TDW stellt „Lion Strike“-Gefechtskopffamilie für Loitering Munition und Strike-Drohnen vor

Waldemar Geiger

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Die TDW Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme mbH, eine Tochter der MBDA Deutschland, hat auf der Rüstungsmesse DSEI in London mit Lion Strike eine neue, kostengünstige und massenproduzierbare Gefechtskopffamilie für Loitering Munition und Strike-Drohnen vorgestellt, bei der auch die „Kriegsproduktionsfähigkeit“ mitgedacht ist. Ein Gefechtskopf besteht jeweils aus einer Hohlladung und einer elektronischen Sicherungs- und Zündvorrichtung (ESAD). Optional kann zudem ein überstülpbarer Splittermantel für eine bessere Flächenwirkung gegen Weichziele sowie eine Vorholladung an den Gefechtskopf angebracht werden.

Wie TDW-Geschäftsführer Andreas Seitz im Rahmen einer Medienpräsentation erklärte, besteht die modulare Lion-Strike-Gefechtskopffamilie aus insgesamt drei Hohlladungen in den Kalibern 90, 110 und 140 mm, samt dem optional überstülpbaren Splittermantel und einer Vorholladung. Seitz zufolge ist der 110mm-Gefechtskopf bereits firmenqualifiziert und wäre bei einer heutigen Bestellung bereits im nächsten Jahr in sehr großen Stückzahlen lieferbar, da nur noch entsprechende Vorprodukte – bspw. Sprengstoff – gekauft werden müssten. Die Firmenqualifizierung der 90mm-Variante des Lion Strike steht als nächstes an, perspektivisch soll dann auch die 140mm-Version folgen.

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Der Ausführung des TDW-Geschäftsführers nach wurde mit den Arbeiten an der 110er-Variante als erstes begonnen, da man in dieser Kalibergröße derzeit die größte Nachfrage erwartet. Gefechtsköpfe dieser Größe können selbst stark gepanzerte Kampfpanzer vernichten – bei Nutzung der Vorhohlladung auch Systeme, die über einen modernen Reaktivschutz verfügen. Als Faustformel für die Wirkleistung gibt Seitz an, dass alle Lion-Strike-Gefechtsköpfe eine Panzerstahl-Penetrationsleistung von mindestens dem achtfachen des Gefechtskopfkalibers haben werden. Bei der 110mm-Version des „Löwenschlags“ wären es somit mindestens 88 cm Panzerzahl. Mit weniger als 3 kg Gewicht für den Gesamtgefechtskopf – wobei rund 1,5 kg auf die Hohlladung entfallen – lässt sich die 110mm-Variante des Lion Strike in eine breite Palette von Strike-Drohnen und Loitering Munition integrieren.

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Die Entwicklungsarbeiten für diese Variante wurden Seitz zufolge in weniger als sechs Monaten abgeschlossen. Die Gefechtskopffamilie ist voll und ganz auf Massenproduzierbarkeit ausgelegt.  TDW ist eigenen Angaben zufolge in der Lage, alle fünf Minuten einen Lion-Strike-Gefechtskopf zu produzieren. Zudem deutete Seitz in London an, dass das Unternehmen aufgeschlossen, ist Fertigungslinien im Kundenland aufzubauen, um die möglichen Produktionsvolumina erhöhen und die Produktion lokalisieren zu können. Die soll nach seinen Ausführungen sehr einfach möglich sein, da die Lion-Strike-Gefechtsköpfe auch vom Design her sehr einfach gehalten sind. Es werden nur wenige Bauteile verwendet und es können zudem unterschiedliche Sprengstoffe für den Bau der Gefechtsköpfe verwendet werden.

Skalierung weitergedacht

Da sich die Entwicklungsdynamik bei der für den Einsatzzweck der Lion-Strike-Familie relevanten Gefechtskopftechnologie (bspw. Panzerabwehr) in Grenzen hält und Gefechtsköpfe generell über Jahrzehnte hinweg lagerfähig sind, schlägt TDW eine Vorproduktion vor. So könnte man dem Unternehmen nach Hunderttausende solcher Gefechtsköpfe vergleichsweise günstig und einfach vorproduzieren und einlagern. Sollte ein Krieg ausbrechen, könnten diese Gefechtsköpfe dann unverzüglich den Drohnenherstellern beigestellt werden, die diese dann in die zu dem Zeitpunkt modernsten Strike-Drohnen oder Loitering Munition verbauen können.

Mit diesem Ansatz hätte man so einen gewissen Grundstock an Gefechtsköpfen für den schnellen Aufbau von relevanten Mengen an Strike-Drohnen, von denen in der Ukraine derzeit mehrere tausend Systeme (in allem möglichen Ausprägungen) täglich verbraucht werden. Da die Massenproduzierbarkeit im Fokus des Lion-Strike-Designprozesses stand, hat TDW auch die mögliche „Kriegsproduktion“ von Anfang an mitgedacht. So erklärte Seitz, dass in den aktuellen Gefechtsköpfen der sehr performante Oktagon-Sprengstoff verpresst wird. Bei Bedarf lässt sich aber auch der etwas weniger performante Hexagon-Sprengstoff nutzen. Dieser Sprengstoff lässt sich deutlich leichter herstellen – der mögliche Output im Vergleich zu Oktagon soll Seitz zufolge bis zu viermal höher sein. Mit diesem Ansatz wäre man dann in der Lage, mit den gleichen Engpassressourcen viermal so viele Sprengköpfe herzustellen. Gleichzeitig würde man nur auf rund zehn Prozent Penetrationsleistung verzichten müssen. Ein 110mm-Gefechtskopf würde so immer noch mehr als 80 cm Panzerstahl durchschlagen können.

Waldemar Geiger