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Neue Kräder für die Panzerlehrbrigade 9

Die Beschaffung von neuer Ausrüstung für die Bundeswehr muss nicht immer lange dauern und umständlich sein. Mitunter vergehen kaum anderthalb Jahre nach der Formulierung einer Forderung, bis das Material auf dem Hof steht. Das belegt die Übergabe von 29 geländegängigen BMW-Motorrädern für die Panzerlehrbrigade 9 am gestrigen Montag in Munster.

Nach Aussage von Brigadegeneral Ullrich Spannuth hatte die Brigade  im Dezember 2017 während ihres Aufenthalts im Gefechtsübungszentrum festgestellt, dass ein Element für die Ausgestaltung der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) fehlte: Die Verbindung und die Kontrolle von Marschbewegungen mit Hilfe von Motorrädern. „Und ein Jahr später haben wird die. Das hätte ich nicht für möglich gehalten“, sagte der Kommandeur der Panzerlehrbrigade in seiner Rede während der Übergabezeremonie.

General Ullrich Spannuth während seiner Rede in Munster. Im Hintergrund die neuen Kräder. Foto: lah

Ermöglicht wurde die schnelle Beschaffung der Kräder durch die enge Kooperation mit der BwFuhrparkService GmbH. Diese zu 100 Prozent im Bundesbesitz befindliche Gesellschaft hatte nach eigenen Angaben im Oktober vergangenen Jahres den finalen Beschaffungsauftrag für die Motorräder vom BMVg erhalten. Die für den Zivilmarkt von BMW gebauten Maschinen des Typs F 850 GS wurden daraufhin in der Version für die Polizei und Landesbehörden geordert. Die Firma Intax führte nach Auslieferung durch den Hersteller Folierungsarbeiten und die Pulverbeschichtung an den Motorrädern durch.  Sollte die BwFuhrparkService die Maschinen nach Nutzungsende wieder veräußern, könnten die oliven Folien entfernt werden. Gewartet werden die Motorräder durch den im niedersächsischen Munster angesiedelten Service-Stützpunkt der GmbH.  Geht die Brigade in den Auslandseinsatz, werden Reparaturen und Servicearbeiten von den Soldaten selbst übernommen. Insgesamt soll die Brigade 84 Maschinen erhalten.

BwFuhrparkService mit umfassenden Leistungen

Gut Erfahrungen hat die Truppe mit diesem Verfahren offenbar bereits bei der Übung Trident Juncture im vergangenen Jahr in Norwegen gemacht. Laut eigenen Angaben stellt die  BwFuhrparkService mehr als 1.500 Fahrzeuge für  den deutschen Teil der VJTF. Davon über 1.000 Lastkraftwagen, wie Spannuth in seiner Rede betonte. Er unterstrich die „exzellente Zusammenarbeit“ mit der bundeseigenen Gesellschaft.

Die auf handelsüblichen Mustern basierenden militarisierten Lkw des Unternehmens verfügen unter anderem über eine Drehringlafette, Bundeswehr-Funk und Waffenhalterungen. Die für die VJTF 2023 vorgesehen Lkw sollen überdies das bis dahin einzuführende  Battle Management System erhalten.

In  Zukunft will die Service-Gesellschaft für ihre im Auslandseinsatz befindlichen Fahrzeuge ein Ersatzteilpaket zusammenstellen, so dass die Instandsetzer des Heeres Ersatzteile vor Ort zur Verfügung haben und nicht einzeln aus Deutschland anfordern müssen. Bewährt hat sich nach Angaben des Heeres bereits eine mobile Werkstatt auf  Containerbasis, die erstmals in Norwegen eingesetzt wurde.

In seiner Rede während der Übergabezeremonie bedankte sich Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Leiter der Abteilung Planung im   BMVg, für die gute Teamarbeit aller Beteiligten. Wenn die Truppe eine Forderung habe, müsse gemeinsam überlegt werden, auf welchem „Beschaffungskanal“ das Material in benötigter Quantität und Qualität so schnell wie möglich zu erhalten sei, sagte der Admiral. Dabei könne man bestimmte Bedarfe über die Inhouse-Gesellschaften des Bundes abdecken. Es  stelle sich dabei die Frage, ob ein Produkt immer alle gestellten Forderungen erfüllen müsse. Der Admiral hält es für zielführender, auf bestimmte Eigenschaften zu verzichten, um zeitnah beschaffen zu können. Andernfalls müsste die Truppe jahrelang ohne das geforderte Material mit einer Fähigkeitslücke zurechtkommen.

Marschkontrolle als ein Schwerpunkt

Eine wesentliche Aufgabe der zukünftigen Krad-Fahrer  wird die Kontrolle von Truppenbewegungen sein. Allein die rund 3.000  deutschen Fahrzeuge der VJTF Land  würden nach Angaben von Spannuth bei einer Marschfahrt mit 100 Metern Abstand eine Kolonne bilden, die von Hamburg bis Berlin reicht. Solchen Kolonnen würden nicht mit Funk, sondern mit Motorrädern und eventuell einem zusätzlichen Hubschrauber überwacht.

Die VJTF Land 2019 unter Führung  der Panzerlehrbrigade 9 wird nach Angaben ihres Kommandeurs rund 8.000 Soldaten umfassen, darunter 5.000 der Bundeswehr sowie 3.000 aus acht weiteren Nationen.  Davon müssten 1.200 Soldatinnen und Soldaten innerhalb von 48 Stunden voll ausgestattet abmarschbereit sein. Der Rest folge dann binnen fünf Tagen.

Die Übung im vergangenen Jahr in Norwegen habe die strategische Mobilität großer Truppenkörper nachgewiesen, sagte Spannuth am Rande der Veranstaltung. Trident Juncture sei der „Lackmustest“ für die diesjährige VJTF gewesen, da der NATO-Verband in gleicher Zusammenstellung weiter operiere – nur diesmal unter deutscher Führung. 2018 waren Tausende Soldaten und Fahrzeuge der Bundeswehr mit dem Schiff und Flugzeug in das nordeuropäische Land verlegt worden.

Dabei haben die Planer offenbar auch eine Brückenlösung für die nicht mehr vorhandene Fähigkeit der Heeresluftabwehr gefunden: Neben tschechischen Einheiten mit leichten Flugabwehrraketen des Typs RBS-70 hatte in Norwegen die  deutsche Luftwaffe mit ihrem System Patriot die VJTF-Einheiten gegen Bedrohungen aus der Luft verteidigt.  „Das hat hervorragend funktioniert“, konstatierte der General. So seien die drei Patriot-Batterien mit jeweils acht Werfern mit den Heerestruppen marschiert und in den Gefechtsstand integriert worden.

Übung im polnischen Zagan

Die diesjährige VJTF wird ihren Übungsschwerpunkt Mitte des Jahres in Polen haben. Dafür soll die strategische Verlegung diesmal im Schienen-  und Straßentransport durchgespielt werden. Man werde die eigenen Kräfte in die Oberlausitz verlagern und von dort „auf Kette“ zum 60 bis 70 Kilometer entfernten Truppenübungsplatz Zagan marschieren, erläuterte Spannuth. Der Haupttruppe vorausfahren werde das so genannte Spearhead Batalion, das jeweils eine mechanisierte Kompanie aus Norwegen, den Niederlanden und Deutschland umfasse.

Um die Kommunikation der multinationalen VJTF-Verbände zu verbessern, verfüge die Brigade über eine umfangreiche verschlüsselte Satellitenkommunikation, sagte Spannuth. Mit den auf die Bataillone verteilten PRC-Funkgeräten sei die Kommunikation auch über große Entfernungen und in der Bewegung möglich. Sowohl Niederländer, Norweger als Franzosen verfügten neben der Panzerlehrbrigade über solche Funktechnik.

In Zukunft gehe es darum, nicht nur die deutsche VJTF-Brigade, sondern das gesamte Heer mit seinen acht Brigaden in die Lage zu versetzen, einen solchen Auftrag zu erfüllen, sagte der General.
lah/12/5.3.2019