Das ukrainische Konstruktionsbüro Logika hat mit dem „Chagarnik“-System ein automatisiertes Sperrsystem zur Abwehr von Drohnen mit Glasfasersteuerung vorgestellt. Das System soll anfliegende Drohnen akustisch erkennen und anschließend durch einen mechanischen Eingriff die zwischen Drohne und Bodenstation verlaufende Glasfaserleitung durchtrennen.
Glasfasergesteuerte Drohnen stellen die konventionelle elektronische Drohnenabwehr vor besondere Herausforderungen. Bei diesen Systemen erfolgt die Telemetrieübertragung nicht über eine Funkverbindung, sondern über einen Lichtwellenleiter. Klassische Funkstörmaßnahmen können die Verbindung daher nicht unterbrechen. Zudem senden die Drohnen während des Fluges keine für herkömmliche Aufklärungssysteme nutzbaren Funksignale, welche zur Ortung herangezogen werden können. Die elektronische Emission ist zwar nicht gleich null, jedoch deutlich herabgesetzt, was die Aufklärung signifikant erschwert.
Chagarnik soll diese Lücke durch eine Kombination aus akustischer Detektion und einem physischen Sperrelement schließen helfen. Nach Angaben von KB Logika erkennt das System die charakteristischen Geräusche von Motoren und Propellern anfliegender Drohnen. Eine automatisierte Identifikation soll anschließend zwischen einer relevanten Bedrohung und anderen Schallquellen unterscheiden. Wird eine entsprechende Bedrohung erkannt, aktiviert das System das eigentliche Sperrelement. Dieses ist als umlaufendes Seilsystem ausgeführt. Über spezielle Schneidelemente soll der zwischen Drohne und Bediener verlaufende Lichtwellenleiter erfasst und durchtrennt werden. Mit dem Verlust der physischen Datenverbindung soll die Steuerung der Drohne unterbrochen werden, was zum Verlust der Drohne führt.
Der Ansatz unterscheidet sich damit von passiven Drohnenschutznetzen, da Chagarnik nicht lediglich ein Hindernis im Luftraum bildet. Zudem ist die Flughöhe der Drohne irrelevant, da das Glasfaserkabel immer zu Boden sinkt.
Nach Angaben des Herstellers kann das System sowohl autonom als auch als Bestandteil eines übergeordneten Schutzsystems betrieben werden. Vorgesehen ist unter anderem der Einsatz zum Schutz von Feuerstellungen, Gefechtsständen und Unterkünften sowie von kritischer militärischer Infrastruktur, wie etwa logistischen Umschlagpunkten. Auch für besonders gefährdete zivile Einrichtungen und frontnahe Ortschaften sieht KB Logika Anwendungsmöglichkeiten vor.
Integration in ein Führungssystem
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Einbindung in das von KB Logika entwickelte Führungs- und Automatisierungssystem „Kropyva“. Über die Software sollen sich nach Angaben des Unternehmens unter anderem der Zustand des Sperrsystems überwachen und Parameter konfigurieren lassen. Gleichzeitig können die vom akustischen Sensorsystem gewonnenen Informationen in die bestehende Lagebilderstellung einfließen. Damit soll Chagarnik nicht ausschließlich als physischer Drohnenabwehr-Effektor fungieren, sondern zugleich eine zusätzliche Sensorik für die lokale Luftraumüberwachung bereitstellen.
Die Integration in Kropyva ist insofern relevant, als die Software bereits seit Jahren für die ukrainischen Streitkräfte entwickelt und eingesetzt wird. KB Logika gibt an, die erste Version des Systems bereits 2014 entwickelt zu haben. 2023 habe das Unternehmen zudem eine Variante zur Positionierung und Feuerleitung für Gefechtsfahrzeuge entwickelt. Nach Unternehmensangaben wurde „Kropyva-D“ im Jahr 2025 als Bestandteil eines Komplexes für die ukrainischen Streitkräfte eingeführt.
Chagarnik ist laut KB Logika modular ausgelegt und soll an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden können. Das Sperrsystem kann demnach genutzt werden, um wahrscheinliche Anflugrichtungen zu blockieren, Zufahrten und Durchgänge zu schützen oder den Perimeterschutz einer Stellung zu verstärken. Mehrere Systeme lassen sich zudem zu einem größeren Schutzbereich kombinieren.
Die Wirksamkeit des Konzepts wird laut KB Logika derzeit in der Ukraine erprobt. Neben der effektiven Durchtrennung von Lichtwellenleitern steht auch die Zuverlässigkeit des Antriebs, das Verhalten auf unterschiedlichen Untergründen sowie die Reaktionsgeschwindigkeit und Wetterbeständigkeit des Systems auf dem Prüfstand.
Kristóf Nagy

















