Der niederländische Staatssekretär für Verteidigung Derk Boswijk informierte in einem Schreiben an die niederländische Abgeordnetenkammer vom 18. September 2026 über den aktuellen Stand des U-Jagd-Fregattenprogramms (Anti-Submarine Warfare Frigate), das zusammen mit Belgien realisiert werden soll.
Das Schreiben gibt Aufschluss über wichtige industrielle Entwicklungen nach der Einstellung des deutschen F126-Fregattenprogramms. Gleichzeitig bestehen weiterhin Fragen hinsichtlich der künftigen Beteiligung Belgiens an dem gemeinsamen binationalen Vorhaben.
Dem Dokument zufolge analysiert das niederländische Verteidigungsministerium derzeit die genauen Folgen der Entscheidung der deutschen Regierung, das F126-Fregattenprogramm zu beenden. Da der niederländische Schiffbauer Damen Naval als Hauptauftragnehmer des F126-Programms fungierte, prüfen die niederländischen Behörden nun, ob durch die deutsche Entscheidung frei gewordene Kapazitäten in den Bereichen Engineering, Konstruktion, Projektmanagement und industrielle Fertigung umgewidmet werden können, um das ASWF-Vorhaben sowie andere nationale Beschaffungsprogramme im Verteidigungsbereich zu beschleunigen oder zu stärken.
Aktuell sieht sich das belgisch-niederländische U-Jagd-Fregattenprogramm mit einer weiteren dreijährigen Verzögerung konfrontiert. Die Auslieferung der ersten niederländischen Fregatte wurde von 2030 auf 2033 verschoben. Das Ministerium bestätigte, dass diese jüngste Verzögerung auf Probleme mit der strukturellen Stabilität zurückzuführen ist, die während der Konstruktionsphase festgestellt wurden. Der ursprüngliche Schiffsrumpf musste vergrößert und neu konstruiert werden, um ausreichende Stabilitätsreserven zu gewährleisten und gleichzeitig den erforderlichen Platz sowie Gewichtsreserven für künftige Fähigkeits-Upgrades während der gesamten Lebensdauer des Schiffes zu erhalten.
Eine mit dem Programm vertraute Quelle wies gegenüber der hartpunkt-Partnerseite Naval News jedoch darauf hin, dass dies bereits die zweite größere Verzögerung des Projekts darstellt. Nach dem ursprünglichen Memorandum of Understanding (MoU) von 2018 war die Auslieferung des ersten Schiffes der Klasse ursprünglich für 2025 vorgesehen. Nach einer Kostensteigerung von rund 40 Prozent und einer überarbeiteten Planung mit einer Auslieferung im Jahr 2029/2030 schloss Belgien 2023 ein neues MoU ab. Nun wurde der Zeitplan erneut verschoben – auf 2033.
Trotz der Terminverschiebung schreiten wichtige Meilensteine der Umsetzung voran:
- Detailkonstruktion: Die Phase der detaillierten technischen Ausarbeitung begann offiziell im September 2026.
- Mastbau: Der Bau des integrierten Masts für die erste niederländische Fregatte begann Ende Juni 2026.
- Bilaterale Koordination: Der niederländisch-belgische Joint Steering Committee (JSC) trat am 1. September 2026 zusammen, um die Projektdurchführung abzustimmen und den Fortschritt sicherzustellen.
Ein umfassenderes Projekt-Update sowie offizielle Antworten auf parlamentarische Anfragen zu Änderungen bei Budget und Zeitplan sollen im vierten Quartal 2026 dem niederländischen Parlament vorgelegt werden.
Entscheidung Belgiens steht weiterhin aus – Spekulationen in den Medien
Die Stellungnahme des Staatssekretärs erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Spekulationen in den belgischen Medien. Insbesondere berichtete der belgische Rundfunk VRT kürzlich, dass Belgien möglicherweise aus dem ASWF-Programm aussteigen und stattdessen in Italien gebaute FREMM-EVO-Fregatten von Fincantieri beschaffen könnte. Grundlage hierfür sei eine Request for Information (RFI), die Anfang dieses Sommers herausgegeben wurde.
Gleichwohl erklärte eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle gegenüber Naval News, dass Medienberichte, wonach Belgien bereits eine alternative Plattform ausgewählt habe, verfrüht seien:
- Keine Entscheidung getroffen: Belgien hat bislang keine endgültige Entscheidung getroffen, aus dem ASWF-Programm auszusteigen oder eine bereits verfügbare Alternative auszuwählen.
- Verhandlungen laufen: Die bilateralen Gespräche zwischen den niederländischen und belgischen Verteidigungsministerien werden weiterhin aktiv geführt.
- Bilaterale Zusammenarbeit: Die Aufrechterhaltung der engen maritimen Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnerstaaten bleibt für beide Verteidigungsministerien eine Priorität.
- Hintergrund der RFI: Belgien hat im Rahmen einer in diesem Sommer gestarteten RFI zwar alternative Fregattenentwürfe geprüft, um die Verfügbarkeit entsprechender Lösungen auf dem Markt zu bewerten. Eine formelle Entscheidung darüber, ob Belgien am ASWF-Programm festhält oder auf einen alternativen Kandidaten umschwenkt, soll jedoch zwischen Mitte Oktober und Ende 2026 getroffen werden.
Autor: Xavier Vavasseur ist Mitbegründer und Chefredakteur von Naval News. Der Beitrag erschien erstmalig am 26.09.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.
















