Inspekteur des Heeres zieht positive Zwischenbilanz

Die Ausweitung des Sportanteils in der Grundausbildung scheint sowohl die Motivation als auch die Leistungsfähigkeit von Soldaten signifikant zu steigern. Das jedenfalls sind die ersten Erkenntnisse, die das Heer nach den sechs Wochen eines Praxistests mit einer veränderten Ausbildung beim Panzergrenadierbataillon  401 in Hagenow zieht.

Sollte die Auswertung dieses Pilotdurchgangs das positive Bild bestätigen, will  Heeresinspekteur Jörg Vollmer die neue Grundausbildung bis Sommer 2019 für das gesamte Heer einführen.  Wie der Generalleutnant am Mittwoch in Hagenow weiter ausführte, geht es darum, die unterschiedlichen Fitnessniveaus der Rekruten besser zu berücksichtigen und die physische Leistungsfähigkeit insbesondere der Schwächeren schnell zu steigern. „Wer einmal zu uns gekommen ist, den wollen wir auch halten“, betonte Vollmer. Nach Angaben des Heeres haben im Pilotprojekt mit 46 freiwillig Wehrdienstleistenden deutlich weniger Rekruten die Ausbildung abgebrochen als  gewöhnlich und auch die Zahl der Krankmeldungen falle niedriger aus.

Zur Fitnessausbildung gehört auch die Überwindung der Hindernisbahn in der Gruppe. Foto: lah

Aufgrund der in der Regel langen Verpflichtungszeit der Soldaten, seien Ausbildungsinhalte der Grundausbildung,  die zugunsten des Sports  entfallen, später ohne Probleme nachzuholen, erläuterte der Heeresinspekteur. Dazu zählt etwa das Schießen mit der Pistole.

Hintergrund der neuen Konzeption ist offenbar die Feststellung, dass Rekruten immer öfter die körperlichen Anforderungen an den Dienst nicht erfüllen. Die in dem Pilotvorhaben zu erprobende Grundausbildung mit einem um 60 Prozent erhöhten Sportanteil wird in zwei Blöcke von jeweils sechs Wochen untergliedert. In den ersten anderthalb Monaten steht laut Bundeswehr eine abwechslungsreiche Sportausbildung im Fokus, die überdies Spaß an der Bewegung vermitteln soll. Dabei werden die jungen Soldaten in mehrere Leistungsklassen eingeteilt, um das Training besser gestalten zu können.

In den zweiten anderthalb Monaten werden weiterhin körperlich fordernde Ausbildungsthemen vermittelt und gleichzeitig die Intensität der Sportausbildung reduziert, um eine Überforderung zu vermeiden. Dabei enthält das Training zahlreiche Elemente, die speziell auf die Anforderungen der militärischen Praxis zugeschnitten sind wie das Ziehen von Lasten oder das imaginäre Beladen eines Fahrzeugs. Begleitet wird das Projekt durch das Institut für Präventivmedizin und durch Sportlehrer der Bundeswehr-Sportschule in Warendorf.

Dem Vernehmen nach plant das Heer noch eine weitere Reform in Sachen Personal. Wie es heißt, sollen die gesonderten Ausbildungseinheiten für den Offiziersnachwuchs aufgelöst und die angehenden Führer wieder in ihren Stammtruppenteilen – zusammen mit allen anderen Rekruten – die Grundausbildung absolvieren. Auch im weiteren Verlauf ihrer Ausbildung soll die Verbindung zur und die Identifikation mit der eigenen Truppengattung gestärkt werden.
lah/18.7.2018