Nachdem KNDS Deutschland bereits gestern den Auftragseingang für den Bau von 48 Boxer-Fahrzeugen für die Bundeswehr – 38 davon in der Variante „schweres geschütztes Sanitätsfahrzeug” sowie zehn Fahrschul-Boxern – gemeldet hat, teilt das Unternehmen heute den Auftragseingang für die Lieferung von Radschützenpanzern des Typs Schakal an das Deutsche Heer mit. Bei dem Auftrag handelt es sich um einen Unterauftrag der ARTEC GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland, welches die Rolle des Generalunternehmens bei Boxer-Beschaffungen einnimmt.
Die ARTEC selbst wurde bereits am 17. Oktober von der Europäischen Rüstungsorganisation OCCAR mit der Lieferung von 222 Radschützenpanzern des Typs Schakal beauftragt, hartpunkt berichtete. 150 der Systeme sind für die Bundeswehr vorgesehen, 72 für die niederländischen Streitkräfte. Der Vertrag soll dem Vernehmen nach zudem eine Option für bis zu 248 weitere Schakal-Radschützenpanzer (200 davon für Deutschland) enthalten. Die ersten Radschützenpanzer sollen ab Ende 2027 geliefert werden.
Mit der Bestellung des Schakals, der auf dem von KNDS Deutschland entwickelten Boxer RCT 30 basiert, erweitert sich der Nutzerkreis des RCT 30 KNDS zufolge auf vier Nationen. Neben Deutschland und der Niederlande wird das System derzeit an die Ukraine geliefert, hartpunkt berichtete. In der Ukraine soll das System unter der Bezeichnung „AiTO30 FDC“ (Radschützenpanzer RCT-30 mit mobiler Feuerleitstelle) als Kommandobegleitfahrzeug in Kombination mit den Radhaubitzen vom Typ RCH 155 eingesetzt werden. Früheren Angaben der Bundesregierung zufolge, sollen insgesamt 9 der Systeme an die Ukraine gehen. Bei dem vierten, nicht offiziell bestätigten Nutzer dürfte es sich um Katar handeln. Ein Exponat des Radschützenpanzers Boxer RCT 30 war beispielsweise auf dem Stand der katarischen Streitkräfte während der Rüstungsmesse DIMDEX 2024 ausgestellt gewesen, hartpunkt berichtete. Dem Vernehmen nach sahen es Absprachen zwischen der damaligen Bundesregierung und Katar vor, dass das arabische Land Panzerhaubitzen 2000 sowie Flugabwehrkanonenpanzer Gepard an Deutschland zurückgibt, damit diese an die Ukraine geliefert werden können. Im Gegenzug dafür würde Katar Boxer vom Typ RCT 30 und RCH 155 erhalten. Einer auf der Webseite von Rheinmetall veröffentlichten Übersicht zufolge hat Katar insgesamt 22 Boxer-Systeme in zwei Varianten bestellt.
Der von KNDS entwickelte Boxer RCT 30 wird dem Unternehmen zufolge das Rückgrat der neu aufgestellten „Mittleren Kräfte“ bilden. „Die Kombination aus dem erprobten und bereits bei sieben Nationen eingeführten Boxer und dem bewährten 30 Millimeter Turm vom Schützenpanzer Puma, ermöglichen dem „Schakal“ die Bekämpfung von beweglichen Zielen, auch aus der Fahrt heraus. Zudem ist der neue Radschützenpanzer zur Drohnen- und Fliegerabwehr befähigt“, schreibt das Unternehmen in einer heutigen Mitteilung. „Mit dem integrierten Panzerabwehrsystem MELLS (mehrrollenfähiges, leichtes Lenkflugkörpersystem) ist es dem Boxer RCT 30 möglich, auch Kampfpanzer erfolgreich zu bekämpfen. Die Absitzstärke von sechs Soldaten macht den „Schakal“ zum primären Waffensystem der Grenadiere der „Mittleren Kräfte““, heißt es in er Mitteilung weiter.
Waldemar Geiger


















