Die polnischen Streitkräfte beabsichtigen, neben dem schwimmfähigen leichten Schützenpanzer des Typs Borsuk auch eine schwerere, besser geschützte Schützenpanzervariante einzuführen. Der erste Demonstator des neuen Fahrzeugs wurde auf der Rüstungsmesse MSPO 2026 im polnischen Kielce gezeigt.
Nachdem ein Jahr zuvor ein 1:4-Modell des neuen „schweren Schützenpanzers“ präsentiert wurde, fand am 8. September am Stand der staatlichen PGZ-Gruppe nun die Prämiere des Demonstrators statt. Entwickelt wurde das neue System von dem zu PGZ gehörenden polnischen Panzerbauer Huta Stalowa Wola. Das Unternehmen baut auf den 30 Tonnen schweren Borsuk-Schützenpanzer, von dem bis heute etwas mehr als 250 Systeme von Polen beschafft wurden.
Der auf der MSPO 2026 ausgestellte Demonstrator soll Herstellerangaben zufolge die wichtigsten funktionalen Merkmale des zukünftigen Schützenpanzers zeigen, während die endgültige Konfiguration des Gefechtsfahrzeuges noch Gegenstand weiterer Entwicklungsarbeiten und Abstimmungen mit den polnischen Streitkräften sein wird.
PGZ zufolge sieht die nächste Phase des Programms vor, dass zwei Prototypen für die Durchführung von Tests in den polnischen Streitkräften gebaut werden, die wohl 2027 beginnen sollen. Das eigenerklärte Ziel von Huta Stalowa Wola und PGZ ist es, im Jahr 2029 die Serienreife zu erreichen.
Der schwere Schützenpanzer basiert früheren Angaben zufolge auf einer Kettenplattform, die aktuell auch bei der polnischen Panzerhaubitze Krab zum Einsatz kommt. Der Schützenpanzer verfügt über ein Fahrwerk mit sieben Laufrollen und ein MTU-Triebwerk mit 800 kW Leistung sowie ein Getriebe von Allison Transmission.
Hauptzweck des mehr als 40 Tonnen schweren Schützenpanzers ist der Transport, der Schutz und die direkte Feuerunterstützung von mit der Panzertruppe kämpfenden mechanisierten Infanterieverbänden. Das genaue Kampfgewicht des Fahrzeuges ist von der jeweiligen Konfiguration der modularen Panzerung abhängig. Das genaue Schutzniveau gemäß STANAG 4569 wurde vom Hersteller jedoch nicht offengelegt.
Aktuell wird der Schützenpanzer dem Hersteller zufolge mit zwei verschiedenen Kampfraumvarianten entwickelt, die neben der dreiköpfigen Besatzung Platz für sechs beziehungsweise acht Infanteristen samt Ausrüstung bieten sollen.
Der vorgestellte Demonstrator wurde mit dem aus dem Schützenpanzer Borsuk sowie Radschützenpanzer ROSOMAK-L bekannten unbemannten ZSSW-30-Turm gezeigt. Die primäre Bewaffnung besteht aus einer 30-mm-Maschinenkanone Mk44S Bushmaster II und einem auf der rechten Turmseite montierten Doppelstarter für den Panzerabwehrlenkflugkörper Spike LR. Als Sekundärbewaffnung ist ein koaxiales 7,62-mm-Maschinengewehr verbaut. Den Richtbereich gibt der Hersteller mit -9 bis +60 Grad an, wodurch sowohl Boden- als auch Luftziele bekämpft werden können. Der Hersteller betont jedoch, dass der schwere Schützenpanzer auch für die Integration mit anderen Turmsystemen und Bewaffnungsvarianten ausgelegt sei. Damit soll das Entwicklungspotenzial sowie die Anpassungsmöglichkeiten der Plattform an die Anforderungen zukünftiger Nutzer erhöht werden.
Zudem werden dem Hersteller zufolge Spezialversionen des Fahrzeugs untersucht, die für die Erfüllung zusätzlicher Kampfeinsätze und die Unterstützung der Landstreitkräfte vorgesehen sind.
Waldemar Geiger


















