Vertrag für die Lieferung von 222 Radschützenpanzern Schakal unterschrieben

Waldemar Geiger

Anzeige

Die Bundesrepublik Deutschland und die Niederlande haben heute die ARTEC GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland, über die europäische Rüstungsagentur OCCAR mit der Entwicklung und Lieferung von 222 Radschützenpanzern des Typs Schakal beauftragt. Dies geht aus einer Mitteilung der OCCAR hervor. 150 der Systeme sind für die Bundeswehr vorgesehen, 72 für die niederländischen Streitkräfte. Der Vertrag soll dem Vernehmen nach zudem eine Option für bis zu 248 weitere Schakal-Radschützenpanzer (200 davon für Deutschland) enthalten.

Der Schakal, in Deutschland auch als „Radpanzer mittlere Kräfte“ bezeichnet, basiert auf dem von KNDS Deutschland entwickelten Waffensystem Boxer RCT30. Das Waffensystem kombiniert das Boxer-Fahrmodul – in der modernisierten Ausführung „Future Common Drive Module“ – mit einem Maschinenkanonen-Missionsmodul mit dem aus dem Schützenpanzer Puma bekannten unbemanntem Turm vom Typ RCT30. 

Anzeige

Der Haushaltsausschuss und der Verteidigungsausschuss des Bundestages billigten die für die Beschaffung notwendige 25-Mio-Vorlage bereits am Mittwoch, den 15. Oktober. Demnach beträgt der deutsche Kostenanteil für die Entwicklung sowie die Lieferung von 150 Schakal-Radschützenpanzer 3,4 Milliarden Euro. In dem Paket sind neben den Fahrzeugen auch Simulatoren, Ersatzteile sowie weitere Logistik- und Serviceleistung enthalten, die einen Großteil des Vertragsvolumens repräsentieren. Erste Serienfahrzeuge sollen der Bundeswehr ab Ende 2027 zulaufen. Die Lieferung der Folgesysteme soll bis 2031 andauern. Die Lieferung der ersten niederländischen Systeme ist wohl erst für Ende 2028 vorgesehen.

Anzeige

Der Schakal soll zukünftig das primäre Waffensystem der Grenadierverbände der neu aufgestellten Kräftekategorie „Mittlere Kräfte“ darstellen. Nach aktueller Bundeswehrstruktur sollen insgesamt zwei Verbände samt Schul- und Übungsorganisation mit dem Schakal ausgestattet werden. Beobachter gehen davon aus, dass zukünftig weitere Systeme dieses Typs für die Bundeswehr beschafft werden, nachdem die zukünftige Struktur des Heeres finalisiert wurde. Zudem müssen für den Aufbau einer Umlaufreserve zusätzliche Schakal-Radschützenpanzer gekauft werden.

Schakal

Die Bewaffnung des Systems besteht aus einer stabilisierten MK 30-2/ABM-Maschinenkanone im Kaliber x 173 mm von Rheinmetall, die eine zielgenaue Bekämpfung von fahrenden Zielen aus dem Stand und aus der Fahrt ermöglicht. Im Licht der zunehmenden Drohnenbedrohung und der damit notwenigen Drohnenabwehr, welche damit befassten Experten zufolge mehrschichtig aufgebaut sein muss, hat KNDS Deutschland den RCT30 weiterentwickelt, so dass dieser einen signifikanten Beitrag zum Selbstschutz des Fahrzeuges und der im Umkreis befindlichen Soldaten vor Kleinstdrohnen beitragen kann, hartpunkt berichtete. Gut informierten Kreisen zufolge sollen die Schakal-Serienfahrzeuge über genau diese Fähigkeit verfügen.

Die Panzerabwehrfähigkeit erfolgt mittels eines an der linken Turmseite angebrachten Werfers mit zwei Panzerabwehrlenkflugkörpern vom Typ MELLS (Spike LR/Spike LR2).

Absicht der deutschen Streitkräfte ist es dem Vernehmen nach, den Schakal mit einem Puma-Turm zu beschaffen, der dem Puma-Entwicklungsstand S1 weitgehend entspricht. Deshalb wird das Fahrzeug über ein leistungsstärkeres Softkill-Aktivschutzsystem MUSS 2.0 verfügen. Zudem wird es auch ein aus dem Schützenpanzer Puma bekanntes 360-Grad-Sichtsystem geben. Gefordert werden zudem zwei Heckluken.

Dem Vernehmen nach wird Schakal über einen Kampfraum mit einem dem Schützenpanzer Puma ähnlichen Raumvolumen verfügen. Das erlaubt es, dass die gesamte eingeführte Gruppenausrüstung in dem neuen Gefechtsfahrzeug Platz finden wird. Neben der Besatzung (Kraftfahrer, Kommandant und Richtschütze) bietet der Kampfraum Platz für sechs voll ausgerüstete Grenadiere. Im Gegensatz zum Puma wird der Radschützenpanzer aber über einen etwas engeren, dafür aber höheren Kampfraum verfügen. Damit wird es keine aus dem Schützenpanzer Puma bekannte Größeneinschränkung der Besatzung geben, so dass es weiterhin Verwendungsmöglichkeiten für Grenadiere mit preußischem Gardemaß innerhalb der Truppengattung geben wird.

Der zukünftige Radschützenpanzer Schakal wird zudem das erste Boxerfahrzeug der Bundeswehr sein, das auf dem sogenannten Future Common Drive Module aufgebaut wird. Wesensmerkmal des neuen Standard-Fahrmoduls, welches sehr stark an die UK-Variante angelehnt sein soll, wird die maximale Traglast von 40 Tonnen sein. Ursächlich für die höhere Nutzlast sind neue Reifen sowie Änderungen am Fahrwerk. Zudem wird es leichte Änderungen bei der Wanne geben, welche zukünftig über eine 6-Punkt-Lagerung für die Missionsmodule verfügen wird. Das derzeitige Boxer-Fahrmodul der Bundeswehr nutzt eine 4-Punkt-Lagerung. Es wird jedoch eine Abwärtskompatibilität geben, so dass das neue Fahrmodul auch Bestands-Missionsmodule aufnehmen kann.

Interessant in diesem Zusammenhang ist der Punkt, dass die Fahrmodule generell so ausgelegt sind, dass sie unterschiedliche MTU-Triebwerke – sowohl den „klassischen“ MTU-Dieselmotor 8V 199 TE20 mit 530 kW Leistung als auch den aus dem britischen Boxerprogramm stammenden MTU-Dieselmotor 8V 199 TS21 mit 600 kW Leistung – aufnehmen können. Die Interoperabilität geht soweit, dass im Gefecht sogar ein defektes TE20-Triebwerk gezogen und unverzüglich durch ein TS21-Triebwerk ersetzt werden könnte.

Waldemar Geiger