Die TDW Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme mbH, eine Tochter der MBDA Deutschland, und STARK haben am 30. Juli 2025 einen Vertrag zur Entwicklung hochleistungsfähiger Hohlladungs-Gefechtskopfsysteme für die von STARK entwickelte Loitering Munition „Virtus“ unterzeichnet. Dies geht aus einer heutigen Mitteilung von TDW hervor. Im Rahmen der Zusammenarbeit soll ein bereits fertigentwickelter Gefechtskopf für die Nutzung in der Virtus angepasst und zudem ein neuer Tandemgefechtskopf entwickelt werden, mit dem auch Reaktivpanzerung erfolgreich bekämpft werden können.
„TDW bietet einen gestuften Entwicklungsplan, der eine schnelle Lieferung an die Bundeswehr ermöglicht. Die Gefechtskopfsysteme von TDW für Loitering Munition ist auf eine kosteneffiziente, tausendfache Produktion ausgelegt“, wird Andreas Seitz, Geschäftsführer von TDW in der Mitteilung zitiert. „Die Kombination unserer Loitering Munition und den fortschrittlichen Gefechtsköpfen von TDW hebt die Einsatzfähigkeit und Schlagkraft unserer Systeme auf ein neues Niveau“, ergänzt Dr. André Schneider, Vorstandsmitglied bei STARK.
Wie es in der Mitteilung heißt, sieht der geschlossene Vertrag eine Anpassung und Zertifizierung eines panzerbrechenden Hohlladungs-Gefechtskopfsystems mit optionalem Splittermantel speziell für die Loitering Munition Virtus von STARK bis 2027 vor. Das Gefechtskopfsystem basiert auf der neuen TDW-Linie Valkyrie. Dieses System soll sich durch sich durch höchste Durchschlagskraft auszeichnen und auf die Anforderungen moderner Gefechtsszenarien zugeschnitten sein. Bei dem Gefechtskopf dürfte es sich um ein System handeln, das TDW im September auf der in London stattfinden Rüstungsmesse DSEI 2025 erstmals einem breiten Publikum zeigen wird. In einem Gespräch mit hartpunkt erklärte Mirko Niederkofler, Mitglied der Geschäftsführung bei der TDW, vor rund einem Monat, dass es sich um einen Gefechtskopf im Kaliber 110 mm handelt. Bei einem Gewicht von rund 2 kg soll der Gefechtskopf selbst Kampfpanzer sicher bekämpfen können. Mit umgestülpten Splitterring könne der Gefechtskopf zudem auch effektiv gegen Weichziele wirken.
Um ab 2027 ausliefern zu können, investiert STARK nach Angaben von TDW signifikant in die Beschaffung von Rohmaterialien und Komponenten mit langen Lieferzeiten. „Durch die gemeinsame Kooperation beider Unternehmen werden die Vorrausetzungen geschaffen, bei Bedarf tausende Loitering Munition ab 2027 schnell liefern zu können. Diese strategische Materialbevorratung verkürzt die Lieferzeiten erheblich und sichert die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“, heißt es in der heutigen Mitteilung. Wie hartpunkt bereits Anfang April berichtete, wurde die Virtus – auch bekannt als One Way Effector – Vertical oder OWE-V – als eines von zwei Loitering Munition Systemen für Tests in der Bundeswehr ausgewählt. Dem Vernehmen nach will die Bundeswehr die Tests bis Ende des Jahres abgeschlossen haben, um eine etwaige reguläre Beschaffungsentscheidung für größere Stückzahlen treffen zu können.
Weiterhin sieht der jüngst geschlossene Vertrag die Entwicklung eines Tandemgefechtskopfsystems mit maximaler Leistung gegen reaktive Panzerungen vor. Nach Angaben von TDW wird dieses System es dem Nutzer ermöglichen, den Detonationszeitpunkt des Gefechtskopfs vor Missionsbeginn flexibel auszuwählen, wodurch die Einsatzflexibilität erheblich erhöht wird. Ergänzend wird ein spezieller, kostenoptimierter Zünder entwickelt, der querschnittlich für alle Loitering Munition Systeme von STARK einsetzbar sein wird. Dies soll Entwicklungszeiten und -kosten für zukünftige Systeme reduzieren und die Effizienz in der Produktion steigern.
STARK Virtus
Bei der OWE-V handelt es sich um ein 2 m hohes Wirkmittel mit X-förmigen Flügeln mit einer Flügelspannweite von 1,8 m. An den Flügelspitzen befindet sich jeweils ein elektrisch angetriebener Propellerantrieb. Zudem verfügt die Strike-Drohne über ein Heckleitwerk mit vier kurzen, ebenfalls X-förmig angeordneten Flügeln. Das bis zu 30 kg schwere System (max. Abfluggewicht) kann nach Angaben von STARK mit einer modularen, bis zu 5 kg schweren Nutzlast bestückt werden und weist eine Flugzeit von 60 Minuten auf. Die Einsatzreichweite wird mit 80 bis 100 km angegeben.
Die Reisegeschwindigkeit gibt STARK mit 120 km/h an, im Ziel-End-Anflug soll der OWE-V im Zuge eines Sturzfluges eine Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h erreichen. Die Operationshöhe wird mit 2 km angegeben. Die Vorbereitungszeit für den Einsatz der Strike-Drohne beträgt dem Unternehmen zufolge weniger als 10 Minuten.
Mehrere KI-gestützte Funktionen – GNSS-freie-Navigation, Objekterkennung, Tracking und eine automatische Ziel-End-Anflug-Verfolgung – sowie ein gehärteter Datenlink sollen den Einsatz selbst unter widrigsten Bedingungen des elektronischen Kampfes sicherstellen. STARK gibt an mit der OWE-V selbst in GNSS-gestörter Umgebung bis auf 1 m genau wirken zu können.
Waldemar Geiger


















