Nachdem der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall und der US-Konzern Lockheed Martin erst Anfang Juli ein Memorandum of Unterstanding über die gemeinsame Produktion der Artillerierakete ATACMS (Army Tactical Missile System) geschlossen haben, sind jetzt weitere Details zum Zeitplan bekannt geworden. So sagte Rheinmetall-CEO Armin Papperger vergangene Woche in einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass das Lot 8 von ATACMS bereits in Deutschland produziert werden solle. Die Produktionslinie dafür wird seinen Worten zufolge im kommenden Jahr aufgebaut und die Produktion nach gegenwärtiger Planung zum Jahresende beginnen. Die ersten Umsätze seien nicht vor 2028 zu erwarten.
Wie Lockheed Martin und Rheinmetall im Juli in einer Mitteilung schreiben, soll mit Unterstützung der Regierungen der Vereinigten Staaten und Deutschlands ein Joint Venture entstehen, das ein europäisches Kompetenzzentrum für die Herstellung, Integration und Bereitstellung des Boden-Boden-Raketensystems ATACMS für NATO- und verbündete europäische Streitkräfte schaffe. Dem Vernehmen nach laufen gegenwärtig die Verhandlungen zwischen den beiden Partnern zur Gründung des Joint Ventures.
Nach Aussage von Papperger wird die Produktion von Lot 8 in Deutschland erfolgen, weil Lockheed Martin den Platz benötigt, um eine Produktionslinie für die Precision Strike Missile (PrSM) aufzubauen. Die PrSM ist das Nachfolgemodell der ATACMS in der U.S. Army. Daraus kann geschlossen werden, dass die Produktionslinie für die ATACMS in den USA abgebaut und in Deutschland aufgestellt werden soll. Das dürfte das erste Mal – zumindest in der jüngeren Vergangenheit –sein, dass eine US-Raketenproduktion vollständig nach Deutschland verlagert wird. Bei der Patriot-Boden-Luft-Rakete PAC-2 GEM-T, deren Fertigung gegenwärtig in Schrobenhausen aufgebaut wird, besteht weiterhin eine Linie in den USA.
Die Produktion der ATACMS soll in Unterlüß in Niedersachsen erfolgen. Am gleichen Standort produziert Rheinmetall auch 155mm-Artilleriemunition und baut eine Fabrik für Raketenmotoren auf. Diese solle im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen, kündigte Papperger beim Analystengespräch an. Bei der ATACMS handelt es sich um eine ballistische Kurzstreckenrakete mit einer Reichweite von 300 km. Die rund Mach 3 schnelle Rakete verfügt in der modernsten Variante M57 über einen WAU-23/B Unitary Gefechtskopf mit einem Gewicht von 214 kg. Das Reichweitenspektrum soll 70 bis 300 km betragen.
Lars Hoffmann















