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Kooperation mit Norwegen bei Fregatte F127?

Lars Hoffmann

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat bei seinem heutigen Besuch im norwegischen Kirkenes im Beisein seines Amtskollegen Björn Arild Gram eine mögliche Zusammenarbeit mit Norwegen bei der zukünftigen Fregatte der Deutschen Marine des Typs 127 ins Spiel gebracht. Man wolle die Rüstungskooperation mit dem skandinavischen Land fortführen, sagte Pistorius vor Pressevertretern in der Nähe der russischen Grenze: „Stichwort U-Boot, Stichwort Fregatte 127“ – auch darüber werde man noch bis morgen Mittag reden, sagte der Minister.

Deutschland plant, in der nächsten Dekade bis zu sechs Schiffe des Typs F127 zu beschaffen, die die Fregatten der Sachsen-Klasse ersetzen sollen und besonders auf die Luftverteidigung ausgelegt sein werden. Die zukünftigen Fregatten sollen auch für die Abwehr ballistischer Flugkörper ausgerichtet werden. Dafür wird die Beschaffung des Führungs- und Waffeneinsatzsystems (FüWes) Aegis von Lockheed Martin in den USA angestrebt. Außerdem wird gefordert, dass die Schiffe über eine sogenannte Maritime Precision Strike Capability – Long Range verfügen sollen. In anderen Marinen, wie denen der USA, Großbritanniens und zukünftig auch der Niederlande wird diese Fähigkeit mit Tomahawk-Marschflugkörpern abgebildet.

Norwegen verfügt gegenwärtig noch über vier Fregatten der Fridtjof-Nansen-Klasse, nachdem das fünfte Schiff, die Helge Ingstad, vor einigen Jahren nach einer Havarie abgewrackt wurde. Die Schiffe wurden Anfang der 2000er Jahre von der spanischen Staatswerft Navantia gebaut und nutzen bereits eine Version des Aegis-FüWes. Dem Vernehmen nach konnten sich die Spanier seinerzeit aufgrund des niedrigeren Angebotspreises gegen deutsche Werften als Auftragnehmer durchsetzen.

In einem im Sommer vergangenen Jahres publizierten Bericht mit Empfehlungen für die Zukunft der norwegischen Streitkräfte mit dem Titel „The Military Advice of the Chief of Defence 2023“, empfiehlt der höchste Soldat des Landes, General Eirik Kristoffersen, dass mindestens vier, idealerweise jedoch sechs neue Fregatten beschafft werden sollten. Die gegenwärtig genutzten Fregatten sollten im Gegenzug ausgemustert werden. Ein Fähigkeitsschwerpunkt der zukünftigen Schiffe sollte nach Vorstellungen des Generals die U-Boot-Jagd mit Hubschraubern und/oder unbemannten Systemen sein. Außerdem müssten die Schiffe seinen Ausführungen zufolge Bedrohungen aus der Luft und von See begegnen können.

In dem Bericht empfiehlt der General überdies, die Zahl der U-Boote von vier auf sechs zu erhöhen. Bisher ist geplant, dass Norwegen vier und Deutschland zwei identische U-Boote der Klasse 212 CD in ihre Marinen einführen. Die Boote werde bei thyssenkrupp Marine Systems (tkMS) in Kiel gebaut. Die Werft hat auch bereits einen Entwurf für die F127 gemacht.

Die Beschaffung von zwei weiteren U-Booten habe höhere Priorität als die Erhöhung der Zahl der Fregatten von vier auf sechs, heißt es in dem Bericht. „Eine erhöhte Zahl von U-Booten würde die operative Verfügbarkeit verdoppeln“, schreibt Kristoffersen zur Begründung. Unterseeboote seien im getauchten Zustand schwer zu entdecken, und in der kurzen bis mittelfristigen Perspektive sei keine Technologie bekannt, die dieses ändern könne.

Am Anfang seines Statements in Kirkenes hatte Pistorius zuvor davon gesprochen, dass man auch die Kooperation bei den U-Booten der Klasse 212 CD ausweiten möchte. Dies hänge allerdings davon ab, welche Finanzmittel die Parlamente bereitstellen. Man arbeite jedoch hart daran, so der Minister. Im Zielbild der Marine 2035, das im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, sind sechs bis neun U-Boote der Klasse 212 CD abgebildet.

Lars Hoffmann

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