Der deutsche Drohnenspezialist Quantum Systems hat eine SAR-Nutzlast (Synthetic Aperture Radar) für die Aufklärungsdrohne Vector (in der Bundeswehr als FALKE eingeführt) entwickelt, die noch dieses Jahr an die Bundeswehr ausgeliefert werden soll. Dies bestätigte das Unternehmen auf Nachfrage von hartpunkt, weitere Details wollte ein Sprecher von Quantum Systems zum aktuellen Zeitpunkt nicht offenlegen. Es ist somit unklar, ob das Aufklärungsmodul, welches die luftgestützte Aufklärung auch in der Nacht sowie durch Wolken und Nebel hindurch erlaubt, durch die Bundeswehr nur für Erprobungs- oder auch Einsatzzwecke beschafft wurde.
Florian Seibel, der Co-Gründer und Co-CEO des Unternehmens, veröffentlichte heute auf der Plattform LinkedIn einen Beitrag, erste Bilder der für Aufklärungsdrohnen dieser Größe neuartigen Aufklärungsnutzlast. Seinem Beitrag zufolge ist die Nutzlast in eine spezielle Nasenkonus-Baugruppe integriert, die einfach mit der Standard-Aufklärungsnutzlast (Elektro-Optik) ausgetauscht werden kann. Neben der Vector soll die Nutzlast Seibel zufolge auch für die größere Aufklärungsdrohne Reliant zur Verfügung stehen.
Wie Seibel schreibt, wurde sowohl der SAR-Sensor als auch das damit in Verbindung stehende MOSAIC-Nachbearbeitungsmodul von Quantum Systems selbst entwickelt. Das Unternehmen hat im letzten Jahr in Rheinbach bei Bonn ein Forschungs- und Entwicklungsbüro eröffnet, indem die Expertise im Bereich HF- (Hochfrequenz) und Radarsensorik gebündelt weiterentwickelt werden sollte. Zuvor wurde eine strategische Partnerschaft mit dem Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) geschlossen, mit dem Ziel der Entwicklung und Integration hochmoderner Hochfrequenz- und Radarkomponenten in unbemannte Plattformen von Quantum Systems, hartpunkt berichtete. Das nun vorgestellte SAR-Nutzlastmodul für die Vector scheint ein Folgeprodukt dieser Partnerschaft zu sein.
Die Nutzung dieser Technologie ermögliche eine wetterunabhängige, hochauflösende Radar-Bildgebung. Solange die Windverhältnisse den Flug der Drohne zulassen, kann das System verwertbare Aufklärungsergebnisse generieren, auch bei Regen, Nebel, niedriger Wolkendecke oder tiefster Nacht.
„Das ist größer, als es aussieht!“, schreibt Seibel einleitend in seinem kurzen Beitrag und deutet damit offenbar an, dass die gezeigte Technologie einen größeren Einfluss auf den Einsatz luftgestützter Aufklärungsfähigkeiten haben könnte, als es auf den ersten Blick erscheint.
Die fehlende Fähigkeit von luftgestützten unbemannten Systemen bei niedriger Wolkendecke und Regen Aufklärungsergebnisse zu generieren, gilt aktuell als eine der wesentlichen Fähigkeitslücken von Aufklärungsdrohnen. Die Nutzung der SAR-Technologie soll diese Fähigkeitslücke offenbar schließen und so einen wetterunabhängigeren Einsatz der Systeme ermöglichen. Selbst wenn Strike-Drohnen bei dem beschriebenen Wetter weiterhin nicht fliegen könnten, könnten die SAR-Systeme Aufklärungsergebnisse liefern die für den Einsatz klassischer Feuerunterstützungsmittel genutzt werden könnte.
Die Frage, ob das durch das SAR-Modul gewonnenen Aufklärungsbild in Echtzeit berechnet wird oder auch für die bildgebundene GNSS-unabhängige Navigation genutzt werden kann, wollte das Unternehmen zum aktuellen Zeitpunkt nicht beantworten. Ebenso die Frage, ob sich die Nutzung des Systems auf die Flug- bzw. Stehzeit der Drohne auswirkt.
Waldemar Geiger


















