Anzeige

NATO-Agentur NSPA baut Aufgabenspektrum aus

Anzeige

Die NATO Support and Procurement Agency (NSPA) hat seit dem 1. April dieses Jahres ihr Aufgabengebiet erweitert: Neben der logistischen Unterstützung von NATO-Operationen und der Beschaffung von Verbrauchs- und Ersatzteilen für die 28 Mitglieder darf die Agentur nun auch komplexe Waffensysteme für Partnerländer erwerben und betreiben. „Sogar Fregatten können wir jetzt kaufen“, sagte Bülent Tüdes, Programm-Manager der NSPA, am Dienstag bei der Eröffnung der Messe Defense Expo in Münster.

Zeitgleich mit der Hannover Messe: Defense Expo in Münster       Foto: Hoffmann

Anzeige

Zeitgleich mit der Hannover Messe, aber etwas kleiner: Die Defense Expo in Münster                                                                                Foto: Hoffmann

Anzeige

Für eine Agentur, die bislang in erster Linie ihren Schwerpunkt auf Logistik gelegt habe, sei dies eine Herausforderung.  Im vergangenen Jahr hat die NSPA seinen Worten zufolge Transaktionen im Volumen von zwei Milliarden Euro abgewickelt. Obwohl aufgrund des deutlich reduzierten Afghanistan-Einsatzes der NATO der Umsatz  der NSPA hier „um mehrere hundert Millionen Euro“ zurückgehen werde, rechnet Tüdes  bis Ende 2015 wieder mit rund zwei Milliarden Euro Geschäft. Den Grund sieht er darin, dass insbesondere osteuropäische Länder ihre militärischen Bestände aufstocken. So nutzen viele  Mitgliedstaaten die NSPA, um Munition oder Treibstoff zu beschaffen.

„Big Business“ erwartet der Manager auch deshalb in Osteuropa, weil einige der dortigen Staaten noch russisches Wehrmaterial einsetzen. Wegen der Spannungen mit Moskau müsse jedoch mit Problemen bei  der Ersatzteillieferung gerechnet werden. Deshalb sei eine Umrüstung auf westliche Rüstungsgüter erforderlich. „Wir sind sehr aktiv im Baltikum“, betonte  Tüdes. Denn aufgrund ihrer Größe und Infrastruktur seien die baltischen Staaten stärker auf die NSPA angewiesen.

Etwa 95 Prozent der NSPA-Beschaffungen erfolgen laut eigenen Angaben über internationale Ausschreibungen, bei drei Prozent wird direkt ein Lieferant ausgewählt und zwei Prozent laufen über das Foreign Military Aid Programme der USA. Bei definierten Standards gilt bei den NSPA-Tendern der Preis als entscheidendes Auswahlkriterium.

Tüdes hofft, dass sich mehr Unternehmen als Lieferanten in der Datenbank der NSPA registrieren lassen. Diese schaffe mehr Wettbewerb und senke die Preise. Auch empfiehlt er Mitgliedsstaaten, sich bei Ausschreibungen – etwa bei Munition – zusammenzutun, um größere Mengen abzunehmen und dadurch die Preise zu reduzieren.  Deutsche Firmen seien als Lieferanten der NSPA „gut aufgestellt“, sagte der NSPA-Manager. Er räumte jedoch ein, dass es sich dabei in erster Linie um Großunternehmen wie etwa Rheinmetall handelt.

Den Zusatz „Procurement“ hat die NSPA erst mit der Aufgabenerweiterung am 1. April erhalten. Bis dahin stand das Kürzel NSPA lediglich für  „NATO Support Agency“. Entstanden ist die  NSPA aus dem Zusammenschluss der  NATO Maintenance and Supply Agency (NAMSA), der Central Europe Pipeline Management Agency (CEPMA) und der  NATO Airlift Management Agency (NAMA) und arbeitet auf der Basis “no profit – no loss”.  Die Agentur mit Hauptquartier in Luxemburg beschäftigt eigenen Angaben zufolge rund 1.200 Mitarbeiter und hat neben Luxemburg weitere Zentren in Frankreich, Ungarn und Italien.  Unter anderem betreibt sie das zentraleuropäische Pipelinesystem und im Auftrag einiger NATO-Mitgliedstaaten ein Airlift Managment Programme mit drei Boeing C-17 Globemaster in Ungarn.

lah/15.4.2015