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Transportpanzer Neue Generation – der Zeiger bei der Fuchs-Nachfolge deutet auf Patria

Waldemar Geiger

Der Entscheidungsprozess für die Nachfolge des Transportpanzers Fuchs in der Bundeswehr nähert sich offenbar dem Ende. Die Favoritenrolle scheint dabei weiterhin beim CAVS 6×6 des finnischen Herstellers Patria zu liegen, wie verschiedene gut unterrichtete Kreise gegenüber hartpunkt bestätigt haben. Als heißester Kandidat für eine der ersten zu beschaffenden Fahrzeugvarianten gilt ein Mörserträger, welcher mit dem NEMO-Turmmörser von Patria ausgestattet werden soll.

Die ursprünglichen Pläne der Bundeswehr sahen vor, die Entscheidung darüber, welche 6×6-Plattform die Fuchs-Fahrzeugfamilie ablösen soll, bereits im letzten Jahr bekannt zu geben. Absicht war es, die „Transportpanzer Neue Generation“ – der Bedarf liegt bei rund 1.000 Fahrzeugen in unterschiedlichen Varianten – im Rahmen des internationalen CAVS-Projekts (Common Armoured Vehicle System), das von Finnland geleitet wird, zu beschaffen. Im April ist Deutschland dem CAVS-Programm offiziell beigetreten und hat im Anschluss den Patria 6×6 einer Reifegradanalyse unterzogen, die das Fahrzeug erfolgreich abgeschlossen hat. Schwerpunkt der Reifegradanalyse lag dem Verteidigungsministerium zufolge auf zulassungsrelevanten und fahrsicherheitsbestimmenden Aspekten. Insidern zufolge hat politischer Druck dazu geführt, dass die Bundeswehr zwei weitere 6×6-Fahrzeuge – den Fuchs Evolution von Rheinmetall und den Pandur Evolution von General Dynamics European Land Systems – ebenfalls einer Reifegradanalyse unterzogen hat, was Verzögerungen im Projekt zur Folge hatte. Insidern zufolge konnten die dadurch gewonnenen Erkenntnisse die Bundeswehr nicht von der Absicht abbringen, den Patria zu beschaffen.

Beobachter des Programms gehen davon aus, dass es auf die Zielgerade eingebogen ist. Das Vorhaben ist finanziert, muss jedoch noch einige wenige Hürden nehmen, bevor die 25-Mio-Vorlage den zuständigen Ausschüssen im Bundestag vorgelegt werden kann. So muss Deutschland Insidern zufolge noch der CAVS-Forschungs- und Entwicklungsvereinbarung beitreten, in deren Rahmen die gemeinsame Entwicklung von CAVS stattfindet. Auf Basis dieser Vereinbarung werden die notwendigen Varianten entwickelt, die die Bundeswehr einzuführen gedenkt, welche wiederrum Grundlage für eine Vertragsgestaltung sind. Im Zuge des CAVS-Programms ist es vorgesehen, dass die Verträge zwischen den teilnehmenden Nationen und dem Hersteller geschlossen werden.

Patria 6×6

Der Patria 6×6 leitet sich von einem dreiachsigen Radpanzer ab, den ursprünglich die finnische Firma Sisu produzierte. Dieses Fahrzeug wurde auch Patria XA genannt. Der neue Patria 6×6 weist den Angaben von Patria zufolge gegenüber seinem Vorgänger eine verbesserte Einzelradaufhängung, einen leistungsstärkeren Motor mit 294 kW sowie Verbesserungen des elektrischen Systems auf. Das deutsche Unternehmen ZF liefert laut Patria das Getriebe.

Der Patria 6×6 hat laut Hersteller ein maximales Gewicht von 24t und der Schutz entspricht STANAG 4569 Level 2, wobei auch ein höherer Schutz gemäß Level 4 bei Bedarf möglich sein soll.

Produktion in Deutschland

Beobachter des Programms gehen davon aus, dass eine Lizenzfertigung des Serienfahrzeuges in Deutschland stattfinden wird. Gut informierten Kreisen zufolge wird Patria dafür mit der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH sowie Krauss-Maffei Wegmann zusammenarbeiten.

Bei einer Produktion des Fahrzeugs hierzulande könnte die Wertschöpfung überwiegend in Deutschland erfolgen. Für Patria ist die Lizenzfertigung im Ausland nichts Neues. So basiert der polnische 8×8-Radpanzer Rosomak auf dem Patria AMV. Der Vorteil für die Finnen wäre außerdem, dass sie ihre Produktionskapazitäten nicht ausbauen müssten und sich stattdessen der Erfüllung ihrer bestehenden CAVS-Aufträge widmen könnten, schließlich sind ohne den deutschen Bedarf bereits 354 Fahrzeuge bestellt worden. Überdies besteht eine Option für weitere 430 Radpanzer.

Waldemar Geiger