Wie hartpunkt kürzlich berichtete, beabsichtigt Rheinmetall, in einer strategischen Partnerschaft mit Boeing Australia die Kampfdrohne MQ-28A Ghost Bat der Bundeswehr für deren Bedarf an sogenannten Collaborative Combat Aircraft (CCA), teils auch als „Loyal Wingman“ benannt, anzubieten. Der folgende Artikel beleuchtet die Historie dieser Kampfdrohne und wirft einen Blick auf den gegenwärtigen und absehbaren Stand der Entwicklung der MQ-28A in Australien.
Die Ghost Bat, benannt nach der in Australien vorkommenden Gespenstfledermaus, ist eine der wenigen Kampfdrohnen, die bereits seit mehreren Jahren gezielt für flexible Einsätze im intensiven Gefecht entwickelt wird. Im Gegensatz zu bereits seit Jahrzehnten im Einsatz befindlichen MALE-Drohnen (Medium Altitude Long Endurance), wie etwa der Reaper oder Predator aus US-Produktion, oder Heron-Varianten aus Israel, zeichnen sich derartige Systeme durch höhere Leistungs- und Überlebensfähigkeit aus. Dazu zählt generell die Ausstattung mit einem Strahltriebwerk für Geschwindigkeiten im hohen Unterschallbereich sowie ein erhebliches Maß an Signaturreduzierung, also „Stealth“, gegen Erfassung durch Radar- und elektro-optische Sensoren.
Bemerkenswert an der MQ-28 ist weiterhin, dass die Initiative zur Entwicklung anders als oft üblich nicht aus den USA kam, sondern von der australischen Regierung. Die Motivation begründet sich durch ein Bestreben, die heimische Rüstungsindustrie zu fördern und die australischen Streitkräfte zu befähigen, ein höheres Maß an lokaler Technologiekompetenz für den Kampf im hochintensiven Gefecht zu nutzen. Zudem sieht sich auch Canberra erheblichem Druck ausgesetzt, steigende Kosten bei hochkomplexen bemannten Systemen, etwa der F-35, durch Investitionen in preiswertere unbemannte Fähigkeiten abzufedern. Das angestrebte Ziel besteht darin, Waffensysteme wie die Ghost Bat als „Force Multiplier“ bemannter Systeme wie der F-35, F/A-18E/F Super Hornet oder F/A-18G Growler sowie koordinierenden und Hochwerteinheiten wie der E-7 Wedgetail beizustellen.
Historische Betrachtung
Die Entwicklung von der MQ-28 Ghost Bat begann 2018, ausgeführt durch Boeing Australia in Zusammenarbeit mit der australischen Luftwaffe (RAAF). Ein erstes Mockup des Entwurfs, damals noch als Airpower Teaming System (ATS), und alternativ als „Loyal Wingman“ bezeichnet, erschien auf der „Australian International Airshow“, auch bekannt als Avalon Airshow, in Melbourne am 26. Februar 2019. Australien bestellte in der Folge drei Prototypen, von denen der erste seinen „Rollout“ im Mai 2020, also nur wenig mehr als ein Jahr später, erfuhr.
Die Fertigung erfolgt bisher in einer hochautomatisierten Einrichtung in Melbourne, Victoria. Beteiligt an der Entwicklung und Produktion sind neben Boeing Australia auch BAE Systems Australia, RUAG Australia sowie mehr als 35 weitere kleinere und mittelständische lokale Unternehmen. Der Anteil australischer Technologie in der Fertigung von ATS wurde zu jener Zeit seitens offizieller Kreise mit etwa 70 Prozent beziffert. Der Erstflug von ATS erfolgte am 27. Februar 2021 von der RAAF-Luftwaffenbasis Woomera in South Australia.
Einen Monat später gab Boeing bekannt, dass Australien drei weitere Prototypen in Auftrag gegeben hatte und im November 2021 begann die Fertigung des fünften Flugzeugs. Am 21. März 2022 gab Australien die offizielle Benennung von ATS als MQ-28A Ghost Bat bekannt. Wenige Monate zuvor hatte der Premier von Queensland darüber informiert, dass eine zweite Fertigungseinrichtung in Toowoomba, etwa 100 km entfernt von Brisbane, zur weiteren Entwicklung und Produktion der Ghost Bat beitragen werde. In den nächsten drei Jahren erfuhr die MQ-28A schrittweise Verbesserungen, die in zwei Produktionsstandards resultierten. Nach insgesamt acht von Australien bestellten Systemen in der „Block I“-Konfiguration folgten drei weitere Muster in „Block II“-Ausstattung, deren Finanzierung 2024 bewilligt wurde.
Die Vereinigten Staaten erprobten seit 2023 ein Exemplar im Rahmen des Bedarfs für die US-Streitkräfte von der Naval Air Station Point Mugu, Kalifornien. Allerdings entschloss sich die US-Luftwaffe in der Folge zunächst, die unmittelbare Entwicklung auf Konkurrenzmodelle von Anduril und General Atomics (GA-ASI) zu beschränken. Im Gegensatz hierzu nimmt die U.S. Navy weiterhin an der Entwicklung von MQ-28A teil und hat zu diesem Zweck eine dauerhafte Präsenz in Australien.
Im Dezember 2025 erfolgte der nächste Meilenstein: Ein Muster der MQ-28A Block I verwendete eine Luft-Luft-Rakete AIM-120 AMRAAM im scharfen Schuss, um eine „Phoenix Jet“-Zieldarstellungsdrohne zu zerstören. Im Rahmen dieses Erfolgs gab das australische Verteidigungsministerium bekannt, weitere 1,4 Milliarden A$, etwa 850 Millionen Euro, in die Entwicklung der Ghost Bat zu investieren. Diese Summe dient dazu, sechs weitere MQ-28A Block II zu erwerben, sowie die Entwicklung der erheblich veränderten Block-III-Variante zu finanzieren.
Damit wächst die australische Ghost Bat-Flotte auf 18 Systeme, davon acht in Block I, neun in Block II und eines in der Block III-Konfiguration. Die Gesamtinvestitionen einschließlich der jüngsten Ankündigungen durch Australien in die gesamte Entwicklung von MQ-28A belaufen sich bisher auf schätzungsweise 3,4 Milliarden A$, also etwas über zwei Milliarden Euro. Die in der Erprobung befindliche MQ-28A-Flotte hatte gegen Ende 2025 mehr als 150 Flugstunden absolviert. Boeing Australia hat zusätzlich etwa 20.000 Flugstunden für die virtuelle Erprobung des „digitalen Zwillings“ verbucht.
Technischer Überblick
Viele technische Details zur MQ-28A bleiben weiterhin vertraulich, weswegen exakte Angaben zu einzelnen Spezifikationen in Medienberichten mit Vorsicht zu bewerten sind. Selbst üblicherweise triviale Details wie der Typ des Triebwerks sind offiziell bisher nicht bestätigt. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass die Ghost Bat zum Antrieb eine Variante des FJ-44 Strahltriebwerks verwendet. Dieses Muster hat sich aufgrund seiner kompakten Dimensionen und relative hohen Leistungsfähigkeit als Standard für leichte Business Jets, militärische Trainer und in jüngerer Zeit auch verschiedene Drohnen etabliert, einschließlich des YFQ-44 CCA von Anduril.
Wie bemerkt, unterteilt sich die Entwicklung der MQ-28A bisher in drei Phasen oder Blocks. Block I repräsentiert die Prototyp- und Demonstrator-Konfiguration. Grundsätzliche technische Daten dieser Variante sind eine Länge von 11,7 Metern, eine Spannweite von 7,3 Metern und eine Masse von knapp 3,2 Tonnen. Boeing benennt die Reichweite mit mehr als 2.000 nautischen Meilen, was mehr als 3.700 km entspricht. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt Mach 0,9, und die Dienstgipfelhöhe liegt bei mehr als 12.000 Metern.
Die Block-II-Variante stellt die einsatzbereite Version dar, die sich äußerlich nur gering von Block I unterscheidet. Eine wesentliche Neuerung ist ein konventionellerer Flügel, im Unterschied zu dem „Dogtooth“-Winkel in der Konfiguration von Block I.
Typisch für die Ghost Bat ist die modulare Nase, die verschiedene Sensor- und Kommunikationssysteme in einer wechselbaren Bucht mit einem Volumen von 1,5 m³ verbauen kann. Boeing Australia hat bisher fünf verschiedene Baugruppen in der Entwicklung, einschließlich eines Pakets zur elektronischen Kampfführung und vier nicht näher erläuterten Sensor-Systemen.
Weder Block-I- noch Block II-Varianten besitzen einen internen Waffenschacht. Allerdings werden die Serien-Muster im Gegensatz zu den Prototypen über zwei interne Waffenschächte verfügen. Pro Waffenschacht kann ein Luft-Luft-Flugkörper AMRAAM oder zwei 250-Pfund-Gleitbomben des Typs Small Diameter Bomb II aufgenommen werden.
Der scharfe Schuss von einem Block-I-Muster Ende vergangenen Jahres erfolgte mittels eines extern verbauten Waffenträgers in der Position des Waffenschachts. Ebenso war dieses Muster nicht dazu befähigt, das Ziel mit bordeigenen Sensoren zu erfassen, sondern verwendete hierzu einen Datenlink im Verbund mit einer RAAF F/A-18F Super Hornet, wobei die MQ-28A von einer E-7 Wedgetail geführt wurde.
Die bisher noch in der Entwicklung befindliche Block-III-Variante wird im Gegensatz zu den Vorgängern erhebliche technische Veränderungen aufweisen. Dazu zählen vergrößerte Tragflächen, welche die Spannweite um insgesamt sechs Meter erhöhen. Der Zuwachs begründet sich durch die RAAF-Anforderung, die Treibstoff-Kapazität um ein Drittel zu erhöhen, was sich laut Boeing Australia in einer „bedeutsamen“ Reichweiten-Erhöhung niederschlägt.
Block III wird darüber hinaus von Beginn an zei interne Waffenschächte mit je einer Aufnahmekapazität einer AIM-120 AMRAAM oder alternativ zweier GBU-39/B Small Diameter Bombs (SDB) bieten. Boeing Australia beabsichtigt, beginnend mit Block III die MQ-28A international zu vermarkten. Dies suggeriert, dass die von der Bundeswehr verfolgte Konfiguration auf Block III basieren könnte.
Im Kontext der globalen Vermarktung weist Boeing auch darauf hin, dass die MQ-28 in einer ITAR-freien Konfiguration verfügbar sein wird. Wie unkompliziert, d.h. ohne dramatische Mehrkosten, notwendige Veränderungen realisierbar sind, bleibt allerdings bisher unklar.
Australien beabsichtigt, ab 2028 die MQ-28A in der Version Block III zu produzieren. Wie angedeutet, deckt sich dies mit kommunizierten Plänen seitens Rheinmetalls, mit Boeing Australia ein entsprechendes Muster für den Bedarf der Luftwaffe ab 2029 bereitstellen zu können.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Entwicklung der MQ-28A Ghost Bat repräsentativ für den generellen Charakter von CCA oder „Loyal Wingman“-artigen Kampfdrohnen auf dem derzeitigen Stand der Technologie und operativen Konzeption ist. In einigen Aspekten, insbesondere der generellen Technologie-Reife, darf das Programm durchaus als Vorreiter bezeichnet werden. Ghost Bat hat durch seine zügige Entwicklungsgeschichte auch bewiesen, dass erste Resultate, einschließlich des Einsatzes von Waffensystemen durchaus schnell und vergleichsweise preiswert verwirklichbar sind, eine in jüngeren Zeiten keineswegs selbstverständliche Dynamik.
Der evolutionäre Ansatz mit komplexeren und teureren Varianten unterstreicht allerdings auch, dass die gängige Vorstellung von Kampfdrohnen als günstigen und massenhaft einsatzfähigen Waffensystemen, bei denen höhere Verluste als bei bemannten Systemen hinnehmbar sind, hinterfragt werden sollte.
Ebenso wie andere Vorhaben, beispielsweise CCA in den Vereinigten Staaten, wird die MQ-28A weiterhin unter erheblichem Druck stehen, Leistungsvorstellungen der interessierten Luftwaffen gerecht zu werden. Gleichzeitig dürfte keinem derartigen Drohnen-Programm daran gelegen sein, durch weiter steigende Entwicklungs- und Produktionskosten Verdrängungseffekte in den Haushaltsplanungen der betroffenen Staaten zu riskieren.
Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien.

















