Der deutsche Marineschiffbauer TKMS signalisiert grundsätzlich die Bereitschaft, Zulieferer des gestoppten Fregattenprojektes F126 beim Bau eines zweiten Loses der Schiffsklasse MEKO A-200 für die Deutsche Marine zu berücksichtigen. TKMS-CEO Oliver Burkhard kündigte dazu heute die Ausrichtung eines Zulieferertages an. Wie er bei der Vorstellung der Ergebnisse der ersten neun Monate des Geschäftsjahres in einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte, hat TKMS auch NVL, die heutige Rheinmetall Naval Systems, um ein Angebot zur Bereitstellung von Schiffbauleistungen für das zweite Los der MEKO-Fregatten gebeten. Bis wann dieses vorliegen soll, sagte er nicht. Entscheidend sei bei einem Angebot, dass der knappe Zeitplan für die Auslieferung der Kampfschiffe dadurch nicht gefährdet werde, betonte der TKMS-Chef.
Das erste Schiff der neuen Klasse für die Bundeswehr soll bereits im Dezember 2029 ausgeliefert werden. Man habe klare Regeln, dass TKMS möglichst viele Unternehmen einbinden solle, die bei der F126 nicht mehr zum Zuge kommen. „Aber es ist auch kein Muss“, so Burkhard. Ebenso müsse die Wirtschaftlichkeit gewährleistet werden.
Gegenwärtig werden die ersten vier MEKO-Fregatten von der Heinrich Rönner Gruppe in Bremerhaven gefertigt. TKMS hätte damit also auch für das zweite Los einen potenziellen Partner. Das auf Schiff- und Stahlbau spezialisierte Unternehmen hatte sich gut informierten Kreisen zufolge erstmals in der Vergangenheit bei einer Bestellung von Fregatten für Ägypten gegen German Naval Yards Kiel (GNYK) und die damalige NVL durchgesetzt und war von TKMS als Produktionswerft ausgewählt worden, wobei die Kosten dem Vernehmen nach eine wichtige Rolle gespielt haben sollen.
Während der Haushaltsausschuss des Bundestages die Mittel für das erste Los der neuen Fregatten bereits freigegeben hat, der Vertrag geschlossen wurde und die Produktion läuft, steht die Behandlung der 25-Millionen-Euro-Vorlage für das zweite Los von vier Schiffen noch bevor. Burkhard rechnet damit nach der Sommerpause.
Wie er ausführte, wird die in Kiel beheimatete Werft GNYK beim neuen Los der MEKO A-200 von TKMS nicht berücksichtigt. Die Werft sei auch beim F126-Vorhaben nur Unterauftragnehmer für NVL gewesen, sagte Burkhard. „Die GNYK spielt bei der Abarbeitung dieses Auftrages für uns keine direkte Rolle, weil wir sie nicht direkt beauftragen werden. Wenn das NVL tun würde, ist das deren Entscheidung.“
TKMS hatte lange Zeit Gespräche mit der GNYK über eine Übernahme geführt, ein nicht bindendes Angebot allerdings Ende vergangenen Monats zurückgezogen, weil man sich nicht auf von beiden Seiten akzeptable Konditionen einigen konnte. Auch Rheinmetall hatte ein nicht bindendes Angebot zur Übernahme von GNYK vorgelegt, das weiterhin Bestand hat, wie Rheinmetall-CEO Armin Papperger vor wenigen Tagen bei einer Telefonkonferenz sagte. Hintergrund waren benötigte Fertigungskapazitäten, hätte Rheinmetall als Generalauftragnehmer das F126-Projekt umsetzen müssen.
Bei der heutigen Telefonkonferenz unterstrich Burkhard, dass ein Schwerpunkt seines Unternehmens in den kommenden Jahren die Umsetzung von Aufträgen sei. So wurden seinen Worten zufolge in den ersten neun Monaten des gegenwärtigen Geschäftsjahres drei U-Boote ausgeliefert. Aktuell hat das Unternehmen einen Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro, der stark steigen dürfte, wenn der MEKO-A200-Auftrag verbucht oder der U-Boot-Vertrag mit Kanada abgeschlossen wird. Bei 12 Einheiten für die kanadische Marine rechnet Burkhard mit einem potenziellen Volumen von mehr als 15 Milliarden Euro nur für die Boote. Ein Vertragsabschluss sei bis Ende des Jahres möglich, sagte er. Im kommenden Jahr könne man dann mit den Verhandlungen für einen In-Service-Support-Vertrag beginnen, der einen Zeitraum von 40 Jahren abdecken solle.
Der TKMS-Manager hält auch einen Vertragsschluss bis Jahresende für das indische U-Boot-Vorhaben P-75i, bei dem es um 6 plus 3 U-Boote geht, für durchaus realistisch. Das indische Finanzministerium habe die dafür benötigten Finanzmittel freigegeben, sagte Burkhard.
Neben U-Booten und Überwasserschiffen sieht er langfristig aufgrund des Iran-Krieges eine Nachfrage nach Mitteln zur Minenräumung bei den Golf-Anrainerländern. Diese habe es früher nicht gegeben. Es entstehe ein Markt, der noch nicht bedient werde. Allerdings wollte der TKMS-Chef die Größenordnung nicht beziffern, dafür sei es noch zu früh.
Zusätzliches Potenzial besteht offenbar auch beim Anti-Torpedo-Torpedo SeaSpider, der gegenwärtig von TKMS entwickelt wird. Wie aus einer aktuellen Präsentation für Investoren hervorgeht, soll eine Qualifikation der Waffe bei der europäischen Rüstungsagentur OCCAR im kommenden Jahr erfolgen. Bisher hieß es, dass der SeaSpider bis 2029 zur Marktreife entwickelt werden soll.
In den Jahren 2027 bis 2030 ist dann laut Präsentation eine Verkaufskampagne für den SeaSpider vorgesehen. Als potenzielle Kunden galten bislang Deutschland, die Niederlande und Kanada. An dem Projekt ist unter anderem die kanadische Firma Magellan Aerospace Corporation beteiligt, die für den Raketenantrieb zuständig ist. In der Präsentation ist überdies die US-Flagge aufgeführt. Offenbar sehen die Verkaufsmanager von TKMS auch in der U.S. Navy einen potenziellen Kunden.
Lars Hoffmann
















