Der deutsche Panzerbauer KNDS Deutschland hat die ersten Radschützenpanzer des Typs Boxer RCT30 an die Streitkräfte des Emirats Katar ausgeliefert. Dies geht aus einer gestrigen Meldung von KNDS Deutschland auf der Plattform LinkedIn hervor.
„Im Zuge der Modernisierung der Amiri Land Forces setzt Katar erneut Maßstäbe am Golf und weltweit für radgestützte Schützenpanzer – diesmal mit dem deutschen Boxer RCT30, nachdem bereits der Kampfpanzer Leopard 2 eingeführt wurde“, schreibt der Panzerbauer.
Weitere Details wurden nicht bekanntgegeben, aus den veröffentlichten Bildern lässt sich jedoch schlussfolgern, dass mindestens drei Systeme übergeben wurde. Gut informierten Kreisen zufolge wurden insgesamt sechs Radschützenpanzer geliefert, vier weitere sollen in wenigen Monaten folgen.
Weder die Bundesrepublik Deutschland noch KNDS haben bis dato offizielle Angaben zu dem Boxer-Auftrag aus Katar getätigt. Der in München ansässige Panzerbauer hat lediglich im Zuge der Auftragsmeldung zur Lieferung des Radschützenpanzers Schakal – der auf dem Boxer RCT30 basiert – an die Bundeswehr und das niederländische Heer erklärt, dass sich der Nutzerkreis des RCT30 mit der Schakal-Bestellung auf vier Nationen erweitert. Neben Deutschland und der Niederlande wird das System derzeit an die Ukraine geliefert, hartpunkt berichtete. In der Ukraine soll das System unter der Bezeichnung „AiTO30 FDC“ (Radschützenpanzer RCT-30 mit mobiler Feuerleitstelle) als Kommandobegleitfahrzeug in Kombination mit den Radhaubitzen vom Typ RCH 155 eingesetzt werden. Früheren Angaben der Bundesregierung zufolge, sollen insgesamt 9 der Systeme an die Ukraine gehen.
Mit der gestrigen KNDS-Meldung ist es nun offiziell, dass es sich bei dem vierten Nutzer um Katar handelt. Ein Exponat des Radschützenpanzers Boxer RCT30 war zudem auf dem Stand der katarischen Streitkräfte während der Rüstungsmesse DIMDEX 2024 ausgestellt gewesen, hartpunkt berichtete. Dem Vernehmen nach sahen es Absprachen zwischen der damaligen Bundesregierung und Katar vor, dass das arabische Land Panzerhaubitzen 2000 sowie Flugabwehrkanonenpanzer Gepard an Deutschland zurückgibt, damit diese an die Ukraine geliefert werden können. Im Gegenzug dafür würde Katar Boxer vom Typ RCT30 und RCH 155 (Radhaubitze) erhalten. Einer auf der Webseite von Rheinmetall veröffentlichten Übersicht zufolge hat Katar insgesamt 22 Boxer-Systeme in zwei Varianten bestellt. Sollte es tatsächlich bei acht Radschützenpanzern bleiben, würde Katar 12 Radhaubitzen RCH 155 erhalten.
Boxer RCT30
Das Boxer RCT-30-Missionsmodul kombiniert einen unbemannten Maschinenkanonenturm von KNDS Deutschland mit dem einsatzbewährten Boxer-Fahrmodul von ARTEC – einem Joint Venture von Rheinmetall und KNDS Deutschland. Die Bewaffnung des Systems besteht aus einer stabilisierten MK 30-2/ABM-Maschinenkanone im Kaliber x 173 mm von Rheinmetall, die eine zielgenaue Bekämpfung von fahrenden Zielen aus dem Stand und aus der Fahrt ermöglicht.
Zudem bietet das Fahrzeug einen Kampfraum, in den bis zu sechs voll ausgerüstete Infanteristen Platz finden.
Ob die für Katar bestimmten Waffensysteme neben der Maschinenkanone auch über eine Panzerabwehrfähigkeit verfügen werden, ist nicht bekannt. Alle drei von KNDS publizierten Bilder zeigen die Fahrzeuge von der rechten Seite. Daher ist es nicht ersichtlich, ob die Systeme über integrierte Panzerabwehrlenkflugkörper verfügen werden. Auf den veröffentlichten Bildern ist zudem erkennbar, dass die Boxer über keine Aufnahme für das Selbstschutzsystem MUSS verfügen.
Waldemar Geiger















