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Teilstreitkräfte fordern gemeinsame Multi Cloud zur Vernetzung im Gefecht

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Die Kommunikationskanäle zwischen und innerhalb der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche der Bundeswehr sind überwiegend veraltet. In einem Konflikt mit einem modernen und digital aufgestellten Gegner könnte dies verheerende Folgen haben. Offenbar wird diese Gefahr auch in der Bundeswehr gesehen. So fordern die stellvertretenden Inspekteure von Luftwaffe, Marine, CIR und der Heeres-Kommandeur für die Deutschen Anteile Multinationale Korps/Militärische Grundorganisation die bruchfreie, dimensions- und domänenübergreifende Vernetzung aller Sensoren und Effektoren sowie die Verknüpfung aller Führungsebenen in einer gemeinsamen „Multi Cloud“. Erst eine solche Multi Cloud ermögliche in Verbindung mit der Verarbeitung von Big Data und der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) die Umsetzung der vernetzten Operationsführung, heißt es in einem bereits im September gezeichneten Papier „Digitale Transformation – Die Perspektive der Dimensionsverantwortlichen“.

Den Autoren zufolge muss es das Ziel der digitalen Transformation sein, die Überlegenheit über einen Gegner im Luft- und im Weltraum, auf See, auf dem Boden inklusive des bodennahen Luftraums sowie im Cyber- und Informationsraum durch Informations-, Wirkungs- und Technologieüberlegenheit zu erlangen. Dabei könne der Gegner sowohl ein „Peer Opponent“ als auch ein nichtstaatlicher Akteur mit digitaler Hochtechnologie sein.

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Vor diesem Hintergrund erwarten die Spitzenoffiziere dimensionsgemeinsam von der digitalen Transformation der Bundeswehr, dass eine Aufklärung mit dem Anspruch des „Gläsernen Gefechtsfeldes“, Führung durch überlegene Entscheidungsfindung, chirurgische Präzision in der Wirkung und eine bruchfreie Unterstützung durch Verfügbarkeit aller relevanten Informationen ermöglicht wird. Als Schlüssel zur Erfüllung dieser Forderungen wird die Multi-Cloud-Lösung gesehen, die eine gemeinsame Operationsführung zulässt.

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Die Autoren kritisieren, dass gegenwärtig eine zunehmende Fokussierung auf Projekte im Grundbetrieb festzustellen sei, während der Einsatz und das Gefecht als Kern der Streitkräfte nur nachrangig betrachtet würden. „Wir wollen der Digitalisierung des eigentlichen Kernbereichs von Streitkräften eine vergleichbare Bedeutung und Aufmerksamkeit verschafften“, heißt es in dem Papier.

Auch in Zukunft werden nach Einschätzung der Dimensionsverantwortlichen die klassische Plattformen wie Panzer, Flugzeuge und Schiffe als Fähigkeitsträger unverzichtbar bleiben. Allen Teilstreitkräften sei gemeinsam, dass Plattformen und Soldaten in eigenen Funktionsketten miteinander vernetzt werden müssten. Die Notwendigkeit zum Zusammenwirken im Einsatz erfordere jedoch auch eine dimensions- und domänenübergreifende Integration der Plattformen und Wirkverbünde. Schnittstellen und Systemübergänge müssen demnach der Kern der Leistungserbringung darstellen und nach einem einheitlichen Regelwerk erfolgen. In allen Dimensionen sind nach Einschätzung der Autoren verlässliche Geodaten, präzise Navigation sowie eine zuverlässige Georeferenzierung einsatzentscheidend. „Ohne GeoDaten erfolgt keine Wertschöpfung in der Digitalen Transformation“, heißt es in dem Text.

Das Diktum physischer Präsenz im Einsatzraum erfordere, dass die digitale Transformation im mobilen Bereich beginne und über die verlegefähigen Elemente bis in den stationären Bereich der Basis Inland verlängert werden müsse.

Um eine digitale Souveränität sicherzustellen, muss nach Auffassung der Autoren bei kinetischen Systemen eine umfassende Transparenz der verwendeten Algorithmen vorhanden sein, bis hin zu deren Eigentum. So genannte Black Boxes werden in diesem Zusammenhang abgelehnt. Die Regel „Human in the loop“ bleibe dabei das Axiom deutscher Streitkräfte.

In dem Papier werden auch Veränderungen im Rüstungsprozess gefordert. So etwa eine projektübergreifende Koordination von Digitalisierungs- mit anderen Rüstungsprojekten. Als ein Beispiel für die zum Teil dysfunktionalen Auswirkungen von Einzelplanungen und Einzelausschreibungen wird die „zerfaserte und wenig konsistente Landschaft der FüWES der Marine“ angeführt. Die Autoren erwarten überdies, dass für die Sicherstellung einer zukunftsfähigen Operationsführung ein „Nationales Sicherheitsinteresse“ mit der Möglichkeit der schnelleren Beschaffung festgelegt wird. Dazu sollen etwa die Bereich Kryptografie sowie Quanten Computing gehören.
lah/15.11.2021