Verteidigungsminister Boris Pisorius würde die erfolgreiche militärische Kooperation mit Norwegen gerne auf den Bereich von Satelliten ausweiten. Wie er Ende vergangener Woche bei seinem Besuch auf dem nordnorwegischen Spaceport Andøya sagte, möchte er die enge Zusammenarbeit im Weltraum gern weiter ausbauen – beispielsweise mit einer gemeinsamen Satellitenkonstellation zur bildgebenden Aufklärung. Es gehe darum, auch in dieser innovativen und sich schnell entwickelnden Dimension gemeinsam Fähigkeiten aufzubauen und deren Resilienz mitzudenken, sagte Pistorius laut Pressemitteilung seines Hauses.
Die norwegische und die deutsche Industrie trieben bereits jetzt gemeinsame Technologieprojekte im Weltraumsektor voran, so Pistorius. Weitere Details nannte er nicht. Andøya gilt als wichtiger Startplatz in Europa für kleine Trägerraketen, sogenannte Microlauncher. Hiermit wird die Abhängigkeit von Kourou, von wo die Ariane 6 startet, verringert. So hat das deutsche Start-up Isar Aerospace den nördlich des Polarkreises gelegenen Ort für seine Versuche ausgewählt.
Die Zeichnung des deutsch-norwegischen Verteidigungsabkommens HANSA am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz vor wenigen Woche lege den Grundstein für eine noch intensivere Zusammenarbeit – vor allem in den Bereichen weltraumgestützte Aufklärung und maritime Sicherheit, aber auch in Form von gemeinsamen Einsätzen und Rüstungsprojekten, heißt es in der Mitteilung des BMVg.
Die Bundeswehr will nach Angaben des Ministers bis zum Jahr 2030 rund 35 Milliarden Euro in ihre Weltraumaktivitäten investieren. Dem Vernehmen nach hat das überwiegend im Staatsbesitz befindliche norwegische Unternehmen Kongsberg Defence & Aerospace Interesse daran, für die vom BMVg geplante Auklärungs-Konstellation SPOCK 2 zu bieten. SPOCK 1, das den vollständigen den Titel „SAR-Spacesystem for persistent operational tracking Stufe 1“ trägt, ist bereits an ein aus Rheinmetall und der finnischen Firma Iceye bestehendes Konsortium vergeben worden. Wie es heißt, sollen bei SPOCK 2 sowohl SAR- als auch elektrooptische Sensoren für die Aufklärung zum Einsatz kommen. Eine erste Marktsichtung wurde offenbar bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen.
Anfang Dezember hatten das auf Künstliche Inteligenz (KI) spezialisierte deutsche Tech-Unternehmen Helsing und Kongsberg eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um europäische Kapazitäten für die Aufklärung und Zielerfassung aus dem Weltraum schneller zu schaffen.
Die Unternehmen planen nach damaligen Angaben, bis 2029 eine souveräne Satellitenkonstellation für Intelligence, Surveillance, and Reconnaissance (ISR) mit einer voll vernetzten Kommunikationsebene für Europa aufzubauen. Ein weiterer Partner ist der deutsche Sensorspezialist Hensoldt, der seine Technologie in die Zusammenarbeit einbringen würde. Isar Aerospace gilt mit seinem Startkomplex bei Andøya Space für die Initiative als der bevorzugte Partner, um Satelliten in den Orbit zu bringen.
Ob sich der Minister bei seinen Ausführungen womöglich auf SPOCK oder den Ansatz von Kongsberg und Helsing bezieht, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Sein Vorschlag einer gemeinsamen Satellitenkonstellation deutet jedoch darauf hin, dass sich Norwegen finanziell und organisatorisch an einem solchen Vorhaben beteiligen könnte.
Neben Pistorius und seinen Amtskollegen aus Norwegen und Kanada waren auch Bundeskanzler Friedrich Merz, Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre und der kanadische Premierminister Mark Carney am 12. und 13. März nach Norwegen gereist, unter anderem um die Militärübung Cold Response in Bardufoss zu besuchen.
Bei den Gesprächen der drei Regierungschefs ging es auch um einen möglichen Kauf von deutsch-norwegischen U-Booten der Klasse 212 CD durch die kanadischen Streitkräfte.
Kanada will bis 2035 Ersatz für vier U-Boote beschaffen. Das deutsch-norwegische Angebot für eine mögliche kanadische Beteiligung an der U-Boot-Kooperation U212 CD wurde den Angaben zufolge am 2. März in Ottawa übergeben.
Man habe bereits alle Voraussetzungen geschaffen, damit Kanada als gleichberechtigter Partner dem U-Boot Projekt beitreten könne, unterstrich Pistorius laut Mitteilung in Norwegen.
Nach Aussage von Kanadas Premierminister Carney bei einer Pressekonferenz in Norwegen plant sein Land Investitionen von mehr als 40 Milliarden Dollar in die Arktis für Verteidigung, Sicherheit und wirtschaftliche Sicherheit. Kanada wolle bis 2035 eine halbe Billion Dollar zusätzlich für die Sicherheit und die Verteidigung investieren.
Mit Blick auf die geplante U-Boot-Beschaffung sagte Carney, es müsse sichergestellt werden, dass die damit verbundenen Investitionen den maximalen Effekt erzielten, damit Sicherheit und Verteidigung für die Bürgerinnen und Bürger sichergestellt seien. „Wir wollen Partnerschaften aufbauen, die auch Vorteile für unsere Industrien bieten.“
Man bewege sich auf den letzten Metern dieses Prozesses. „Glücklicherweise haben wir Optionen, natürlich auch das norwegisch-deutsche Angebot“, so der Premierminister.
Neben dem deutsch-norwegischen Angebot mit den U-Booten des Marineschiffbauers TKMS ist nur noch Hanwha aus Südkorea im Rennen um den lukrativen Auftrag aus Kanada. Die Koreaner haben Presseberichten zufolge der kanadischen Seite in einer Gemeinschaftsaktion mehrerer Industrieunternehmen umfranfreiche Offset-Angebote gemacht, darunter den Bau einer Automobilfabrik in dem nordamerikanischen Land.
Norwegen und Deutschland dürften insbsondere damit punkten, dass sie gemeinsam mit Kanada mehr für die Sicherheit der Arktis tun wollen, ein wichtiges Anliegen, wie Carney deutlich machte. Norwegen gilt, wie auch die nordeuropäischen Länder Finnland und Schweden, als besonders kompetent, was Arktis-Themen betrifft. So basieren etwa Kanadas sechs neue arktische Patrouillenschiffe der Harry-DeWolf-Klasse auf dem Design des Eisbrechers Svalbard der norwegischen Küstenwache.
Lars Hoffmann


















