Die Deutsche Marine plant schon seit geraumer Zeit die Beschaffung von 18 unbemannten Überwasserbooten, sogenannten Future Combat Surface Systems (FCSS), als Ergänzung der Korvetten sowie mindestens 12 Large Unmanned Underwater Vehicles (LUUV) zur Unterstützung der U-Boote. Jüngst ist nun eine neue Klasse von unbemannten Fahrzeugen dazukommen: Large Remote Missile Vessels (LRMV). Wie aus einer in der Broschüre „Kurs Marine“ veröffentlichten Tabelle hervorgeht, möchte die Marine bis 2035 insgesamt drei dieser LRMV in Dienst stellen, die Fregatten ergänzen sollen.
Wie hartpunkt aus Kreisen der Marine erfahren hat, handelt es sich den Planungen zufolge im Prinzip um Arsenalschiffe, die Flugkörper in Vertical-Launch-Startern mitführen. Dabei ist offenbar auch denkbar, dass es sich um optional bemannte Wasserfahrzeuge handelt. Dies würde allerdings einen planerischen Mehraufwand bedeuten, da entsprechende Aufenthalts- und Versorgungsräume für Personal vorzusehen wären. Die Planungen scheinen sich noch in einem frühen Stadium zu befinden, weshalb die Details etwa hinsichtlich Verdrängung und Anzahl der Startbehälter offenbar noch nicht festgelegt sind.
Während die Niederlande unbemannte Magazinschiffe – dort als Multifunctional Support Ship bezeichnet – für den Einsatz in der Nordsee einführen wollen, die auch Patrouillen-Aufgaben übernehmen, sind die deutschen LRMV für den Einsatz im Atlantik vorgesehen. Da hier harschere Wetterbedingungen vorherrschen, dürfte sich dies auch auf die Konstruktion – etwa hinsichtlich Größe und Seetauglichkeit – auswirken.
Den Marine-Kreisen zufolge werden die deutschen Arsenalschiffe in erster Linie für die Luftverteidigung bis hin zur Ballistic Missile Defence (BMD) konzipiert. Sie würden deshalb Flugkörper wie etwa die SM-2 oder die SM-6 mitführen. Für die Zieleinweisung soll dann der Sensor eines anderen Schiffes genutzt werden. Dafür kämen etwa die zukünftigen Fregatten der Klasse 127 in Frage, die speziell für die Luftverteidigung und BMD vorgesehen sind. Wie es heißt, ist auch denkbar, den auf den LRMV positionierten Abfangraketen Zieldaten über Satelliten-Links zuzuweisen. Damit wäre keine räumliche Nähe zu einem mit einem Sensor bestückten Schiff erforderlich. Für den Eigenschutz sollen die LRMV auch bewaffnet werden, allerdings wohl nur in sehr begrenzter Weise. Aus der Kurs-Marine-Grafik geht zudem hervor, dass die LRMV neben der Luftverteidigung auch Maritime Strike als Hauptaufgabe haben. Bei der Bewaffnung für diese Aufgabe dürfte es sich unter Umständen um Tomahawk-Marschflugkörper handeln, deren Beschaffung derzeit geprüft wird. Denkbar wäre jedoch auch die Bewaffnung mit den derzeit in Entwicklung befindlichen Flugkörpern des Typs 3SM Tyrfing.
Grundsätzlich plant die Marine, die projektierten Arsenalschiffe über längere Zeit in einem bestimmten Seegebiet „loitern“ zu lassen, was darauf hindeuten könnte, dass sie nicht die gleiche Geschwindigkeit wie eine F 127 erreichen müssen, die auch Flugzeugträgerverbände eskortieren soll.
Die Beschaffung von drei LRMV dürfte darauf zurückzuführen sein, dass gemäß einer alten Daumenregel drei Einheiten erforderlich sind, um eine ständig auf See zu haben. Denn die anderen beiden befinden sich entweder in der Werft oder in der Ausbildung. Wobei sich der Abschnitt Ausbildung im Vergleich zu bemannten Schiffen deutlich unterscheiden dürfte.
Während die neuen Arsenalschiffe schiffbaulich nichts wirklich Neues darstellen, dürfte die Herausforderung in der IT und sicheren Kommunikation liegen. Diese muss zuverlässig sein und resilient gegenüber Maßnahmen des Gegners, in das System einzudringen. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass die LRMV „gehackt“ werden und im Hafen des Gegners enden. Aufgrund des technischen Fortschritts scheint die Einführung der neuen Schiffe nach 2030 nicht unrealistisch, zumal die Marine gerade Erfahrungen beim Thema Autonomie sammelt, etwa mit den beiden in den kommenden Monaten anstehende Operational Experimentation für die FCSS.
Lars Hoffmann


















