Bei der Auswahl eines Standortes für den Aufbau eines Wartungs- und Servicezentrums für Patriot-Abfangflugkörper des Typs PAC-3 in Europa steht offenbar in Kürze eine Weichenstellung bevor. So heißt es in einem Beitrag von Polskie Radio, dass die Staatssekretärin im polnischen Verteidigungsministerium, Magdalena Sobkowiak-Czarnecka, mit einer Entscheidung in wenigen Tagen oder Wochen rechnet. Der Sender hatte am Mittwoch bei ihrem Besuch in Washington mit der Politikerin gesprochen. Die Aussage deckt sich mit den Informationen von hartpunkt, wonach bis Ende September eine Festlegung bei der Standortfrage zu erwarten ist.
Neben Polen bewerben sich auch Deutschland, Schweden und die Niederlande um den Zuschlag für das neue Zentrum. Hersteller Lockheed Martin hatte beim NATO-Gipfel in Ankara im Juli den Auswahlprozess offiziell gestartet.
Die geplante Wartungseinrichtung für PAC-3-Flugkörper solle die wachsende Zahl der NATO-Verbündeten unterstützen, die „PAC-3 Missile Segment Enhancement (MSE)“-Abfangflugkörper und „PAC-3 Cost Reduction Initiative (CRI)“-Abfangflugkörper einsetzen, schrieb Lockheed Martin damals in einer Mitteilung. Das Unternehmen wolle dabei seine jahrzehntelange Erfahrung in der Produktion und Instandhaltung von Flugkörpern sowie in den Bereichen Engineering und Lieferkettenmanagement einbringen.
Laut dem Bericht von Polskie Radio werden derzeit Flugkörper zur Wartung in die USA geschickt. Dieser Prozess dauere mehr als ein Jahr. Ein polnisches Zentrum könnte die Dauer für alle europäischen Nutzer auf einige Monate verkürzen, so die Staatssekretärin.
Ihrer Aussage zufolge könnte das Zentrum ein erster Schritt hin zu einer Produktion der Flugkörper in Polen sein. Das bestätigen auch Insider.
Demnach würden in einem Wartungs- und Servicezentrum wesentliche Schritte einer Raketenproduktionslinie abgebildet, so dass damit gute Vorbedingungen für den Ausbau zu einer Komplettfertigung bestünden.
In Schrobenhausen wird gegenwärtig von COMLOG, einem Joint Venture von MBDA und Raytheon, eine Produktion von Patriot-Flugkörpern des Typs PAC-2 GEM-T aufgebaut, aus der zum Jahresende die ersten Flugkörper geliefert werden sollen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte am Mittwoch vor Journalisten in Berlin betont, dass Deutschland auch Interesse an der Fertigung der bei der Abwehr von ballistischen Raketen leistungsfähigeren PAC-3 habe und womöglich noch weiterer Bestandteile des Luftverteidigungssystems Patriot. Die Entscheidung könne jedoch nur in den USA getroffen werden.
Lars Hoffmann

















