Ausschreibung für neue Pionierpanzer im Zeitplan

Die Bundeswehr will in den kommenden Jahren ihre betagten Pionierpanzer Dachs gegen moderne und leistungsfähigere Fahrzeuge austauschen. Zu diesem Zweck hat das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw im vergangenen Jahr eine Ausschreibung für 44 gepanzerte Pioniermaschinen – im allgemeinen Sprachgebrauch Pionierpanzer  – gestartet. Beobachter gehen davon aus, dass aufgrund der Ausschreibungskonditionen lediglich Rheinmetall mit seinem Pionierpanzer Kodiak sowie das Flensburger Unternehmen  FFG mit dem Wisent 2 als mögliche Lieferanten in Frage kommen.

Gut informierten Kreisen zufolge  sollen die Teilnehmer am Verfahren mittlerweile ihre ersten indikativen Angebote abgegeben haben. Dem Vernehmen nach könnte sich in Kürze eine Verhandlungsphase anschließen, die sich über den Sommer zieht. Danach wäre eine Aufforderung zum „Best and final Offer“ denkbar. Würde die Auswertung und Auswahl des Gewinners noch im Herbst erfolgen, scheint die parlamentarische Befassung noch in diesem Jahr möglich. Damit wäre das vom BAAINBw angestrebte Ziel eines Vertragsschlusses bis Jahresende erreichbar. Dem Vernehmen nach ist kein Vergleichstest zwischen den angebotenen Fahrzeugen vorgesehen. Allerdings  informiert sich die Bundeswehr offenbar bei den Nutzernationen der beiden Pionierpanzer über deren Leistungsfähigkeit.

 

 

 

 

 

Der Kodiak zeichnet sich durch einen Knickarmbagger in der Fahrzeugmitte aus. Das erleichtert das Arbeiten an Engstellen. Foto: lah

Vor dem Hintergrund des laufenden Wettbewerbs präsentierte Rheinmetall am vergangenen Dienstag an seinem Standort Unterlüß in der Lüneburger Heide die Fähigkeiten im Bereich der Unterstützungsfahrzeuge. Insbesondere wurde der Pionierpanzer Kodiak bei typischen Arbeiten wie dem Schieben von teilgedeckten Stellungen, dem Brechen von Hindernissen und dem Überwinden von Gräben vorgeführt.

Das Fahrzeug wurde ab dem Jahr 2002 nach den Forderungen der Schweizer Armee und zusammen mit dem schweizerischen Unternehmen RUAG entwickelt. Mittlerweile haben neben der Schweiz auch die Niederlande, Schweden sowie Singapur den Panzer eingeführt.  Wesentliche Merkmale des Kodiak sind: Eine Baggeranlage in Mittelposition, zwei Spillwinden mit je neun Tonnen Zuglast sowie ein großes Räumschild. Alternativ zur Baggerschaufel kann der von Rheinmetall selbst entwickelte Knickarm auch andere Werkzeuge, wie eine Greifzange oder einen Beton-Zertrümmerer aufnehmen. Im Einsatz  sind diese Werkzeuge auch unter Schutz wechselbar. Während die niederländischen Streitkräfte die Werkzeuge auf einem Lkw nachführen, verstauen die schwedischen Kodiaks ihre auf dem Fahrzeugheck. Rheinmetall hat die Hydraulik-Komponenten des Kodiak, die mit bis zu 350 bar Druck arbeiten, selbst entwickelt. Das Unternehmen blickt über eine lange Erfahrung bei der Konstruktion von Unterstützungsfahrzeuge zurück. So wurden auch die Bergepanzer Büffel der Bundeswehr von Rheinmetall geliefert.

Das verstellbare Räumschild – vermutlich das wichtigste Instrument eines Pionierpanzers – ermöglicht das Schieben von Stellungen und Hindernissen. Foto: lah

Laut Hersteller ist der Knickarmbagger des Kodiak in der Lage, pro Stunde rund 200 Kubikmeter schweres Erdreich zu  bewegen. Mit dem Ausleger können demnach Lasten von rund 3,5 Tonnen bei einer maximalen Reichweite von neun Metern angehoben werden. Das  Räumschild ist im Schnitt- und Neigungswinkel verstellbar, wie in Unterlüß demonstriert wurde. Die niederländischen Streitkräfte haben überdies die Option, statt des  Räumschildes einen Minenpflug zu adaptieren.

Laut Rheinmetall wurde bei den beiden unabhängig voneinander nutzbaren Winden der Firma Rotzler Wert darauf gelegt, dass die Seile leicht genug sind, um von einem Soldaten in kurzer Zeit an einem zu beseitigen Hindernis angebracht zu werden. Denn bei biesen Tätigkeiten, die mitunter unter Feindbeschuss stattfinden, komme es auf jede Sekunde an. Mittels Umlenkrollen können die Winden den Angaben zufolge ein Gewicht von mehr als 60 Tonnen ziehen.

Rheinmetall fertigt und vertreibt den Kodiak zusammen mit der schweizerischen RUAG MRO.  Mittlerweile werden die Schweißarbeiten jedoch nicht mehr von der RUAG ausgeführt, sondern erfolgen am Rheinmetall-Standort Kassel.
lah/26.6.2020