Wenige Tage nach dem ersten Kriegseinsatz der Precision Strike Missile (PrSM) gegen den Iran hat der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin nun die ersten Schussversuche mit der kampfwertgesteigerten Precision Strike Missile Increment 2 vermeldet. Die Kampfwertsteigerungen umfassen einen neuen Multi-Mode-Suchkopf, der sowohl die Bekämpfung von beweglichen Zielen an Land sowie Seezielen ermöglicht.
Wie aus einer gestern veröffentlichten Mitteilung des Konzerns hervorgeht, hat die Rakete die gesteckten Testziele im Rahmen eines 350 km langen Flugs erfüllt, der von einem HIMARS-System aus gestartet wurde. Dabei wurden nach Angaben von Lockheed Martin Schutzabdeckungen eingesetzt und eine Reihe von Leistungsdaten erfasst, die zur Validierung des Systems verwendet werden. Zudem wurden weitere PrSM Increment 2-Flugtests für einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr angekündigt.
Der Hersteller gibt an, dass das Programm derzeit die Phase der technologischen Reifung durchläuft, und die vorläufige Entwurfsprüfung (Preliminary Design Review) bereits im Gange ist. Weiterhin wird erklärt, dass erhebliche Investitionen in die Hand genommen wurden, um die Flugerprobung zur Erreichung der Einsatzfähigkeit der Rakete zu beschleunigen.
Bei der Precision Strike Missile handelt es sich um eine in Einführung befindliche Langstreckenartillerierakete mit einer Reichweite von mehr als 400 km. Die Precision Strike Missile ist ein zukünftiges Wirkmittel der US-Raketenartillerieverbände. Die Rakete soll die MGM-140 Army Tactical Missile System (ATACMS) ersetzen und eine wichtige Rolle für die zukünftige Deep-Strike-Fähigkeit der U.S. Army einnehmen. Bei einer Länge von 4 m hat die PrSM mit einem Durchmesser von 430 mm nur etwa die Hälfte des Durchmessers einer ATACMS-Rakete, sodass ein HIMARS- oder M270A2-MLRS-Trägerfahrzeug die doppelte Anzahl an Raketen mitführen kann. Sie soll nach Erreichen der Anfangsbefähigung vornehmlich gegen statische Landziele – etwa feindliche Truppenkonzentrationen, Flugfelder und logistische Einrichtungen – eingesetzt werden. Die U.S. Army hat Ende 2023 die ersten PrSM (Increment 1) erhalten und seitdem mehreren Feldversuchen im scharfen Schuss unterzogen. Der erste Kriegseinsatz erfolgte wie bereits angesprochen vor wenigen Tagen gegen den Iran.
Neben der Einführung PrSM (Increment 1) soll die Artillerierakete in mehreren Schritten – sogenannten Increments – weiterentwickelt werden. Sowohl der Suchkopf, die Wirkleistung als auch Reichweite sollen dabei sukzessive verbessert werden. Zudem soll die PrSM neben der Bekämpfung von statischen Bodenzielen auch zur Bekämpfung von beweglichen Zielen wie beispielsweise Schiffen befähigt werden.
- Die Raketen des Increment 1 verfügen über eine Trägheitsnavigation sowie ein gegen Störmaßnahmen gehärtetes GPS-Navigationssystem. Die Reichweite soll dem Vernehmen nach bei rund 60 bis 500 Kilometern liegen. Die ballistisch wirkende Rakete soll in der Lage sein, im Zielanflug Hyperschallgeschwindigkeiten zu erreichen.
- Im Zuge des Increment 2 planen die US-Streitkräfte, die PrSM mit einem mit einem passiven RF-Zielsucher sowie Infrarotzielsucher auszustatten. Dieses Multimodus-Zielsuchsystem würde die US-Raketenartillerie zur Bekämpfung feindlicher Radarstellungen sowie Schiffen befähigen. Zudem soll US-Medienberichten zufolge die Reichweite auf bis zu 1.000 km gesteigert werden.
- Die Weiterentwicklung im Rahmen von Increment 3 fokussiert sich auf die Nutzlast der Rakete. Es wird erwartet, dass Raketen dieses Typs sowohl panzerbrechende Submunition sowie Loitering Munition verschießen sollen. Im Gespräch ist offenbar auch ein speziell für die Bekämpfung von gehärteten Strukturen optimierter Gefechtskopf.
- Increment 4 soll sich hingegen mit der Steigerung der Reichweite der PrSM jenseits der 1.000 km beschäftigen, welche ohne nennenswerte Eingriffe in die äußeren Ausmaße der Precision Strike Missile erreicht werden soll. Ein Entwicklungsauftrag für die dafür notwendige Antriebstechnologie wurde seitens der U.S. Army im März 2023 im Rahmen des Forschungsprogramms Long Range Maneuverable Fires an zwei unterschiedliche Parteien vergeben. Neben Lockheed Martin wurde auch ein Konsortium, bestehend aus Raytheon und Northrop Grumman, mit der Entwicklung beauftragt.
- Anfang Dezember 2024 hat die U.S. Army erstmals öffentlich gemacht, dass man Forschungsgelder für ein Increment 5 der PrSM eingeplant hat. Demnach soll ab Oktober 2025 ein entsprechendes Forschungsvorhaben begonnen werden, das den Verschuss der PrSM von einer unbemannten Plattform untersuchen soll. Details zu der potenziellen Leistungsfähigkeit der PrSM-Inc-5 sowie der mögliche Zulauf der Wirkmittel in die Truppe sind bis dato nicht bekannt. Der Verschuss der Raketen von unbemannten Raketenartilleriesystemen soll jedoch die Nutzungsmöglichkeit eines längeren Raketen-Pods mitbringen, da die Notwendigkeit für eine Besatzungskabine entfällt. Dies würde es wiederum ermöglichen, die Länge der PrSM zu vergrößern, was in mehr Reichweite oder mehr Nutzlastvolumen resultieren würde.
Waldemar Geiger

















