Project Grayburn – Konzeptphase für das zukünftige britische Sturmgewehr eingeleitet

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Das britische Verteidigungsministerium hat die Konzeptphase des „Projekt Grayburn” initiiert, mit dem die seit Jahrzehnten im Dienst und häufig in der Kritik stehende SA80-Sturmgewehr-Familie ersetzt und die Handwaffenfertigungskapazität auf der Insel wiederbelebt werden soll. Dies geht aus einer am 14. Januar veröffentlichten Pipeline-Bekanntmachung des Defence Equipment and Support (DE&S)-Direktorats, das zum Ministerium gehört, hervor. Demnach wird das britische Verteidigungsministerium auf ausgewählte Industrieteilnehmer zeitnah zugehen, um das Projekt voranzutreiben. 

Das aktuelle SA80A3-Sturmgewehr der britischen Streitkräfte ist das Resultat langjähriger Weiterentwicklungen der ursprünglich in den 1980er-Jahren eingeführten Plattform. Dennoch ist das Lebensdauerende der ab 2018 von Heckler & Koch (HK) modernisierten Waffen absehbar. Unter Beobachtern gilt ein planmäßiger Außerdienststellungstermin im Zeitraum 2030 bis 2035 als realistisch, was den dringenden Handlungsbedarf bei der Ersatzbeschaffung begründet. DE&S plant aktuell eine Beauftragung im April 2028 mit einer Vertragslaufzeit von 17 Jahren. Gleichzeitig macht die Tatsache, dass für die Modernisierung des SA80 mit HK ein ausländischer Partner hinzugezogen werden musste, den Mangel an einheimischer Handwaffenfertigung deutlich. Ein Umstand, den das Projekt Grayburn zu beseitigen gedenkt.

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Das Vorhaben ist laut DE&S als langfristiger Rahmen zur Erneuerung der „Dismounted Close Combat Weapons (DCCW)“-Fähigkeit – also der Handwaffenfamilie für den abgesessenen, infanteristischen Kampf – konzipiert. Im Rahmen von Project Grayburn soll nicht nur eine neue Standardgewehrplattform identifiziert, sondern auch eine nachhaltige industrielle Basis für deren Produktion und potenzielle Weiterentwicklung der Waffen in Großbritannien geschaffen werden.

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Die künftige Waffe soll in Großbritannien gefertigt werden, um souveräne Lieferketten, Beschäftigung und Exportpotentiale zu fördern, so das britische Verteidigungsministerium. Im Vorfeld werden bereits zahlreiche Szenarien diskutiert. So brachte die Beretta Defence Technologies UK (BDT UK) beispielsweise Fertigungsraten von 5, 20 oder 100 Prozent der Komponenten ins Spiel, die im Inland gefertigt werden. Dies ist abhängig von Wirtschaftlichkeit, Investitionsbedarf und Beschäftigungseffekten.

Die Anforderungen an die neue Gewehrfamilie sind noch recht grob gefasst und wenig überraschend. So soll das Gewehr für alle Klimazonen geeignet sein und standardmäßig mit einer Tagsichtoptik ausgestattet werden sowie die Möglichkeit zur Integration unterschiedlicher optronischer Geräte und nicht näher definierter Sensoren aufweisen. Zudem muss die querschnittliche Nutzung eines Signaturreduzierers möglich sein und bereits integriert werden.

Der Ansatz für die Ausgestaltung der Waffenfamilie wird etwas genauer erläutert. Sie soll auf einem gemeinsamen Gehäuseunterteil basieren und idealerweise alle Modelle der SA80A2 und A3 sowie das L98-Kadettengewehr ablösen. Zusätzlich soll sie auch in einer sehr kurzen Version als Personal Defence Weapon (PDW) gefertigt werden.

Eine weitere, noch nicht konkretisierte Forderung mit potenziell großer Tragweite ist die Anforderung, ballistischen Körperschutz, auch unter Berücksichtigung zukünftiger Entwicklungen, zuverlässig durchschlagen zu können. Diese Forderung erinnert an eine Kernforderung des Next Generation Squad Weapon (NGSW) Programms der U.S. Army, welche das M7- (vormals als XM7 bezeichnete) Gewehr in Kombination mit der 6,8 × 51 mm Patrone hervorbrachte.

Obwohl sich das Vorhaben noch in einer frühen Phase befindet, gibt es bereits erste öffentliche Hinweise auf ein potenzielles industrielles Engagement in Großbritannien. So hat insbesondere der italienisch-britische Hersteller BDT UK eine „Land Industrial Strategy” vorgestellt, die eine substantiielle Wiederansiedlung der Handwaffenproduktion in Großbritannien vorsieht.

Konkret wurde eine Kooperation zwischen BDT UK und Cambridge Precision angekündigt. Demnach sollen kritische Komponenten wie obere und untere Gehäuseteile, die Verschlussgruppe und der Abzugsmechanismus am Standort Faldingworth im britischen Lincolnshire gefertigt werden.

Kristóf Nagy