Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat die Einrichtung einer Akademie für Sicherheit und Schutz im Weltraum in Deutschland angekündigt. Die geplante „Space Safety and Security Academy“ solle auch Partnern aus der Europäischen Union und darüber hinaus offenstehen, sagte Pistorius heute in seiner Rede beim Internationalen Weltraumgipfel in Paris. Zudem möchte Deutschland die Einrichtung eines „European Space Component Command“ vorantreiben. Das deutsche Weltraumkommando stehe bereit, ein solches Kommando zu beherbergen, so der Minister.
Als Beispiel für die Fortschritte der nach seinen Worten leistungsfähgien europäischen Raumfahrtindustrie verwies er auf den Start der von Isar Aerospace entwickelten Spectrum-Rakete am vergangenen Wochende vom norwegischen Andøya. Es handele sich um den ersten erfolgreichen Start in den Orbit von Kontinantaleuropa aus, sagte Pistorius – ein echter Meilenstein. Europa brauche jedoch weitere Projekte dieser Art, insbesondere um eigene Startkapazitäten für sehr schwere Nutzlasten aufzubauen und damit seine strategische Unabhängigkeit zu stärken. Der Minister verwendete in der in Englisch gehaltenen Rede den Begriff „super heavy lift launch capacities“.
In der Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung heißt es dazu: „Langfristig sollte Europa mit Hilfe der ESA in der Lage sein, alle relevanten Zielorbits – einschließlich derjenigen um den Mond – zu erreichen. Hierzu setzen wir uns in Europa dafür ein, die European Launcher Challenge weiterzuentwickeln, sodass mittel- bis langfristig mehrere wettbewerbsfähige europäische Schwerlastraketen den autonomen Zugang Europas auch zum cislunaren Raum sicherstellen.“ Bei der von Isar Aerspace gestarteten Spectrum-Rakete handelt es sich dagegen um einen sogenannten Microlauncher mit beschränkter Nutzlast. Bislang verfügt Europa mit der Ariane 6 nur über eine Trägerrakete, die eine Nutzlast von mehr als 20 Tonnen in den Weltraum transportieren kann.
Pistorius zufolge wird die Weltraumsicherheitsstrategie nun umgesetzt, um die militärische Weltraumarchitektur Deutschlands zu stärken. Gleichzeitig betonte der Minister, dass die deutschen Anstrengungen möglichst Europa insgesamt zugutekommen sollten.
Der Minister betonte zugleich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern, insbesondere mit Frankreich. Berlin und Paris arbeiteten seinen Worten bereits an der Interoperabilität zwischen der europäischen Satellitenkonstellation IRIS² und künftigen Satellitenkonstellationen. Darüber hinaus solle die Zusammenarbeit der beiden Länder bei der weltraumgestützten Aufklärung der nächsten Generation intensiviert werden.
Deutschland wolle zudem Standards und Schnittstellen schaffen, um die Interoperabilität unterschiedlicher nationaler Systeme sicherzustellen. Nach Pistorius‘ Worten sollen, wo immer möglich, auch die deutschen Beschaffungsverfahren für Partnerschaften auf Regierungsebene geöffnet werden. Neben eigenen Startkapazitäten forderte der Minister echten Wettbewerb, kürzere Innovationszyklen und offene Architekturen in Europa. Diese sollten es ermöglichen, neue Technologien schnell in bestehende Systeme zu integrieren.
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