Nachdem bereits im vergangenen Jahr Gerüchte über das Interesse von Rheinmetall am Marineschiffbauer German Naval Yards Kiel (GNYK) kursierten, ist es jetzt offiziell. Die neue Marine-Sparte von Rheinmetall, ehemals NVL, hat ein nicht bindendes Angebot für GNYK abgegeben, wie Rheinmetall-CEO Armin Papperger gestern bei einer Analystenkonferenz des Rüstungskonzerns sagte. Man habe eine Due Diligence gestartet, deren Ergebnisse in den kommenden Wochen erwartet werden. Auf dieser Basis könne man ein bindendes Angebot abgeben. Es gehe darum, die eigenen Kapazitäten zu erhöhen, sagte Papperger. Neben Rheinmetall ist auch der größte deutsche Marineschiffbauer TKMS and GNYK interessiert und hat Anfang des Jahres ein nicht bindendes Angebot abgegeben. Die GNYK liegt auf dem Werftgelände von TKMS.
Nach Angabe von Papperger werden im laufenden Jahr für die Marine-Sparte große Aufträge erwartet. Zum einen gehe es um die Modernisierung der Fregatten der Klasse 125, zum anderen habe man ein Angebot für die neuen F126 abgegeben. Man verfüge über die technischen Fähigkeiten, um letzteres Projekt umzusetzen. Darüber hinaus bestehe Internationalisierungspotenzial, etwa in Rumänien, so der Rheinmetall-Chef.
Einem Bericht der Finacial Times zufolge, soll das Angebot für die sechs Schiffe der Klasse F126 ein Volumen von etwas 12 Milliarden Euro aufweisen. Zu diesen werden noch einmal zwei Milliarden Euro gerechnet, die bisher in das Projekt geflossen sind. Bislang fungierte die niederländische Werft Damen Naval als Generalauftragnehmer. Diese hat allerdings vereinbarte Leistungen nicht erbracht, so dass die Projektführerschaft zu Rheinmetall wechseln soll. Nach Angaben von Rheinmetall können die Schiffe frühestens ab 2031 oder 2032 ausgeliefert werden – verschlankte Abnahmeprozesse vorausgesetzt.
Nach Einschätzung von Papperger wird es im laufenden Jahr dagegen keine Beauftragung für die Fregatte der Klasse 127 geben, da die Kapazitäten im Ministerium für solches ein großes Vorhaben nicht ausreichten. NVL und TKMS hatten ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau der F127 gegründet, bei dem TKMS die Mehrheit innehat. Dem Vernehmen nach könnten die Kosten für das F127-Projekt höher ausfallen, als bislang veranschlagt. Allein die Ausgaben für das Aegis-Führungs- und Waffeneinsatzsystem, Sensorik, Elektronik und Launcher aus US-Produktion für die acht projektierten Schiffe würden mit knapp 12 Milliarden US-Dollar zu Buche schlagen.
Wie der Rheinmetall-CEO in der Analystenkonferenz weiter ausführte, sieht er überdies großes Potenzial in der Zusammenarbeit mit der Kraken Technology Group. Er habe die Produktionslinie für die Kraken-Boote in Hamburg gesehen und sei sehr optimistisch, den Output auf über 200 Boote pro Jahr zu erhöhen. Das Ziel sei, die Fertigung auf 500 Systeme verschiedener Bootsklassen pro Jahr zu steigern.
Man starte mit Booten von acht bis zehn Metern Länge, darüber hinaus gebe es auch eine Zwölf-Meter-Klasse und größere Boote. Papperger sieht bei der Gefechtsführung auf See langfristig eine ähnliche Entwicklung wie in der Dimension Luft: So werde voraussichtlich jede F-35 in Zukunft von fünf bis sieben unbemannten Flugzeugen begleitet. Im Marinebereich werde es voraussichtlich eine ähnliche Entwicklung geben. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Auftragseingänge bekräftigte Papperger das Ziel, den Umsatz des Marinegeschäfts bis 2030 auf 5 Milliarden Euro zu steigern.
Lars Hoffmann















