Die zukünftigen Luftverteidigungsfregatten der Klasse 127 werden noch deutlich kampfkräftiger als bislang geplant. Wie hartpunkt aus Industriekreisen erfahren hat, sollen die Schiffe mit insgesamt 96 Zellen für das Vertical Launch System (VLS) ausgerüstet werden. Bisher war nur kommuniziert worden, dass die F127 zwei VLS des Typs Mk 41 mit insgesamt 64 Zellen erhalten werden. Das Plus von 32 Zellen oder 50 Prozent an Beladungskapazität gibt den Fregatten eine deutlich höhere Magazintiefe und damit mehr Seeausdauer im Gefecht.
Die Schiffe werden für die Luftverteidigung optimiert und sollen die Deutsche Marine erstmalig zur Abwehr ballistischer Flugkörper (Ballistic Missile Defence; BMD) und womöglich auch von Hyperschallwaffen befähigen.
Aus dem Umfeld des Projekts heißt es, dass neben der Integration weiter VLS-Zellen das Schiffdesign noch einmal signifikant verbessert wird, um einen hohen Standard bei der Stabilität zu erreichen. Auch die grundlegende IT-Architektur als wichtige Basis für die spätere Systemintegration, sei definiert worden. Aufgrund der zusätzlichen VLS-Zellen dürften die Fregatten aller Voraussicht nach an Länge, Breite und Verdrängung zulegen.
TKMS und NVL haben den Informationen zufolge bereits Strukturen geschaffen, die eine kohärente technische Weiterentwicklung des Schiffstyps ermöglichen. Die beiden Unternehmen hatten bereits im September 2024 ein Joint Venture für die Umsetzung des Vorhabens gegründet, worauf im Dezember vergangenen Jahres die Freigabe erster Haushaltsmittel folgte. Gegenwärtig befindet sich das Vorhaben im Verhandlungs- bzw. Studienstadium. So läuft die erste Projektphase vor Auftragserteilung, bei der das Projektteam neben dem Design der F127 auch das Angebot vorbereitet.
Damit die Deutsche Marine die neuen Fregatten so früh wie möglich erhalten kann, haben TKMS und NVL erste Planungs-Meilensteine erreicht, wie es aus Industriekreisen heißt. Bei einer Beauftragung, die für Sommer 2026 erwartet wird, wolle das Team möglichst schnell mit der Produktion beginnen. Ziel ist eine Indienststellung der ersten Einheit ab Mitte der 2030er Jahre, um die dann obsolete F124-Klasse abzulösen.
Ein TKMS-Sprecher erklärte auf Nachfrage gegenüber hartpunkt: „Die Vorarbeiten für die F127 laufen auf Hochtouren. Der Reifegrad des Vorprojekts liegt im Plan und wird eine erfolgreiche und fristgerechte Umsetzung nach einer Beauftragung erheblich begünstigen. Das Industrieteam ist dazu deutlich in Vorleistung gegangen – für ein Vorhaben dieser Größe und strategischer Bedeutung war das auch zwingend erforderlich.“
Nachdem zunächst nur fünf Fregatten mit der Option auf eine weitere beschafft werden sollen, will die Bundeswehr mittlerweile acht Schiffe erwerben, die mit dem Führungs- und Waffeneinsatzsystem AEGIS von Lockheed Martin und dem Radar Spy-6 von Raytheon ausgestattet werden sollen.
Das Magazin Politico hatte vor einigen Monaten berichtet, dass in der für Juni kommenden Jahres vorgesehenen Vorlage für den Haushaltsausschuss rund 26 Milliarden Euro für die neuen „Air Defender“ vorgesehen seien. In dieser Summe dürfte die Ausstattung mit Waffen enthalten sein. Die hohe Summe könnte womöglich auch auf die zusätzlichen VLS-Zellen und deren Waffenausstattung zurückzuführen sein. Fraglich ist nur, ob die Fregatten hinsichtlich ihrer Bewaffnung und zu erwartenden Größe noch als solche bezeichnet werden können, oder ob es sich nicht doch bereits um Zerstörer handelt.
Lars Hoffmann















