Australische Rüstungsstrategie 2026 – Viel Geld für Atom-U-Boote, Fregatten und Infrastruktur

Alexander Luck

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Die australische Regierung hat am 17. April die im Zweijahres-Abstand erscheinende Nationale Verteidigungsstrategie (National Defence Strategy oder NDS) veröffentlicht sowie das dazugehörige integrierte Investitionsprogramm (Integrated Investment Program, kurz IIP). Die Veröffentlichung erfolgt vor dem Hintergrund des anhaltenden Konfliktes im Nahen Osten zwischen den Vereinigten Staaten und Iran und einer sich verändernden nationalen Sicherheitsstrategie der USA in Regionen, die Australien und den indo-pazifischen Raum direkt betreffen.

Die NDS vermittelt die Perspektive der australischen Regierung auf das wahrgenommene globale strategische Umfeld. Die Veröffentlichung signalisiert umfassende politische Maßnahmen und öffentliche Ausgaben, die Canberra über ein Jahrzehnt umzusetzen beabsichtigt. Der „Whole-of-Government“-Ansatz umfasst auch zivile Vorsorge, Ressourcensicherheit und Industriepolitik. Das IIP legt detailliert die relevanten Ausgaben für die Verteidigung dar, sowohl beabsichtigte als auch genehmigte, und ergänzt damit die politischen Punkte der NDS.

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Für die australische Marine beinhalten die diesjährigen NDS- und IIP-Ausgaben keine drastischen Änderungen im Vergleich zu den 2024 veröffentlichten Versionen. Das NDS erkennt den strategischen Wettbewerb zwischen China und den Vereinigten Staaten als einen wesentlichen Faktor in der australischen Sicherheitsumgebung an. Im Vergleich zu 2024 verzeichnen einige Vorhaben jedoch substanzielle Ausgabensteigerungen. Gleichzeitig scheinen Nischenfähigkeiten, insbesondere die Minenkriegsführung, bei den finanziellen Prioritäten in den Hintergrund getreten zu sein.

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AUKUS steht in beiden Papieren im Mittelpunkt. Der Großteil der Ausgaben für Beschaffungen fließt erwartungsgemäß in den sogenannten Pillar 1 des Programms, den Kauf von nuklear angetriebenen U-Booten für die australische Marine.

Bemerkenswert ist, dass Canberra die Gesamtausgaben für Verteidigung bis zum Haushaltsjahr 2035 von derzeit etwa 55,7 Milliarden A$ (34 Milliarden Euro) auf etwa 120 Milliarden A$ (73 Milliarden Euro) mehr als verdoppeln will. Ausgaben für Beschaffungen sollen anteilsmäßig deutlich erhöht werden. Derzeit macht dieser Posten ein Drittel des Gesamtbudgets aus. Bis zum Haushaltsjahr 2035 wird dieser Anteil auf fast die Hälfte der gesamten Verteidigungsausgaben steigen.

Im Gegensatz dazu wird erwartet, dass die Instandhaltung langsamer zunimmt, im Einklang mit einer moderneren Flotte. Inwieweit die Realität diesen Erwartungen gerecht wird, bleibt allerdings abzuwarten. Die Regierung geht zudem davon aus, dass die Personalkosten nur sehr moderat wachsen werden. Diese Einschätzung erscheint bemerkenswert angesichts bestehender und absehbarer Rekrutierungsprobleme. Darüber hinaus scheint der Bedarf an einer erheblichen Aufstockung qualifizierten Personals zur Bedienung neuer Fähigkeiten die Personalausgaben weiter nach oben zu treiben.

Prognose und Aufteilung Verteidigungsausgaben Australiens über die nächsten zehn Jahre
Prognose und Aufteilung Verteidigungsausgaben Australiens über die nächsten zehn Jahre. (Bild: Australian Government)

Viel Geld für U-Boote und Fregatten

Das IIP weist im Vergleich zur vorherigen Version von 2024 für den Zeitraum 2024 bis 2033 erhebliche Erhöhungen der geplanten Investitionen in nuklearbetriebene U-Boote im Rahmen von AUKUS Pillar 1 sowie in die neuen Mehrzweckfregatten unter dem Titel SEA 3000 für die Haushaltsjahre 2026 bis 2035 auf. Die gesamten geplanten und genehmigten Investitionen in nuklearbetriebene U-Boote sollen auf 71 bis 96 Milliarden A$ (43 bis 59 Milliarden Euro) steigen, verglichen mit der IIP-2024-Spanne von 53 bis 63 Milliarden A$ (32 bis 38 Milliarden Euro).

Die Ausgaben für die Mehrzweckfregatten, die nun mit Japan für die „Upgraded Mogami“ oder „06FFM“, vertraglich vereinbart sind, werden von zuvor angegebenen etwa 7 bis 10 Milliarden A$ (4 bis Milliarden Euro) bis zum Haushaltsjahr 2033 auf 15 bis 20 Milliarden A$ (9 bis 12 Milliarden Euro) bis Ende des Haushaltsjahres 2035 steigen. Die Pressemitteilung des Verteidigungsministers, die die „Festschreibung“ der Verträge für die ersten drei „Upgraded Mogami“, die in Japan gebaut werden sollen, ankündigt, nennt keinen Vertragswert.

Australische Medien berichten derweil, dass der ursprünglich kommunizierte Betrag nun den Kauf der ersten drei Fregatten abdeckt, zusätzlich zu nicht näher definierten „damit verbundenen Vorabkosten“ für das Programm. Die australische Regierung hat bisher keine Aufschlüsselung der Kosten in offiziellen Mitteilungen vorgelegt. In jedem Fall bleibt der Gesamtwert für das gesamte Vorhaben im Rahmen von SEA 3000 bis auf weiteres öffentlich unbekannt.

Ein weiteres Vorhaben, das einen großen Teil des Marinebudgets beansprucht, ist das Collins-Lebensdauerverlängerungsprogramm, auch bekannt als LOTE („life of type extension“). Trotz Reduzierung der zuvor ambitionierteren Modernisierung der Collins-U-Boote im Zuge der eingestellten Beschaffung der Attack-Klasse werden die finanziellen Verpflichtungen, um die alternden U-Boote bis in die 2040er Jahre im Dienst zu halten, von 4 bis 5 Milliarden A$ (2,4 bis 3 Milliarden Euro) im IIP 2024 auf nun 7,8 bis 11 Milliarden A$ (4,7 bis 6,7 Milliarden Euro) steigen. Die Collins-Boote hatten zuletzt mediale Aufmerksamkeit aufgrund unerwartet erhöhten Verschleißes erregt, einschließlich Korrosionsproblemen an mehreren Booten.

Drohnen großes Gesprächsthema, aber geringer Ausgaben-Posten

Im Vorfeld der Veröffentlichung des diesjährigen NDS und IIP betonte Verteidigungsminister Richard Marles die Absicht der Regierung, einen größeren Teil der Ausgaben unbemannten Fähigkeiten zu widmen. Im maritimen Bereich betrifft dies das „Ghost Shark“-Projekt von Anduril für eine „übergroße“ Unterwasserdrohne sowie das ebenfalls große UUV Speartooth von C2 Robotics. Das MQ-28A Ghost Bat UCAV, hartpunkt berichtete, ergänzt diese Bemühungen im Luftfahrtsektor.

Dennoch soll der Aufwand für „Unterwasserkriegsführung und unbemannte maritime Systeme“, eine Sammel-Kategorie für Drohnen und Unterwasser-Logistik von zuvor veranschlagten 5,2 bis 7,2 Milliarden A$ (3,2 bis 4,4 Milliarden Euro) auf etwa 4,8 bis 5,8 Milliarden A$ (3 bis 3,5 Milliarden Euro) leicht sinken. Die Regierung kommuniziert weiterhin die Absicht, ein „Large Optionally Crewed Surface Vessel“, also eine große Überwasser-Drohne zu beschaffen. Das LUSV ist im Wesentlichen eine Drohne, die als mobiles Magazin für Flugkörper zur Ergänzung der Überwasserstreitkräfte konzipiert ist. Allerdings befindet sich die ursprüngliche Vorlage für dieses Vorhaben, das amerikanische LUSV-Programm, weiterhin in der Schwebe, nachdem die Entwicklung sowohl mittlerer als auch großer unbemannter Systeme in den Vereinigten Staaten mehrfach umstrukturiert wurde. Dementsprechend sind die australischen Budgetprognosen, faktisch ein Platzhalter, von maximal 500 Millionen A$ (300 Millionen Euro) auf nunmehr 300 Millionen A$ (unter 200 Millionen Euro) gesunken.

Kein weiteres Geld für die Bekämpfung von Seeminen

In der Zwischenzeit hat der jüngste Konflikt im Nahen Osten im Zuge des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran erneut die Bedrohung durch Minenkriegführung sowohl für militärische Operationen als auch für die globale Wirtschaft unterstrichen. Daher ist es interessant festzustellen, dass die australische Regierung weiterhin keine zusätzlichen Ausgaben zur Wiederherstellung der veralteten Minenabwehrfähigkeiten der Royal Australian Navy (RAN) plant. RAN-Offizielle haben klargestellt, dass sie die Wiederherstellung von Minenkampf-Fähigkeiten angesichts anderer budgetärer Prioritäten nicht als vorrangig betrachten.

Folglich weist das IIP 2026 auf die Relevanz der Minenkriegführung hin und bekräftigt bereits bestehende Bemühungen, im Rahmen von SEA 1778 Phase 1 verlegbare Minenabwehrausrüstung zu beschaffen sowie neue „intelligente“ Seeminen vom europäischen Anbieter RWM Italia einzuführen. Diese Ausgaben sind allerdings bereits getätigt, und die entsprechende Beschaffung dieser quantitativ sehr begrenzt einsetzbaren Mittel ist seit etwa zwei Jahren abgeschlossen.

Schiffsbau und Marine-Infrastruktur mit hohen Zuwendungen

Auch die Infrastruktur der australischen Marine wird im Rahmen der staatlichen Bemühungen zur Entwicklung des „Henderson Defence Precinct“ in Western Australia erhebliche Investitionen erhalten. Wie im IIP dargelegt, plant Canberra, in den nächsten zehn Jahren 25 Milliarden A$ (über 15 Milliarden Euro) auszugeben. In einem ersten Schritt sollen Ausgaben von 12 Milliarden A$ (über sieben Milliarden Euro) in Fähigkeiten zum Bau amphibischer Schiffe, die Wartung von Überwasserkampfschiffen sowie den Ausbau von Einrichtungen für die U-Boot-Wartung unterstützen, einschließlich eines neuen Trockendocks.

Henderson, ein Vorort von Perth und angrenzend an die Fleet Base West in HMAS Stirling, beherbergt den Großteil der in Western Australia verfügbaren Kapazitäten für den Schiffbau und die Wartung von Marineeinheiten. Von besonderer Bedeutung ist der im Bezirk ansässige Schiffbauer Austal, den die australische Regierung im vergangenen Jahr in vertraglichen Vereinbarungen zum „Strategischen Schiffbauer“ ernannt hat. Folglich hat das Unternehmen nun die Entwicklung und den Bau von zwei neuen Typen amphibischer Fahrzeuge im Rahmen der LCM- und LCH-Projekte übernommen. Darüber hinaus beabsichtigt Austal, im Rahmen von SEA 3000 bis zu acht der japanischen „Upgraded Mogami“-Fregatten zu bauen. Anschließend strebt die Werft an, sechs LUSV zu produzieren, abhängig von der internationalen Abstimmung in dieser Hinsicht, wie oben erwähnt.

Australische Marine als großer Gewinner bei Beschaffung weitreichender Flugkörper

Nicht zuletzt ist die Royal Australian Navy unter den drei Teilstreitkräften hinsichtlich Ausgaben zu weitreichenden See- und Landzielfähigkeiten für die Australian Defence Force (ADF) der klare Gewinner bei den Budgetzuweisungen. Die RAN soll 17 Milliarden A$ (mehr als zehn Milliarden Euro) über die nächsten zehn Jahre erhalten, um Tomahawk- Marschflugkörper und NSM-Seezielflugkörper zu beschaffen. Auch Käufe erheblicher Vorräte an SM-2- und SM-6-Flugkörpern für die Lenkwaffenzerstörer der Hobart-Klasse und die Fregatten der Hunter-Klasse entfallen auf dieses Segment. Im Vergleich dazu erhält die Royal Australian Air Force auf Platz Zwei lediglich 1,5 Milliarden A$ (etwa 900 Millionen Euro) für luftgestützte Land- und Seeziel- sowie Hyperschallfähigkeiten. Diese Zuweisung ist deutlich niedriger als die 7 Milliarden A$ (über 4 Milliarden Euro), welche in der Planung von vor zwei Jahren für diesen Zweck vorgesehen waren.

Fazit

Abschließend bleibt zu bemerken, dass die neuesten Versionen der australischen Nationalen Verteidigungsstrategie und des integrierten Investitions-Programms nur wenige strategische Änderungen bei den Finanzierungsprioritäten für die australischen Streitkräfte enthalten. Beide Dokumente zeigen jedoch den starken Aufwärtstrend bei den Haushaltsverpflichtungen Canberras sowie die damit verbundenen Spannungen bei der Abwägung von Ausgabenprioritäten. Die australische Regierung setzt weiterhin darauf, verschiedene Zielsetzungen zu verwirklichen, besonders im Bereich unbemannter Systeme. Dennoch wird es eine Herausforderung bleiben, die Ausgaben zur Deckung eines schnell wachsenden Beschaffungsfeldes fast zu verdoppeln, die künftigen Regierungen in Canberra noch viel Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien.