Der russische Staatskonzern Rostec hat weitere Angaben zu seinem Flugabwehrsystem TKB-1167 zur Bekämpfung von Luftzielen im Nächstbereich veröffentlicht. Nach Angaben des Konzerns befindet sich das von der zur Rostec-Holding gehörenden Werk Hochpräzisionskomplexe entwickelte System bereits im Kampfeinsatz und soll dort im Schwerpunkt unbemannte Luftfahrzeuge bekämpfen. Wie ein Messeauftritt jüngst in Ägypten zeigt, wird das System gleichzeitig auch für den Export angeboten.
Das als SPVZ („Система поражения воздушных целей“, sinngemäß „System zur Bekämpfung von Luftzielen“) bezeichnete TKB-1167 ist für den Schutz von Infrastruktur und anderen Objekten, insbesondere gegen Angriffsdrohnen auf kürzeste Distanz ausgelegt. Rostec beschreibt das System entsprechend als letzte Verteidigungslinie einer mehrschichtigen Flugabwehr. Die Rolle des Systems besteht demnach darin, vornehmlich kleine und niedrig fliegende Drohnen abzufangen, die sich bereits in unmittelbarer Nähe eines geschützten Objekts befinden.
Nach Darstellung des Herstellers sind wesentliche Abläufe automatisiert. Das System soll Luftziele erkennen, identifizieren, erfassen und verfolgen sowie die entsprechenden Zielinformationen an den angeschlossenen Effektor übermitteln. Der Bediener soll anschließend lediglich noch die finale Freigabe für die Bekämpfung des Ziels treffen. Angaben zu konkreten Einsatzbedingungen, Abschusszahlen oder der nachgewiesenen Trefferwahrscheinlichkeit machte Rostec in den vorliegenden Informationen nicht.
Als Effektoren kommen laut Rostec vier PKT-Maschinengewehre im Kaliber 7,62 x 54R mm zum Einsatz. Damit setzt das System auf vergleichsweise weit verbreitete und kostengünstige Gewehrmunition anstelle von Flugabwehrlenkflugkörpern oder Maschinenkanonenmunition. Gerade im Kontext massierter Drohnenangriffe soll dieser Ansatz die Kosten pro bekämpftem Ziel reduzieren.
Der wirtschaftliche Aspekt gewinnt bei der Abwehr kleiner unbemannter Luftfahrzeuge zunehmend an Bedeutung. Bei einem massenhaften Einsatz kostengünstiger Drohnen kann der Einsatz teurer Flugabwehrflugkörper oder anderer hochwertiger Effektoren schnell zu einem ungünstigen Kostenverhältnis führen. Das TKB-1167 adressiert diese Problematik mit einem System, dessen Bekämpfungsmittel aus konventioneller Maschinengewehrmunition bestehen.
Rostec hebt zugleich die Integrationsfähigkeit des Systems hervor. Demnach kann das TKB-1167 Informationen von externen Sensoren, wie Radaren und elektrooptischen Aufklärungssystemen, empfangen und in einen übergeordneten Flugabwehrverbund eingebunden werden. Umgekehrt sollen die von der Optronik des Systems selbst gewonnenen Daten zur Erstellung eines umfassenderen Luftlagebildes beitragen.
Die Konstruktion ist laut Hersteller modular ausgelegt. Das TKB-1167 soll auf mobilen Radplattformen eingesetzt werden können und damit einen schnellen Stellungswechsel beziehungsweise die Verlegung zwischen verschiedenen zu schützenden Objekten ermöglichen. Dies soll insbesondere für den Schutz wechselnder oder räumlich verteilter Infrastruktur von Bedeutung sein.
Auch bei Ausbildung und Instandhaltung setzt Rostec nach eigenen Angaben auf einen hohen Automatisierungsgrad. Das System sei für die Bedienung durch Mannschaften ohne vertiefte technische Ausbildung ausgelegt. Die automatisierte Zielerfassung und -verfolgung sowie die modulare Konstruktion sollen den Ausbildungs- und Wartungsaufwand reduzieren.
Mit dem TKB-1167 verfolgt Rostec damit einen Ansatz, bei dem die unterste Ebene einer mehrschichtigen Flugabwehr nicht durch besonders leistungsfähige, sondern durch vergleichsweise einfache und kostengünstige Effektoren abgedeckt werden soll. Entscheidend ist dabei weniger die Bekämpfung großer und hochwertiger Luftziele als vielmehr die wirtschaftliche Abwehr kleiner Drohnen in unmittelbarer Nähe des zu schützenden Objekts.
Die Angaben zum bereits erfolgten Kampfeinsatz sowie zur Wirksamkeit des Systems stammen von Rostec und dienen offenbar den Marketingbemühungen. Schließlich sind Rüstungsgüter weiterhin eine im Fokus stehende Kategorie von Exportprodukten. Eine unabhängige Bewertung der Effizienz liegt aktuell nicht vor.
Kristóf Nagy
















