Bundeswehr darf Rahmenvertrag für 500 Radhaubitzen RCH 155 schließen

Waldemar Geiger

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Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner heutigen Sitzung die sogenannte 25-Mio-Vorlage für die Serienreifmachung, Qualifizierung und Beschaffung von Radhaubitzen des Typs RCH 155 gebilligt. Der Verteidigungsausschuss hat dem Vorhaben bereits heute Vormittag zugestimmt.

Gut unterrichteten Kreisen zufolge darf die Bundeswehr nun eine Rahmenvereinbarung mit der ARTEC GmbH – einem Joint Venture von Rheinmetall und KNDS Deutschland – über die Lieferung von bis zu 500 RCH-155-Radhaubitzen auf der Boxer-Plattform schließen. Der Plan der Streitkräfte sieht es offenbar vor, in einem ersten Schritt vier Nachweismuster (eines davon für Großbritannien) sowie 80 Seriensysteme im Wert von etwas mehr als einer Milliarde Euro abzurufen, die ab 2028 bis Ende 2030 der Truppe zulaufen sollen. Beobachter gehen davon aus, dass im nächsten Jahr 149 weitere RCH 155 im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro für die benötigte Vollausstattung der Artillerietruppe bestellt werden sollen.

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In Summe würde die Truppe dann über 229 Radhaubitzen des Typs RCH 155 verfügen. Da das Vereinigte Königreich seine RCH 155 gut informierten Kreisen zufolge über einen separaten Vertrag mit der OCCAR (es wird mit einem Bedarf von knapp über 70 Systemen gerechnet) beschaffen will, gehen Beobachter davon aus, dass die restlichen im Rahmenvertrag enthaltenen Artilleriesysteme potenziell durch andere verbündete Nationen genutzt werden können, um die Systeme dann zu den gleichen Konditionen wie die Bundeswehr zu beschaffen.

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Radhaubitze RCH 155

Bei der RCH 155 handelt es sich um eine Radhaubitze auf Basis einer Boxer-8×8-Plattform. Kernbestandteil der RCH 155 ist das von KNDS Deutschland entwickelte Artillery Gun Module, welches ein in Serienproduktion befindlicher, vollautomatischer Geschützturm mit einer aus der Panzerhaubitze 2000 bekannten 155 mm/L52-Waffenanlage von Rheinmetall ist. Das System wurde bis dato dem Vernehmen nach von der Ukraine (54 Systeme) und Katar (12 Systeme) beschafft.

In der Radhaubitzenvariante ist das AGM so ausgelegt, dass es im kompletten Wirk- und Richtbereich mit der höchsten Ladung uneingeschränkt schießen kann. Die Fähigkeit zum Feuern aus der Bewegung ist einzigartig auf der Welt und wurde seitens der KNDS-Ingenieure aus der Funktionsweise von Stabilisierungsanlagen, wie sie in Kampf- und Schützenpanzern verwendet werden, abgeleitet. Dabei kalkuliert ein Rechner ständig die aktuelle Lage des Fahrzeuges und des Rohres. Weicht die Rohrrichtung vom errechneten Zielpunkt ab, wird nachgesteuert. Nur wenn die Waffe exakt auf das Ziel gerichtet ist, löst der Rechner den Schuss aus.

Die Besatzung ist dafür verantwortlich, dem System nur dann einen Feuerauftrag zu erteilen, wenn in unmittelbarer Nähe keine Hindernisse sind, die die Flugbahn der Granate behindern könnten. Dabei wird die Besatzung, z.B. in der Variante der RCH 155 für die Ukraine, durch das von Hensoldt entwickelte 360-Grand-Rundumsichtsystem Setas unterstützt. Setas ermöglicht der Besatzung eine effektive Nahfeldbeobachtung. Hindernisse, Bedrohungen und andere Gefahren können schnell erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Dies entlastet nicht nur die Besatzung, sondern trägt auch zu deren Überlebensfähigkeit in Duellsituationen bei. Ob auch die für die Bundeswehr vorgesehen Radhaubitzen über Setas verfügen werden ist derzeit noch nicht bekannt.

Die Feuergeschwindigkeit des AGM beträgt mehr als acht Schuss pro Minute. In das AGM wurde ein vollautomatisches Ladesystem für Geschosse und modulare Treibladungen integriert. Die Zünder werden im Ladevorgang induktiv programmiert, die Waffenanlage elektrisch gerichtet. Die Kampfbeladung besteht aus maximal 30 bezünderten Geschossen und 144 modularen Treibladungen und damit rund 50 Prozent mehr, als es typische, auf LKW basierte und im Einsatz befindliche Artilleriesysteme haben. Der Feuerkampf wird durch einen Feuerleitrechner mit integriertem Ballistikrechner und Datenfunk-Anbindung zu einem Artillerieführungssystem unterstützt, der auf eine hochgenaue Navigationsanlage, mit oder ohne GPS-Unterstützung, zurückgreift. Der Turm kann ohne Fahrzeugabstützung um 360 Grad gedreht werden. Die Elevation des Rohres von -2,5 bis 65 Grad erlaubt den Feuerkampf sowohl auf große Entfernung als auch im direkten Richten auf nahe Ziele.

Mit einer Waffenstation ausgerüstete AGM verfügen zudem über eine sogenannte Hunter-Killer-Fähigkeit. Diese dient der Selbstverteidigung. Sie ermöglicht es der Besatzung, in Duellsituationen parallel erkannte Ziele zu bekämpfen und weitere, das Fahrzeug bedrohende Ziele aufzuklären. Während das Fahrzeug automatisiert eine vorher aufgeklärte Bedrohung bekämpft, kann der Kommandant bereits weitere Gegner aufklären und die Bekämpfung einleiten.

Waldemar Geiger