektromotor angetrieben werden. Die Getriebeanlage verbindet die Antriebsmaschinen mit beiden Propellern und ermöglicht das Schalten und den Betrieb der Antriebsanlage in geforderten Fahrzuständen. Die RENK-Getriebe zeichnen sich nach Ansicht des Chefs der Marinesparte durch ihre besondere Leistungsfähigkeit bei der Geräuschminimierung und ihrer Schockfestigkeit aus. Zudem sind sie überflutbar, sodass der Antrieb auch bei einem Wassereinbruch durch Lecks funktionsfähig bleibt.

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„Unser Anspruch ist, dass das Schiff unter allen Umständen manövrierfähig ist, und dafür muss das Getriebe funktionieren“, so Oesterlen. „Die Fähigkeit eines Schiffes zeigt sich nicht im Normalbetrieb, sondern unter Gefechtsbedingungen. Selbst nach Treffern müssen Antriebssysteme zuverlässig funktionieren, damit das Schiff manövrierfähig bleibt und seinen Auftrag erfüllen kann. Um das zu erreichen, werden die großen und komplexen Getriebe gemeinsam mit den Partnern auf das jeweilige Schiff maßgeschneidert. Dort verrichten sie anschließend mit minimalem Wartungsaufwand über die gesamte Lebensdauer des Schiffes ihren Dienst. „Das ist kein Wartungsobjekt, das man einfach austauscht. Es ist ein integraler Bestandteil des Schiffes und darauf ausgelegt, über dessen gesamte Lebensdauer zuverlässig seinen Dienst zu leisten“, führt der RENK-Manager aus. Das Schiff wird gewissermaßen um das Getriebe herum gebaut. Reparaturen sind zwar möglich – RENK garantiert nach eigenen Angaben eine 40-jährige Ersatzteilversorgung –, dafür müssen jedoch teilweise andere Schiffskomponenten durch aufwendige Arbeiten „weggebaut“ werden. Umso wichtiger ist die Zuverlässigkeit der Systeme.

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Oesterlen sieht auch künftig einen großen Bedarf an komplexen Schiffsgetrieben, da „global alle maritimen NATO-Länder weitere Fregattenprogramme verfolgen“. Um diese Programme bedienen zu können, verfolgt RENK nach eigenen Angaben eine organische und anorganische Wachstumsstrategie.

Mit der erfolgten Übernahme von Cincinnati Gearing Systems, die nun unter dem Namen RENK America Marine & Industry firmiert, sieht sich der RENK-Marinechef auch in den USA gut aufgestellt, um vor Ort produzieren und die U.S. Navy, die größte Marine der Welt, beliefern zu können.

Im Sommer diesen Jahres wurde zudem die Übernahme des britischen Getriebespezialisten David Brown Defence angekündigt. Der Abschluss der Transaktion steht in diesem Quartal an. Damit sichert sich RENK nicht nur Zugang zum Marineprogramm Global Combat Ship, das bis zu 34 Kampfschiffe umfasst. Dazu gehören die britischen und norwegischen Fregatten der Type-26-Klasse, die australischen Fregatten der Hunter-Klasse sowie die kanadischen Zerstörer der River-Klasse. Mit der Übernahme von David Brown Defence wird RENK zudem Zulieferer für U-Boot-Programme und baut damit sein Geschäft im Unterwasserbereich weiter aus. Mit RENK Magnet-Motor ist das Unternehmen bereits an U-Boot-Projekten beteiligt.

Bei der technischen Entwicklung von Schiffsantrieben beobachtet Oesterlen einen zunehmenden Trend zur Hybridisierung. „Wir sehen in den letzten Jahren den Trend, dass immer mehr hybridisiert wird, also dass Elektromotoren mit einer Gasturbine oder Dieselmotor zum Einsatz kommen“, erläutert Oesterlen. „Man nutzt dabei die Leistungsdichte einer Gasturbine fürs Schnellfahren, um zum Beispiel auch mit einem Flugzeugträgerverband mitfahren zu können, und Elektromotoren für den unteren Bereich, um sich auch leise fortbewegen zu können.“ Diese Elektromotoren werden seinen Ausführungen zufolge über gekapselte und besonders geräuscharme Dieselgeneratoren mit Strom versorgt.

Unbemannte Kampfschiffe

Die im bemannten Kampfschiffbau etablierte Marktposition will das Augsburger Unternehmen auch auf dem Feld der maritimen Drohnenkriegsführung sichern. Wie der Head of Marine von RENK ausführt, will sich der Getriebebauer dabei auf mittlere und große unbemannte Schiffsklassen konzentrieren. Gemeint sind Systeme mit einer Länge von rund 50 Metern im mittleren Segment beziehungsweise von 100 Metern und mehr im großen Segment sowie einer Verdrängung von rund 500 beziehungsweise mindestens 2.000 Tonnen.

„In den kleinen Segmenten sehen wir uns nicht, weil da kommerzielle, in Masse gefertigte Standardprodukte aus dem Katalog als Antriebsanlagen verwendet werden“, führt Oesterlen die RENK-Strategie im unbemannten Segment aus. „Unsere Stärken spielen wir im gerade aufkommenden Markt für die mittleren und großen unbemannten Systeme aus.“

Für ein  Medium Unmanned Surface Vessel (MUSV)-Programm eines bedeutenden NATO-Partners hat RENK bereits einen ersten Auftrag gewonnen. Zudem befindet sich das Unternehmen nach Oesterlens Angaben in Gesprächen mit weiteren Kunden, darunter auch mögliche Assets für die Deutsche Marine..

Technisch will RENK bei USV-Antrieben auf bewährte Getriebe aus der kommerziellen Sparte zurückgreifen und diese mit den im Marinegeschäft und dem im digitalen Innovationszentrum gewonnenen Kompetenzen verbinden. „Wir kombinieren das Wissen aus allen Welten“, so Oesterlen. Dazu wird ein hinsichtlich Kosten und Bauzeit wettbewerbsfähiges Produkt aus dem zivilen Bereich übernommen und um die erforderlichen militärischen Fähigkeiten ergänzt. Dazu gehören unter anderem Versorgungssicherheit, integrierter Logistik Support über den Lebenszyklus, Condition Monitoring und der Digitale Zwilling. Oesterlen zufolge könnten je nach konkreten Kundenanforderungen auch Eingriffe in die Hardware vorgenommen werden.

Insgesamt wäre ein solches Getriebe seiner Einschätzung zufolge für ein MUSV deutlich günstiger als ein Getriebe für ein bemanntes Schiff für ein ähnliches operatives Missionsprofil. Zudem würde sich die Lieferzeit auf etwa die Hälfte reduzieren.

Den Anfang will der Getriebebauer mit dem aus dem kommerziellen Geschäft bewährten Getriebe des Typs T²RECS machen. Die Bezeichnung ist ein Akronym für Torque, Transmission, Reliable, Economic, Compact und Standardised. Weitere Details dazu soll es auf der Rüstungsmesse Euronaval in der kommenden Woche in Paris geben.

„Wir beschränken uns dabei aber nicht nur aufs Getriebe, sondern gehen weiter in das System rein und können dann die gesamte Antriebsanlage mit Elektromotoren und Propellern konzipieren und anbieten. Dies ist vor dem Hintergrund, dass die Verwendung mehrerer Dieselgeneratoren eine hohe Redundanz bietet und wir beim unbemannten Bereich davon ausgehen, dass das primär elektrisch angetriebene Einheiten werden“, erklärt Oesterlen die Überlegungen hinter dem Vorhaben.

Alles in allem sieht Oesterlen allerdings noch einen gewissen Weg, bis größere USV-Einheiten in größerer Stückzahl auf den Weltmeeren anzutreffen sein werden. Seiner Einschätzung nach werden größere Kampfschiffe zunächst mit geringeren Besatzungsstärken gefahren werden, bevor sie vollständig unbemannt operieren können.

„Bei unbemannten Schiffen wird ja immer ganz viel über die Navigation gesprochen, also wie steuere ich die Systeme“, führt der RENK-Manager aus. „Man muss aber nicht nur bedenken, wie das System navigiert und wo es hinfährt, sondern auch daran denken, die ganze Antriebsanlage so auszulegen, dass sie 90 Tage im unbemannten Betrieb laufen kann“, erklärt er weiter.

Aktuell sind jedoch noch regelmäßige Kontrollgänge in den Maschinenräumen üblich, bei denen die Systeme akustisch, haptisch und visuell inspiziert werden. Für den Betrieb größerer unbemannter Einheiten müssen die Systeme so ausgelegt sein, dass sie mehrere Monate ohne Kontrolle und Wartung funktionieren. Am Getriebe wird es Oesterlen zufolge jedoch nicht scheitern. „Wir haben uns das angeschaut und wir können sagen, 90 Tage unbemannter Betrieb ist für uns schon jetzt darstellbar“, so der RENK-Marinechef.

Waldemar Geiger