Verteidigungsminister Boris Pistorius hat im Rahmen seines heutigen Truppenbesuchs im niedersächsischen Lohheide die Ausbildung der Ausbilder für den Schweren Waffenträger Infanterie besichtigt und dabei die aufgetretenen Lieferverzögerungen des Waffensystems kritisiert.
Die Ausbildung an dem Schweren Waffenträger Infanterie hat diese Woche begonnen und soll Pistorius zufolge bis November andauern. Der Minister räumte ein, dass die Ausbildung später als geplant aufgenommen wurde. „Die Industrie hat schlicht und ergreifend einige Fahrzeuge, acht an der Zahl, nicht rechtzeitig geliefert“, begründete er die Verzögerung. Man stehe zu diesen Fragen mit der Industrie in sehr engem Austausch.
Es ist jedoch unklar, auf welchen Referenztermin sich Pistorius bei den Lieferverzögerungen bezieht. Der Minister hatte im Zuge seiner Australienreise am 26. März angekündigt, dass die Bundeswehr noch im März die ersten aus deutscher Produktion stammenden Schweren Waffenträger Infanterie erhalten wird, damit die Truppe im Juli mit der Ausbildung beginnen kann, hartpunkt berichtete. Mitte des Jahres sollte dann das erste in Australien gefertigte Fahrzeug der Bundeswehr übergeben werden. hartpunkt berichtete bereits Anfang Februar, dass der Ausbildungsbeginn für Juli 2026 vorgesehen ist. Damals erklärte ein Sprecher von Rheinmetall auf Nachfrage von hartpunkt. „Das Training des Kunden ab Juli diesen Jahres ist seit letztem Jahr aufgeplant und wird durch uns mit genügend Fahrzeugen sichergestellt. Es werden Serienfahrzeuge ausgeliefert, keine Vorserienfahrzeuge.“
Kritische Einlassungen zu den Lieferverzögerungen hat es von Pistorius zumindest bei der Produktionsbesichtigung des Schweren Waffenträgers Infanterie im März in Australien öffentlich nicht gegeben. Bei dem heutigen Truppenbesuch hat sich der Minister offenbar entschieden andere Töne anzustimmen. Allen sei klar, „solche Lieferverzögerungen müssen die absolute Ausnahme sein“, so Pistorius. Geplant sei seiner Aussage zufolge die Lieferung von elf weiteren Fahrzeugen bis Ende 2026. Diese müssten rechtzeitig kommen. „Wir werden die Industrie an unsere Absprachen noch einmal erinnern.“
Schwerer Waffenträger Infanterie
Der Schwere Waffenträger entspricht im Wesentlichen dem Combat Reconnaissance Vehicle (CRV) Block II auf Boxer-Fahrgestell mit 30mm-Maschinenkanone, wie es die australischen Streitkräfte im Rahmen ihres Rüstungsprogramms „Land 400, Phase 2“ einführen. Gleichwohl gibt es in einigen Aspekten Änderungen, die einerseits dem unterschiedlichen Nutzer (beispielsweise Führungsausstattung) oder dem unterschiedlichen Einsatzzweck (beispielsweise Beladeplan) geschuldet sind.
Die Bewaffnung des Schweren Waffenträgers besteht aus der Maschinenkanone MK30-2 im Kaliber 30 x 173 mm, wie sie auch im Schützenpanzer Puma eingebaut ist, sowie einem Turm-Maschinengewehr im Kaliber 7,62 x 51 mm. Darüber soll der Waffenträger einen integrierten Launcher für Panzerabwehrlenkflugkörper des Typs MELLS erhalten.
Nachdem die beiden Bundestagsausschüsse für Verteidigung und Haushalt einen Tag vorher den Weg für die Beschaffung von 123 sogenannten Schweren Waffenträgern Infanterie im Wert von 1,9 Milliarden Euro freigemacht haben, wurde am 21. März 2024 im Rahmen einer digitalen Unterzeichnungszeremonie ein entsprechender Government-to-Government-Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der australischen Regierung geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war der Auslieferungsbeginn der ersten Serienfahrzeuge für 2025 geplant, 2026 sollten dann 19 weitere Systeme folgen.
Darüber hinaus wurde ein „Integrated Logistic Support“-Vertrag in Höhe von fast 750 Millionen Euro mit Rheinmetall geschlossen, um die Einsatzfähigkeit der neuen Radpanzer-Flotte nach der Lieferung sicherzustellen. Dafür muss Rheinmetall in einem Zeitraum von fünf Jahren nach Zulauf des ersten Musters eine Verfügbarkeitsgarantie geben und für die dann anfallenden Instandsetzungen und benötigten Ersatzteile die Kosten tragen. Auch die Ausbildungsmittel, dazu zählen etwa Simulatoren, sowie die Dokumentation sind offenbar in dem Paket enthalten, ebenso die Ausbildung der Nutzer. Insider gehen davon aus, dass eine Verfügbarkeit von 70 Prozent erwartet wird.
Waldemar Geiger
















