Nachdem Norwegen bereits Ende Mai der Rahmenvereinbarung über das multinationale Common Armoured Vehicle System (CAVS) beigetreten ist, hat das Land nun erste 6×6-Radpanzer beim finnischen Rüstungskonzern Patria bestellt. Wie aus einer Pressemitteilung von Patria hervorgeht, werden in einem ersten Schritt 20 Systeme in der Variante Führungspanzer beschafft.
Neben der Festbestellung der 20 Radpanzer enthält der geschlossene Vertrag auch die Lieferung von PROTECTOR RS4-Waffenstationen des norwegischen Rüstungskonzerns Kongsberg sowie damit verbundene Dienstleistungen in den Bereichen Support, Schulung und Ersatzteile. Die Vereinbarung beinhaltet zudem Optionen auf weitere 40 Führungspanzer und RS4-Waffenstationen. Die Auslieferung soll bereits 2026 beginnen.
„Die Beschaffung durch Norwegen ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung gemeinsamer Fähigkeiten im Bereich der gepanzerten Mobilität in den nordischen Ländern und in der gesamten CAVS-Gemeinschaft“, wird Jussi Järvinen, Executive Vice President des Geschäftsbereichs „Protected Mobility“ bei Patria, in der Mitteilung des Unternehmens zitiert. „Durch den Aufbau auf gemeinsamen Anforderungen, interoperablen Systemen und gemeinsamer Ausrüstung wie der Patria-6×6-Plattform und der RS4-Waffensystemkonfiguration können die teilnehmenden Länder die operative Zusammenarbeit verbessern, die Logistik vereinfachen und die Fähigkeiten über den gesamten Lebenszyklus hinweg effizienter aufrechterhalten. Für Norwegen und die nordischen Länder bietet CAVS einen konkreten Weg, die Verteidigungszusammenarbeit und die Versorgungssicherheit zu vertiefen und gleichzeitig schnell moderne Fähigkeiten bereitzustellen“, erklärt Järvinen weiter.
Als finnisch-lettisches Programm gestartet, entwickelt sich CAVS zunehmend zu einem europäischen Großprogramm. Neben Finnland und Lettland haben sich in den vergangenen Jahren auch Schweden, Deutschland, Dänemark und nun auch Norwegen für die Beschaffung der 6×6-Plattform entschieden. Zudem verhandelt Patria eigenen Angaben zufolge mit Großbritannien über einen Beitritt des Landes zum CAVS-Rahmenabkommen.
Im Rahmen des vom finnischen Rüstungskonzern Patria geleiteten CAVS-Programm wird ein gepanzertes 6×6-Fahrzeugsystem entwickelt. Patria verfügt nach eigenen Angaben über mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklung und Lieferung von geschützten Truppentransportern und der Systemintegration. Der überwiegende Teil der Herstellung der Fahrzeuge erfolge durch die Nutzung der lokalen Industriekapazitäten der CAVS-Mitgliedsländer, so das Unternehmen.
Transportpanzer CAVS 6×6
Der CAVS 6×6 leitet sich von einem dreiachsigen Radpanzer ab, den ursprünglich die finnische Firma Sisu produzierte. Dieses Fahrzeug wurde auch Patria XA genannt. Der neue Patria 6×6 weist den Angaben von Patria zufolge gegenüber seinem Vorgänger eine verbesserte Einzelradaufhängung, einen leistungsstärkeren Scania-Motor – je nach Ausführung mit 294 kW oder 325 kW Leistung – sowie Verbesserungen des elektrischen Systems auf. Das deutsche Unternehmen ZF liefert laut Patria das 7-Gang-Automatikgetriebe.
Die Ladekapazität beträgt 8,5 Tonnen. Der Patria 6×6 hat laut Hersteller ein maximales Gewicht von 24 Tonnen – das Schwimmgewicht soll bei 21 Tonnen liegen – und der Schutz entspricht STANAG 4569 Level 2, wobei auch ein höherer Schutz gemäß Level 4 bei Bedarf möglich sein soll.
Waldemar Geiger















