Die russischen Luft- und Raumfahrtkräfte haben ein weiteres Los von Su-57-Kampfflugzeugen erhalten. Nach Angaben des staatlichen Rüstungskonzerns Rostec verfügen die nun ausgelieferten Maschinen über eine neue technische Ausführung. Details zur Anzahl der ausgelieferten Flugzeuge und zum Umfang der Modifikationen wurden in der am 24. September verbreiteten Pressemitteilung jedoch nicht genannt.
Die Übergabe erfolgte nach Angaben von Rostec nach Abschluss der Werksprüfungen und Abnahmeflüge durch Piloten der russischen Luftwaffe. Anschließend seien die Kampfflugzeuge zu ihrem vorgesehenen Standort überführt worden.
Mit der aktuellen Auslieferung setzt Russland offenbar die schrittweise Weiterentwicklung des Mehrzweckkampfflugzeugs fort. Bereits zuvor hatte der zum Rostec-Konzern gehörende Flugzeugbauer United Aircraft Corporation die Übergabe eines Loses von Su-57 in einer aktualisierten Konfiguration gemeldet. Dabei war unter anderem von einem modernisierten Waffensystem die Rede.
Welche konkreten Änderungen die nun ausgelieferten Flugzeuge aufweisen, geht aus der aktuellen Mitteilung nicht hervor. Rostec spricht lediglich von einer neuen technischen Ausführung. Damit bleibt offen, ob es sich um eine gegenüber den Anfang 2026 ausgelieferten Maschinen nochmals veränderte Konfiguration oder um die Fortführung derselben Modernisierungsstufe handelt.
Ein möglicher Baustein der aktuellen Weiterentwicklung könnte die Integration der neuen, als Angriffsdrohnen bezeichneten Systeme S-71M, S-71K und Dan-T sein. Diese laut westlicher Terminologie als „Air Launched Effects“ bezeichneten Wirkmittel sollen neben einer nicht näher beschriebenen, hohen Marschgeschwindigkeit und großer Reichweite ebenfalls über eine reduzierte Signatur verfügen. Insbesondere der Dan-T-Effektor soll mit seiner hohen Resistenz gegen elektronische Gegenmaßnahmen und einer effektiven Navigation Luftfahrzeuge wie die Su-57 dazu befähigen, auch gut verteidigte Ziele angreifen und bekämpfen zu können.
Russland hat die Su-57 seit dem Beginn der Serienproduktion mehrfach weiterentwickelt. Zu den modifizierten Systemen gehören vornehmlich Avionik, Sensorik und Waffenintegration. Die russische Seite betont dabei, dass Erfahrungen aus dem Einsatz des Flugzeugs im Krieg gegen die Ukraine in die Weiterentwicklung einfließen.
Auch beim Antrieb arbeitet Russland an einer Modernisierung. Ende 2025 absolvierte eine Su-57 nach Angaben von Rostec erstmals einen Flug mit dem neuen Triebwerk Izdeliye 177. Das Triebwerk soll unter anderem einen höheren Schub sowie eine verbesserte Lebensdauer und einen geringeren Kraftstoffverbrauch ermöglichen. Das neue Triebwerk ist allerdings nicht zwingend Bestandteil der aktuell ausgelieferten Flugzeuge. Die Integration eines neuen Antriebs stellt vielmehr einen eigenen Entwicklungsschritt innerhalb des Su-57-Programms dar.
Die Su-57 wird im Komsomolsk-am-Amur-Flugzeugwerk (KnAAZ) im russischen Fernen Osten gefertigt. Russland hatte 2019 einen Vertrag über 76 Flugzeuge für die eigenen Streitkräfte abgeschlossen. Die Maschinen sollten ursprünglich bis 2028 ausgeliefert werden. Der Aufbau der Su-57-Flotte verlief jedoch langsamer als ursprünglich geplant. Die tatsächliche Zahl der heute verfügbaren Serienflugzeuge lässt sich anhand der offiziellen russischen Angaben nur eingeschränkt bestimmen, da Rostec bei den Auslieferungsmeldungen in der Regel keine Stückzahlen nennt. Die Su-57 ist deshalb weiterhin ein zahlenmäßig kleiner Bestandteil der russischen taktischen Luftstreitkräfte. Ihre Bedeutung liegt insbesondere in der vorgesehenen Kombination aus reduzierter Signatur, moderner Sensorik und Mehrzweckfähigkeit.
Russland setzt die Su-57 nach eigenen Angaben auch im Krieg gegen die Ukraine ein. Dabei soll das Flugzeug unter anderem weitreichende Waffen eingesetzt haben. Aufgrund der begrenzten Zahl verfügbarer Maschinen und der Bedrohung durch die ukrainische Luftverteidigung wird das Muster nach öffentlich verfügbaren Informationen jedoch vergleichsweise vorsichtig genutzt.
Im Juni 2024 wurde mindestens eine Su-57 auf dem russischen Militärflugplatz Achtubinsk durch einen ukrainischen Drohnenangriff beschädigt. Satellitenbilder zeigten nach Einschätzung westlicher Experten Schäden an einer auf dem Flugplatz abgestellten Maschine.
Neben der Ausstattung der eigenen Streitkräfte verfolgt Russland weiterhin die Vermarktung der Su-57 im Ausland. Rosoboronexport teilte Anfang September mit, dass mehrere neue Verträge für die Exportversion Su-57E abgeschlossen worden seien. Angaben zu den Kunden oder zur Zahl der bestellten Flugzeuge wurden nicht veröffentlicht. Auch die bereits erwähnten Effektoren S-71M, S-71K und Dan-T werden aktiv für den Export angeboten. Für Russland besitzt das Programm damit neben der militärischen auch eine industriepolitische Bedeutung. Eine höhere Serienproduktion könnte sowohl den Aufbau der eigenen Flotte als auch die Bedienung möglicher Exportaufträge unterstützen.
Kristóf Nagy


















