Verteidigungsminister Boris Pistorius hält die von der niederländischen Regierung unterstützte Industrieinitiative zur Entwicklung eines exoatmosphärischen Abfangflugköpers zur Bekämpfung von ballistischen Raketen für eine „exzellente Idee“, die jedoch noch ausgestaltet werden müsse.
Wie er heute bei seinem Truppenbesuch beim deutsch-niederländischen Panzerbataillon 414 in Lohheide vor Journalisten weiter ausführte, ist das BMVg sehr offen für derartige Projekte. „Wir sind der Auffassung, das sollte engstens europäisch koordiniert sein“, so Pistorius. Es gehe ja nicht nur um die Frage der Flugkörper. Entscheidend sei auch, die Aufklärung, Frühwarnung und Detektion gemeinsam zu strukturieren. „Auch daran arbeiten wir intensiv, unter anderem auch mit den Franzosen, aber auch mit anderen Partnern.“ Deutschland habe ein sehr großes Interesse , auch mit den Niederländern in diesem Bereich etwas zu entwickeln – eingebettet „in etwas Größeres“.
Die fünf europäischen Unternehmen Thales, Airbus Defence and Space, Destinus, MBDA Deutschland und Safran Electronics & Defense hatten vorgestern mitgeteilt, dass sie die Absicht zur Gründung des Bliksem EXO-Konsortiums haben, das Europas erstes eigenständiges Programm für einen exoatmosphärischen Abfangflugkörper entwickeln soll. Das Vorhaben wird von der niederländischen Regierung unterstützt. Nach Aussage des niederländischen Premierministers Rob Jetten stellt Bliksem EXO eine industrielle Säule der Koalition gegen ballistische Raketen dar und wird aus den Niederlanden von Destinus geleitet.
Bei Bliksem EXO handelt es sich um ein eigenständiges europäisches exoatmosphärisches Abfangsystem gegen Medium-range Ballistic Missiles (MRBM) sowie Intermediate-range Ballistic Missiles (IRBM), einschließlich Systemen der Oreshnik-Klasse mit abtrennbaren und manövrierfähigen Wiedereintrittsfahrzeugen. Wie hartpunkt berichtete, sei es für die obere Abwehrschicht der Raketenabwehr konzipiert: Erkennung, Verfolgung und Abwehr von MRBM-/IRBM-Bedrohungen in der mittleren Flugphase außerhalb der Atmosphäre durch direkte kinetische „Hit-to-Kill“-Wirkung ohne Sprengkopf.
Innerhalb des Konsortiums fungiert Destinus mit Sitz in den Niederlanden als Konsortialführer und Hauptauftragnehmer und ist verantwortlich für die Systemintegration sowie das exoatmosphärische „Kill Vehicle“ (EKV); MBDA Deutschland ist für den Booster der Abfangraketen, den Werfer und die Kanister zuständig; Safran Electronics & Defense für den Suchkopf sowie die Lenkung, Navigation und Steuerung des EKV; Airbus Defence and Space für die Führung und Kontrolle sowie das Gefechtsmanagement (BMC4I); und Thales für die Radar- und Sensorkette, von der Frühwarnung bis zur Feuerleitung.
Die Parteien beabsichtigen, innerhalb von drei Monaten nach Unterzeichnung der Absichtserklärung eine verbindliche Konsortialvereinbarung abzuschließen. Die gemeinsamen Entwicklungsarbeiten im Rahmen des Konsortiums sollen im August 2026 beginnen, und das Konsortium plant, im Jahr 2027 einen EKV-Test im Weltraum durchzuführen.
Lars Hoffmann

















