Spezialkräfte der Bundeswehr erhalten neue Fahrzeuge, Einsatzboote und Funkgeräte

Waldemar Geiger

Anzeige

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner heutigen Sitzung grünes Licht für die Realisierung von drei unterschiedlichen Vorhaben – Beschaffung von leichten Luftlande-Einsatz-/ Gefechtsfahrzeugen, Einsatzbooten mittlerer Reichweite und AN/PRC-160-Funkgeräten – gegeben, die die Einsatzfähigkeit der Spezialkräfte der Bundeswehr verbessern werden. Dies bestätigten gut unterrichtete Kreise gegenüber hartpunkt. Auch der Verteidigungsausschuss hat den Vorhaben bereits am heutigen Vormittag zugestimmt.

Spezialkräftefahrzeugfamilie EGF und UstgFzg

Gebilligt wurden unter anderem Haushaltsmittel für die Beschaffung einer Fahrzeugfamilie leichter, luftlandefähiger Einsatz-/Gefechtsfahrzeuge (EGF) einer neuen Fahrzeugkategorie der 3,2-Tonnen-Klasse sowie leichter luftlandefähiger Unterstützungsfahrzeuge (UstgFzg) für das Kommando Spezialkräfte. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um hochmobile, geländegängige, ungeschützte zweiachsige Fahrzeuge mit offenem Aufbau (Überrollschutzkäfig). Das leichte luftlandefähige Einsatz-/Gefechtsfahrzeug weist drei Sitze auf und verfügt zudem über eine Hauptlafette (horizontales Richten elektrisch unterstützt) zur Einrüstung eines schweren 12,7mm-Maschinenegewehrs, eines MG6 oder einer Granatmaschinenwaffe. Das für den Materialtransport vorgesehene leichte luftlandefähige Unterstützungsfahrzeug wird hingegen über keine Hauptlafette und nur zwei Sitze verfügen.

Anzeige

Damit kann die Bundeswehr nun eine Rahmenvereinbarung mit Festbeauftragungsanteil mit einer Laufzeit von sieben Jahren über die Herstellung und Lieferung von bis zu 150 EGF und bis zu 50 UstgFzg sowie Sonderwerkzeugsätzen mit der FTS Flensburg Technology Systems GmbH (FTS) –einem Joint Venture zwischen der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH und der staatlichen IAI Israel Aerospace Industries/ELTA – schließen. FTS ist damit als Sieger aus einem Dreikampf hervorgegangen, an dem sich auch zwei weitere Anbieter beteiligt hatten, hartpunkt berichtete.

Anzeige

In einem ersten Schritt werden gut informierten Kreisen zufolge 40 EGF, 14 Unterstützungsfahrzeuge und ein Sonderwerkzeugsatz sowie Dokumentations- und weitere Dienstleistungen im Wert von rund 30 Millionen Euro fest beauftragt. Die Lieferung weiterer Fahrzeuge und Werkzeugsätze ist als Option vorgesehen.

Die neue Spezialkräfte-Fahrzeugfamilie wird auf Basis der Z-Familie von All-Terrain-Fahrzeugen von IAI Israel Aerospace Industries/ELTA (IAI) realisiert. Konkret handelt es sich dabei um die Variante ZD (siehe Titelbild). IAI bewirbt den ZD als ultraleichtes Kommandofahrzeug, welches sich im militärischen Einsatz bewährt haben soll. Es verfügt über eine durch die Besatzung abnehmbare Winde mit Befestigungspunkten an der Fahrzeugfront, am Fahrzeugheck und in der Fahrzeugmitte, einen einklappbaren Überrollbügel und ein einfaches Wartungs- bzw- Reparaturkonzept, welches sich auf „weit verbreitete“ COTS-Ersatzteile abstützt. Das zulässige Gesamtgewicht des mit einem 2,4-Liter-Ecotecmotor oder 2,8-Liter-Dieselmotor ausgestatteten ZD wird mit 3,1 Tonnen angegeben, wobei das Leergewicht mit 1,6 Tonnen angegeben wird.

Einsatzboote mittlere Reichweite

Gebilligt wurde zudem die Beschaffung von bis zu 26 Einsatzbooten, davon 9 als Festbeauftragung und 17 als Option, samt zusätzlicher Ausrüstung und Leistungen im Wert von etwa 100 Millionen Euro.

Wie es aus gut unterrichteten Kreisen heißt, ist die Lieferungen der fest bestellten Einsatzboote für den Zeitraum 2027 bis 2030 vorgesehen. Als Lieferant der neuen Einsatzboote wird die Yachtwerft Meyer GmbH, eine 100prozentige Tochter des französischen Spezialbootsbauers Zodiac MilPro, aus Bremen fungieren.

Die neuen Einsatzboote werden die in die Jahre gekommenen RHIB 1010 des Kommando Spezialkräfte Marine ersetzen, die 2026 das Nutzungsdauerende erreichen sollen.

Die derzeit beim KSM in Nutzung befindlichen Festrumpfschlauchboote vom Typ RHIB H1010 erreichen 2026 ihr Nutzungsdauerende.
Die derzeit beim KSM in Nutzung befindlichen Festrumpfschlauchboote vom Typ RHIB H1010 erreichen 2026 ihr Nutzungsdauerende. (Bild: Bundeswehr / Benjamin Bendig)

Um die Zeit zwischen der auslaufenden Nutzungsdauer des bisherigen RHIB-1010-Boote (2026) und dem Zulauf der neuen Boote zu überbrücken, hat das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw als Ersatzbeschaffung vier Boote des US-Herstellers „United States Marine Inc.“ vom Typ 11M NSWRIB gekauft, die unter anderem in der U.S. Navy zur Einsatzverbringung der Navy SEALs genutzt werden, hartpunkt berichtete.

AN/PRC-160

Zudem wurde auch die Beschaffung von 275 HF-Funkgeräten AN/PRC-160 mit Betriebs-, Transport- und Logistik-Behälter-Sätzen (BTuLB) und Zubehör über ein Regierungsgeschäft mit den USA gebilligt, von denen ein Teil dem Vernehmen auch für die Spezialkräfte vorgesehen ist.

Dabei handelt es sich streng genommen um eine Folgebeschaffung. Bereits Ende 2024 wurde die Beschaffung von insgesamt 3.300 dieser Funkgeräte gebilligt, hartpunkt berichtete. Hersteller der Funkgeräte ist der US-Rüstungskonzern L3Harris.

Das HF-Funkgeräte AN/PRC-160 wird für eine weitreichende taktische Kommunikation (Beyond-Line-of-Sight), ohne Abstützung auf Satelliten, genutzt. (Bild: L3Harris)

Die HF-Funkgeräte AN/PRC-160 werden für eine weitreichende taktische Kommunikation (Beyond-Line-of-Sight), ohne Abstützung auf Satelliten, genutzt. Die Funkgeräte können Sprach- und Datenfunk übertragen und sollen im Rahmen von D-LBO auch in die Fahrzeuge eingerüstet werden. HF-Funk (High Frequency), auch als Kurzwelle bekannt, hat eine geringe Störanfälligkeit und kann unabhängig von Infrastruktur betrieben werden. Im Bereich der Weitbereichskommunikation stellt die Kurzwelle für die Streitkräfte eine Alternative bzw. Redundanz zur Satellitenkommunikation dar, wenn diese gestört oder nicht nutzbar ist.

Das AN/PRC-160 wiegt rund vier Kilogramm (ohne Batterien) und kann plattformgebunden oder als Manpack abgesessen genutzt werden. Mit dem SDR-Kurzwellenfunkgerät lassen sich Datenübertragungsraten für Sprache, Daten und Texte von bis zu 120kb/s erreichen. Zudem bietet das AN/PRC-160 volle Interoperabilität mit dem 117G. „Die VHF-Multibandfähigkeit oder der Anschluss über die Netzwerkschnittstelle macht das Funkgerät zudem voll interoperabel mit PRC-117G, das ebenfalls bei der Bundeswehr in Nutzung ist. Das AN/PRC-160(V)DE-1 kann durch die direkte Kopplung über die Netzwerkschnittstelle mit dem AN/PRC-117G um eine erweiterte Funkstelle ausgebaut werden“, heißt es dazu in einem Bundeswehrbeitrag aus dem Herbst 2023, der die Einführung des Funkgerätes in die Division Schnelle Kräfte behandelt.

Waldemar Geiger