Die Bundeswehr beabsichtigt, im Rahmen des Vorhabens „Taktische Beweglichkeit Maritime Einsatzkräfte auf dem Wasser – Anteil Spezialkräfte Marine“, auch bekannt als Mehrzweckkampfboot Spezialkräfte mit großer Reichweite, die taktische Überwassermobilität des Kommandos Spezialkräfte der Marine zu stärken. Wie gut unterrichtete Kreise gegenüber hartpunkt übereinstimmend berichten, soll das 2017 aufgesetzte Vorhaben in Kürze finalisiert werden.
Dem Vernehmen nach wird erwartet, dass der Bundestag noch vor der Sommerpause eine sogenannte 25-Mio-Vorlage billigen wird, die die Beschaffung von insgesamt fünf Mehrzweckbooten mittels eines Regierungsgeschäftes mit den USA (Foreign Military Sales – FMS) erlauben würde. Für die Beschaffung der fünf Spezialkräfteboote des Typs Combatant Craft Medium (CCM) samt Zubehör und dazugehöriger Ausrüstung sind hartpunkt vorliegenden Informationen zufolge rund 100 Millionen Euro vorgesehen.
Bei dem Combatant Craft Medium handelt es sich um ein Spezialkräfteboot des US-Herstellers Vigor, das in enger Zusammenarbeit mit den Spezialkräften der US-Marine entwickelt wurde und sich seit Mitte der 2010er Jahre in der Nutzung der maritimen Spezialkräftekomponente der U.S. Navy (U.S. Navy SEALs) befindet. Medienberichten zufolge wurden die Boote zudem durch die maritimen Spezialkräfte Großbritanniens und Norwegens beschafft.
Das rund 18,5 Meter lange Mehrzweckspezialkräfteboot der 30-Tonnen-Klasse kann nach Angaben des Herstellers Spitzengeschwindigkeiten von etwa 52 Knoten (96 km/h) erreichen. Die Marschgeschwindigkeit wird mit rund 74 km/h angegeben. Das Boot soll zudem über eine Reichweite von 600 nautischen Meilen verfügen, was rund 1.100 Kilometern entspricht. Der Antrieb erfolgt über zwei 1.250 PS starke MTU-Dieselmotoren des Typs 8V2000 M94 mit zwei Oberflächenantrieben ZF SeaRex 120 S. Die strategische Verlegefähigkeit der Boote ist mittels einer Luftverladung in Transportflugzeugen wie der C-17 oder Antonov möglich. Zudem kann das Boot mittels Fallschirmen über dem Einsatzgebiet abgeworfen werden. Ob das Boot auch in einem A400M transportiert werden kann, ist aufgrund der Länge unklar.
Das Combatant Craft Medium gilt als ein besonders vielseitiges, maritimes Spezialkräfteverbringungsmittel. Die große Reichweite, hohe Geschwindigkeit und geringe Signatur (visuell und Radquerschnitt) und der Tiefgang von gerade mal etwa einem Meter ermöglichen eine große Einsatzbandbreite. Neben einer vierköpfigen Besatzung können die Boote bis zu 19 Spezialkräfte samt Ausrüstung – inklusive kleinerer Boote – aufnehmen und in die Einsätze verbringen.
In der US-Marine wird das Boot Medienberichten zufolge in der Variante Mk1 hauptsächlich für die In- und Exfiltration von Spezialkräften in Räumen geringer bis mittlerer Bedrohungslage eingesetzt. Das Combatant Craft Medium ist bewaffnungsfähig – generell besteht die Möglichkeit für die Aufnahme einer fernbedienbaren Waffenstation am Bug sowie Aufnahmen für schwere Maschinengewehre und Granatmaschinenwaffen am Heck – und eignet sich auch als Plattform für den Drohneneinsatz. Dabei können Aufklärungs- sowie Strike-Drohnen genutzt werden. Elektrooptische Sensoren, ein Radar sowie eine umfangreiche Navigations- und Kommunikationsuite vervollständigen die Missionsausstattung der Boote. Das Combatant Craft Medium ist daher auch in begrenztem Umfang als Feuerunterstützungsplattform bzw. zur Durchsetzung von Seeblockaden geeignet. Zudem werden die Boote auch für „Visit, Board, Search and Seizure“ (VBSS)-Operationen, also für das Aufsuchen, Boarden, Durchsuchen und Festsetzen – genutzt.
Im Rahmen der US-Spezialkräftemesse SOF Week 2026 kündigten Vertreter des „Program Executive Office-Maritime“ – einer für die Weiterentwicklung und Beschaffung von Marineausrüstung zuständigen Dienststelle des US-Spezialkräftekommandos – zudem an, dass eine Modernisierung der CCM-Boote auf den Rüststand MkII geplant sei, die noch dieses Jahr beginnen solle. US-Fachmedienberichten zufolge soll sich die Modernisierungsmaßnahme positiv auf die Nutzlast und Leistung der Boote auswirken. Zudem soll die Leistung der Kommunikationsarchitektur gesteigert und gleichzeitig Möglichkeiten der Automatisierung untersucht werden, die eine Reduzierung der Besatzungsstärke erlauben würde. Da es sich jedoch um ein in die Zukunft gerichtetes Entwicklungsvorhaben handelt, dürfte es sich bei der Beschaffung der CCM-Boote für das Kommando Spezialkräfte der Marine um die MkI-Variante der Boote handeln.
Waldemar Geiger

















