Die kanadische Verteidigungsinvestitionsagentur (DIA) hat Colt Canada, das heute zur Colt CZ Group gehört und seinen Sitz in Ontario hat, im Rahmen des Canadian Modular Assault Rifle Project (CMAR) mit der Lieferung von Sturmgewehren sowie weiteren Leistungen im Wert von umgerechnet rund 172 Millionen Euro beauftragt. Dies wurde am 19. März 2026 in Pressemitteilungen der DIA und der Colt CZ Group bekannt gegeben.
Im Rahmen des vergebenen Auftrags wird Colt Canada zwischen 2026 und 2029 30.000 sogenannte „General Service“ (GS)-Gewehre liefern, um einen modernen Ersatz für die derzeitigen C7-Gewehre und C8-Karabiner zu liefern, die seit mehr als 35 Jahren im Einsatz der kanadischen Streitkräfte sind. Der Vertrag enthält zudem Optionen für weitere Gewehre, konkret 19.207 zusätzliche GS-Gewehre sowie 16.195 sogenannte „Full Spectrum“-Gewehre (FS). Neben den Sturmgewehren selbst umfasst der Vertrag auch Leistungen zur Systemintegration und technischen Unterstützung.
Die FS-Gewehrvariante ist für Infanterieeinheiten vorgesehen und für offensive Operationen in städtischem und offenem Gelände optimiert. Die GS-Variante ist für den allgemeinen Einsatz in den kanadischen Streitkräften durch Personal bestimmt, das nicht direkt am Infanteriekampf beteiligt ist, wie z. B. Unterstützungspersonal sowie Fahrzeug- und Waffensystemführer.
Bislang wurden noch keine technischen Details zu den CMAR-Gewehrvarianten veröffentlicht. Ein Video auf der Facebook-Seite der kanadischen Streitkräfte scheint jedoch auf ein AR-Gewehr hinzudeuten. Daher wäre es logisch anzunehmen, dass das CMAR eine Weiterentwicklung des Colt Canada Modular Rail Rifle (MMR) sein wird, das kürzlich von Dänemark eingeführt wurde. Das MMR ist die neueste Weiterentwicklung der C7- und C8-Gewehrplattformen von Colt Canada, bei denen es sich im Wesentlichen um in Kanada in Lizenz hergestellte Versionen des Colt M16A2 handelt. Die Entwicklung des CMAR auf Basis einer bestehenden und bekannten Plattform würde nicht nur die für Entwicklung, Erprobung und Qualifizierung benötigte Zeit verkürzen, sondern Ähnlichkeiten in der Waffenhandhabung würden auch die Umschulung auf die neuen Gewehre vereinfachen, und die Verwendung gleicher Ersatzteile würde die Logistik vereinfachen.
Der CMAR-Vertrag umfasst auch Munition für die neuen Gewehre, und obwohl diesbezüglich noch keine verbindliche Aussage getroffen wurde, geht man allgemein davon aus, dass die neuen Gewehre das 5,56×45-mm-NATO-Kaliber der aktuellen C7-, C8- und MMR-Waffen beibehalten werden. General Dynamics Ordnance and Tactical Systems Canada produziert derzeit die 5,56×45-mm-C77-Patrone für die kanadischen Streitkräfte und entwickelt eine leistungsverbesserte, schadstoffarme 5,56×45-mm-Patrone, bekannt als XC77A2. Diese Patrone ist laut Berichten in der kanadischen Presse für die neuen CMAR-Gewehre vorgesehen und soll die Durchschlagskraft und Leistung auf größere Entfernungen verbessern.
Neben der Modernisierung des Bestands an Handwaffen der kanadischen Streitkräfte soll das CMAR-Projekt auch die kanadische Verteidigungsindustrie stärken. Laut der oben erwähnten Pressemitteilung der DIA hat sich Colt Canada verpflichtet, bei der Produktion der neuen Gewehre einen kanadischen Anteil von mindestens 80 Prozent zu gewährleisten, was der kanadischen Verteidigungsindustrie zugutekommen, neue Arbeitsplätze schaffen und Chancen für Zulieferer in ganz Kanada eröffnen soll.
Auch das Vergabeverfahren selbst ist neuartig, da die DIA den CMAR-Auftrag unter Anwendung eines „risikobasierten Ansatzes“ vergeben hat. Obwohl keine weitere Erläuterung zu diesem Ansatz gegeben wurde, soll er die Auftragsvergabe und die Lieferung von Ausrüstung an die kanadischen Streitkräfte straffen und beschleunigen.
Thomas Lauge Nielsen
















