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Neue Anwendung für Naval Strike Missile erwartet

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Der vom norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg entwickelte Seezielflugkörper Naval Strike Missile (NSM) wird bislang nur von Schiffen oder in der Version als Joint Strike Missile von Flugzeugen gestartet. Durch ein milliardenschweres Rüstungsgeschäft der USA mit Indien erweitern sich allerdings die Perspektiven für die Lenkwaffe: Die NSM dürfte demnächst zur Bewaffnung von Hubschraubern eingesetzt werden.

Hintergrund ist die Beschaffung von 24 Hubschraubern des Typs MH-60 R von Sikorsky für die indische Marine im Rahmen eines Government-to-Government-Geschäftes. Ein entsprechender Vertrag wurde während des Besuchs von US-Präsident Donald Trump vor wenigen Tagen auf dem Subkontinent finalisiert. Die Hubschrauber sollen neben der U-Boot-Jagd auch für die Bekämpfung von Überwasserschiffen eingesetzt werden. Wie aus einem im vergangenen Jahr dem Kongress zur Genehmigung vorgelegten Papier hervorgeht, sind im Rahmen des Hubschrauber-Deals auch Komponenten für die Nutzung der NSM vorgesehen. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass die US Navy die Lenkwaffe im Auftrag der indischen Streitkräfte in den Hubschrauber integrieren wird.

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Von einem solchen Vorgehen dürfte auch Kongsberg profitieren. Denn die NSM würde damit quasi auf Rechnung Indiens erstmals für den Einsatz vom Hubschrauber aus qualifiziert, was die Lenkwaffe auch für andere Seestreitkräfte interessant macht. Gut informierten Kreisen zufolge denkt auch die Deutsche Marine an die Bewaffnung ihrer zukünftigen Bordhubschrauber des Typs Sea Tiger mit Seezielflugkörpern. Sollte – wie bislang vorgesehen – die NSM in ihrer neuesten Version als Ersatz für die veraltete Harpoon in großer Stückzahl in die Marine eingeführt werden, hätte dies  eine starke Ausgangsposition für den Kongsberg-Flugkörper als Hubschrauber-Bewaffnung in Deutschland zur Folge.

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Voraussetzung für die Einführung der NSM in die Deutsche Marine bleibt jedoch offenbar weiterhin ein Vertragsschluss bei der Beschaffung der norwegisch-deutschen U-Boote des Typs 212CD. Wie es aus Industriekreisen heißt, laufen die Verhandlungen weiter. Als Problem galten dabei in der Vergangenheit die Kosten, die für Norwegen zu hoch waren und abgespeckt werden müssen. Denn während das norwegische Parlament das Vorhaben bereits gebilligt und damit finanziell gedeckelt hat, steht in Deutschland die parlamentarische Befassung im Rahmen einer so genannten 25-Mio-Vorlage noch aus. Aus diesem Grund konnte das BMVg den Haushaltsansatz für die zwei zu beschaffenden U-Boote nach oben anpassen.

Dem Vernehmen nach verfügt tkMS als Bauwerft über die entsprechenden Werkzeuge, um genau zu spezifizieren, zu welchen finanziellen Einsparungen einzelne Forderungsabstriche führen. Die Herausforderung besteht dann darin, dass sich die beiden Marinen auf ein einheitliches Vorgehen einigen. Noch nicht geklärt ist anscheinend, ob Norwegen für die Beschaffung eines fünften U-Bootes votiert, womit die Entwicklungskosten auf eine größere Stückzahl umgelegt würde.

Vor dem Hintergrund der laufenden Gespräche bei den U-Booten bleibt es spannend, welche industrielle Konfiguration sich bei der Entwicklung eines norwegisch-deutschen Nachfolge-Musters für die NSM herausbildet. Wie berichtet, waren erstmals im Dezember Überlegungen dazu bekannt geworden. Allerdings dürfte die Zahl der involvierten Player aufgrund der benötigen technischen Expertise begrenzt bleiben. So gehen Beobachter davon aus, dass auf norwegischer Seite Kongsberg und Nammo und auf deutscher Seite MBDA und Diehl als Kooperationspartner in Frage kommen. Wobei letzteres Unternehmen bislang aufgrund der Bindung an die schwedische Saab beim Seezielflugkörper RBS-15 nicht mit Kongsberg kooperieren konnte.

Dem Vernehmen nach gab es in der Vergangenheit Überlegungen, MBDA bei der ursprünglich geplanten Weiterentwicklung der NSM zum Block 2 einzubinden. Das Unternehmen verfügt auch für das neue Vorhaben über wichtige Kompetenzen bei der Entwicklung von RF-Suchern sowie bei Hochgeschwindigkeitsantrieben. Sollte der Nachfolge-Flugkörper der NSM auf Geschwindigkeit statt wie bisher auf Stealth setzen, hätte MBDA mit der Tochter Bayern Chemie ein wichtiges Asset zu bieten. Denn das Unternehmen produziert das Staustrahltriebwerk für die Luft-Luft-Lenkwaffe großer Reichweite Meteor. Experten gehen davon aus, dass die dafür genutzte Technologie – die womöglich sogar für Hyperschallwaffen geeignet ist – auch bei Seezielflugkörpern zur Anwendung kommen kann.  Einem Wissenschaftspapier zufolge wurden bereits in den 80er Jahren von der deutschen Amtsseite entsprechende Tests vorgenommen.
lah/28.2.2020