Mit dem Increment 4 entwickelt der U.S. Rüstungskonzern Lockheed Martin in Zusammenarbeit mit L3Harris und der U.S. Army eine modifizierte Variante der Precision Strike Missile mit einer Reichweite von mehr als 1.000 km. Wie Lockheed Martin jüngst mitgeteilt hat, wurde vor Kurzem ein entscheidender Meilenstein im Bereich der Antriebstechnik für den Flugkörper großer Reichweite erreicht. Die Flugerprobung der Artillerierakete mit einem kombinierten Antrieb aus Feststoffraketentriebwerk und Ramjet soll noch dieses Jahr erfolgen.
Während eines kürzlich erfolgten Tests habe der in Entwicklung befindliche Flugkörper einen einwandfreien Übergang vom Booster zum Staustrahltriebwerk in einer speziellen Anlage für luftatmende Antriebe von L3Harris demonstriert, wodurch der Antriebsübergang validiert worden sei, schreibt Lockheed Martin.
Nach Abschluss dieses Tests sollen die eigentlichen Flugtests des neuen Flugkörpers den Angaben zufolge im Herbst dieses Jahres beginnen, wodurch das Programm auf Kurs für die operative Einführung bleibe. Diese Tests sollen im nahezu taktischen Bereich erfolgen.
Laut Hersteller ermöglicht die innovative Antriebsarchitektur, die aus einem Feststoff- sowie einem Ramjet von L3Harris beseht, Reichweiten von über 1.000 km. Gleichzeitig die PrSM Increment 4 mit den bestehenden HIMARS- und M270-Werfern kompatibel, wodurch eine Präzisionsschlagfähigkeit über große Entfernungen zur Verfügung stehe, ohne dass neue Abschussplattformen oder logistische Änderungen erforderlich seien.
Das Ramjet-angetriebene Triebwerk wird laut Hersteller die Reichweite des Basis-PrSM verdoppeln. Überdies kombiniere die PrSM-Increment-4-Konfiguration hohe Steuerungspräzision mit hoher Endgeschwindigkeit, was das Abfangen durch den Gegner erschwere und wirksame Angriffe auf sowohl verlegbare Land- als auch bewegliche Seeziele ermögliche.
Wie aus der Mitteilung weiter hervorgeht, hat eine gemeinsame Investition von mehr als 300 Millionen US-Dollar von Lockheed Martin und L3Harris in additive Fertigung und Automatisierung die Voraussetzungen für die schnelle Hardware-Produktion geschaffen.
Precision Strike Missile
Bei der Precision Strike Missile (PrSM) handelt es sich um eine in Einführung befindliche Familie von Langstreckenartillerieraketen mit Reichweiten von mehr als 500 km, die die MGM-140 Army Tactical Missile System (ATACMS) ersetzen und eine wichtige Rolle für die zukünftige Deep-Strike-Fähigkeit der U.S. Army einnehmen sollen. Bei einer Länge von 4 m hat die PrSM mit einem Durchmesser von 430 mm nur etwa die Hälfte des Durchmessers einer ATACMS-Rakete, sodass ein HIMARS- oder M270A2-MLRS-Trägerfahrzeug die doppelte Anzahl an Raketen mitführen kann.
Die Entwicklung der Raketen erfolgt in sogenannten Increments. Sowohl der Suchkopf, die Wirkleistung als auch Reichweite sollen dabei sukzessive verbessert werden. Zudem soll die PrSM neben der Bekämpfung von statischen Bodenzielen auch zur Bekämpfung von beweglichen Zielen wie beispielsweise Schiffen befähigt werden.
Die U.S. Army hat Ende 2023 die ersten PrSM (Increment 1) erhalten und seitdem mehreren Feldversuchen im scharfen Schuss unterzogen, der erste Kriegseinsatz erfolgte Ende Februar / Anfang März im Rahmen des Iran-Krieges. Im März 2026 erfolgen zudem die ersten Schussversuche mit der kampfwertgesteigerten Precision Strike Missile Increment 2, die über einen neuen Multi-Mode-Suchkopf verfügt, der sowohl die Bekämpfung von beweglichen Zielen an Land sowie Seezielen ermöglicht, hartpunkt berichtete.
Entwicklungsstränge der Precision Strike Missile:
- Die Raketen des Increment 1 verfügen über eine Trägheitsnavigation sowie ein gegen Störmaßnahmen gehärtetes GPS-Navigationssystem. Die Reichweite soll dem Vernehmen nach bei rund 60 bis 500 Kilometern liegen. Die ballistisch wirkende Rakete soll in der Lage sein, im Zielanflug Hyperschallgeschwindigkeiten zu erreichen.
- Im Zuge des Increment 2 planen die US-Streitkräfte, die PrSM mit einem mit einem passiven RF-Zielsucher sowie Infrarotzielsucher auszustatten. Dieses Multimodus-Zielsuchsystem würde die US-Raketenartillerie zur Bekämpfung feindlicher Radarstellungen sowie Schiffen befähigen. Zudem soll US-Medienberichten zufolge die Reichweite auf bis zu 1.000 km gesteigert werden.
- Die Weiterentwicklung im Rahmen von Increment 3 fokussiert sich auf die Nutzlast der Rakete. Es wird erwartet, dass Raketen dieses Typs sowohl panzerbrechende Submunition sowie Loitering Munition verschießen sollen. Im Gespräch ist offenbar auch ein speziell für die Bekämpfung von gehärteten Strukturen optimierter Gefechtskopf.
- Increment 4 soll sich hingegen mit der Steigerung der Reichweite der PrSM jenseits der 1.000 km beschäftigen, welche ohne nennenswerte Eingriffe in die äußeren Ausmaße der Precision Strike Missile erreicht werden soll. Ein Entwicklungsauftrag für die dafür notwendige Antriebstechnologie wurde seitens der U.S. Army im März 2023 im Rahmen des Forschungsprogramms Long Range Maneuverable Fires an zwei unterschiedliche Parteien vergeben. Neben Lockheed Martin wurde auch ein Konsortium, bestehend aus Raytheon und Northrop Grumman, mit der Entwicklung beauftragt.
- Anfang Dezember 2024 hat die U.S. Army erstmals öffentlich gemacht, dass man Forschungsgelder für ein Increment 5 der PrSM eingeplant hat. Demnach soll ab Oktober 2025 ein entsprechendes Forschungsvorhaben begonnen werden, das den Verschuss der PrSM von einer unbemannten Plattform untersuchen soll. Details zu der potenziellen Leistungsfähigkeit der PrSM-Inc-5 sowie der mögliche Zulauf der Wirkmittel in die Truppe sind bis dato nicht bekannt. Der Verschuss der Raketen von unbemannten Raketenartilleriesystemen soll jedoch die Nutzungsmöglichkeit eines längeren Raketen-Pods mitbringen, da die Notwendigkeit für eine Besatzungskabine entfällt. Dies würde es wiederum ermöglichen, die Länge der PrSM zu vergrößern, was in mehr Reichweite oder mehr Nutzlastvolumen resultieren würde.
Waldemar Geiger
















