Wirtschaftsminister kritisiert Offset-Forderungen

Ausländische Besteller verlangen bereits seit langem von deutschen Marineschiffbauern umfassende Gegengeschäfte als Bedingung für die Platzierung eines Auftrags hierzulande.  Diese Forderungen nach Offset haben nach Einschätzung des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Bernd Buchholz in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Marineschiffbau werde dadurch gezwungen, „Zulieferbetriebe nicht mehr hier bei uns im Lande zu beschäftigen“, sagte der Minister am Donnerstag auf einer Veranstaltung des Schiffbauverbandes VSM in Kiel.

Mittlerweile haben die Forderungen nach Meinung des Ministers eine Größenordnung erreicht, die Geschäfte in Frage stellten. „Wir sind in dem Bereich von bis zu 100 Prozent Offset-Kompensation“, sagte er.

Gut informierten Kreisen zufolge erwartet beispielsweise Norwegen für die Beschaffung von vier U-Booten bei TKMS eine „industrielle Kooperation“ in Höhe von 100 Prozent des Auftragswertes. Dabei gilt der Vertrag mit dem skandinavischen Land aufgrund der gemeinsamen Beschaffung und des Betriebs von sechs identischen Booten durch die Marinen Norwegens und Deutschlands als zukunftsweisend.

Komme der deutsche Schiffbau den Forderungen aus den Bestellerländern nach, könnte womöglich die eigene Zulieferindustrie „abgeknipst“ werden, befürchtet Buchholz. Aufträge müssten dann im  Bestellland des jeweiligen Schiffes platziert werden.  „Das ist eine Subventionierung auf der anderen Seite“, kritisierte der FDP-Politiker. Es sei falsch, diese Problematik zu verschweigen. Buchholz sieht dabei neben der Landespolitik auch die Bundesregierung inklusive des Auswärtigen Amtes in der Pflicht, auf ausländische Partner einzuwirken.

Um sich gegen diese Praktiken zu wehren, müsse dann gegebenenfalls auch ein Auftrag abgelehnt werden. Vor diesem Hintergrund sieht der Minister Innovation im Schiffbau als einen Schlüsselfaktor, um ein gewichtiges Verkaufsargument zu haben und damit auf andere Kunden ausweichen zu können.

Mit einer gewissen Sorge blickt der Politiker im Augenblick auf die verstärkte  Zusammenarbeit zwischen staatlichen italienischen und französischen Marinewerften und die damit einhergehende Möglichkeit von zunehmendem Protektionismus und Subventionen.
lah/23.2.2018