Die Bundeswehr hat die beiden Nachweismuster des Pionierpanzers 3 Kodiak von Rheinmetall erhalten, mit denen nun eine amtsseitige Erprobung an den Wehrtechnischen Dienststellen durchgeführt wird. Dies bestätigte das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw auf Nachfrage von hartpunkt.
Einem Sprecher des BAAINBw zufolge wurden zwei Nachweismuster Ende August 2026 an die Bundeswehr übergeben. Er bestätigt zudem die hartpunkt vorliegende Information, wonach die Kodiaks anders als geplant nicht mit der von Rheinmetall entwickelten Waffenstation Natter ausgestattet sind. „Die Feststellung hinsichtlich der Waffenstationskonfiguration ist zutreffend. Aufgrund von aktuell laufenden Verhandlungen können jedoch zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben getätigt werden“, erklärte der BAAINBw-Sprecher gegenüber hartpunkt. Auch Rheinmetall wollte sich auf Anfrage aus vergaberechtlichen Gründen nicht zu dem Sachverhalt äußern.
Beobachter halten es nicht für ausgeschlossen, dass die Pionierpanzer nun mit anderen Waffenstationen in die Bundeswehr eingeführt werden könnten. Dabei dürften in die deutschen Streitkräfte eingeführte Systeme die naheliegendste Alternative darstellen. Neben der „Fernbedienbaren Leichten Waffenstation 200“ (FLW 200) von KNDS Deutschland dürfte sich auch die Protector RS4 von Kongsberg grundsätzlich für die geforderte Aufgabe eignen. Beide Waffenstationen sind in der Bundeswehr eingeführt, zur Aufnahme von schweren Maschinengewehren sowie Granatmaschinenwaffen geeignet und nachweislich auch auf schweren Kettenplattformen integriert. Die Protector RS4 kommt beispielsweise beim US-Kampfpanzer Abrams zum Einsatz, die FLW 200 beim Kampfpanzer Leopard 2 A7+, jener Variante, die Katar beschafft hat.
Auf die Frage nach den Gründen für den Beginn der Kodiak-Einsatzprüfung ohne die Natter sowie nach einer möglichen Betrachtung alternativer Waffenstationen und eventuell entstehenden Zusatzkosten sowie Verzögerungen wollte das BAAINBw aus „Gründen der militärischen Sicherheit und vertragsrechtlicher Vorgaben“ nicht antworten.
Pionierpanzer 3 Kodiak
Rheinmetall hat den Kodiak früheren Angaben zufolge ab dem Jahr 2002 nach den Forderungen der Schweizer Armee und zusammen mit dem schweizerischen Unternehmen RUAG entwickelt. Mittlerweile haben neben der Schweiz auch die Niederlande, Schweden sowie Singapur den Panzer eingeführt.
Wesentliche Merkmale des Kodiak sind eine Baggeranlage in Mittelposition, zwei Spillwinden mit je neun Tonnen Zuglast – mittels Umlenkrollen können die Winden den Angaben zufolge ein Gewicht von mehr als 60 Tonnen ziehen – sowie ein großes Räumschild. Alternativ zur Baggerschaufel kann der von Rheinmetall selbst entwickelte Knickarm auch andere Werkzeuge wie eine Greifzange oder einen Beton-Zertrümmerer aufnehmen. Im Einsatz sind diese Werkzeuge auch unter Schutz wechselbar. Während die niederländischen Streitkräfte die Werkzeuge auf einem Lkw nachführen, verstauen die schwedischen Kodiaks ihre auf dem Fahrzeugheck.
Die Hydraulikkomponenten des Kodiak, die mit bis zu 350 bar Druck arbeiten, hat der Düsseldorfer Rüstungskonzern eigenen Angaben zufolge selbst entwickelt.
Laut Hersteller ist der Knickarmbagger des Kodiak in der Lage, pro Stunde rund 200 Kubikmeter schweres Erdreich zu bewegen. Mit dem Ausleger können demnach Lasten von rund 3,5 Tonnen bei einer maximalen Reichweite von neun Metern angehoben werden. Das Räumschild ist im Schnitt- und Neigungswinkel verstellbar. Die niederländischen Streitkräfte haben überdies die Option, statt des Räumschildes einen Minenpflug zu adaptieren.
Historie der Beschaffung
Die Veröffentlichung des Teilnahmewettbewerbs zur Beschaffung von 44 Gepanzerten Pioniermaschinen durch das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw erfolgte am 25. November 2019. Für die Realisierung des Vorhabens wurden von der Bundeswehr 44 Leopard-2-A4-Fahrgestelle bereitgestellt. Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass es Ende 2020 zu einem Vertragsschluss kommen und die Nachweismuster 2023 übergeben werden sollten, um die integrierte Nachweisführung mit der sogenannten Genehmigung zur Nutzung bis 2025 abzuschließen. Der Zulauf der ersten Systeme in die Truppe war für 2026 vorgesehen.
Neben Rheinmetall mit einer modernisierten Variante des Pionierpanzers Kodiak hatte sich auch die FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) mit dem WiSENT 2 in der Variante Bergepanzer an der Ausschreibung beteiligt.
Schlussendlich durchsetzen konnte sich Rheinmetall mit dem Kodiak, sodass es im Mai 2021 zum Vertragsschluss zwischen dem BAAINBw und dem Rüstungskonzern kam. Wie es in einer damaligen Mitteilung des BAAINBw hieß, wurde ein Vertrag mit der Firma Rheinmetall Landsysteme GmbH über die Herstellung und Lieferung von insgesamt 44 Pionierpanzern im Wert von rund 295 Millionen Euro geschlossen, wie hartpunkt berichtete. Daneben wurden mit Vertragsschluss weitere, für die Nutzung erforderliche Zusatzleistungen wie Ausbildungslehrgänge und -mittel, Ersatzteilerstbedarf und Sonderwerkzeuge vereinbart, wie aus der Meldung hervorgeht.
Die Pionierpanzer sollen demnach bis 2029 ausgeliefert werden. Die Übergabe der ersten zwei Nachweismuster des Kodiak war für 2023 beziehungsweise 2024 vorgesehen. Der Zulauf der ersten Seriensysteme war zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung Fachmedienberichten vom Mai 2021 zufolge für 2026 geplant. In diesem Jahr sollten demnach insgesamt fünf Pionierpanzer 3 Kodiak an die Bundeswehr übergeben werden. Für 2027 war die Übergabe von 14 Systemen geplant, für 2028 waren es 17 und 2029 sollten die letzten sechs Pionierpanzer der Truppe zulaufen.
Waldemar Geiger














