Der in Burbach ansässige Panzerabwehrspezialist Dynamit Nobel Defence (DND) arbeitet eigenen Angaben zufolge mit unterschiedlichen deutschen Herstellern von Drohnen zusammen, um die im Unternehmen verfügbare breite Palette an qualifizierten Gefechtsköpfen in Strike-Drohnen bzw. Loitering Munition zu integrieren.
Wie ein für das Themengebiet zuständiger Unternehmensvertreter gegenüber hartpunkt erklärte, sieht man Strike-Drohnen bzw. Loitering Munition als komplementäres Wirkmittel zu dem bereits bestehenden breiten Wirkmittelmix moderner Streitkräfte, mit denen gepanzerte Fahrzeuge bekämpft werden. Im Gegensatz zum derzeitigen Produktportfolio will das Unternehmen nicht selbst in den Bau dieser Waffensysteme einsteigen, also zum Strike-Drohnenbauer mutieren. Gleichwohl sieht man Kompetenzen, mit denen man sich aktiv einbringen möchte.
Die Drohnentechnologie an sich ist industriell gesehen eine vergleichsweise „einfach“ nutzbare Technologie. In letzter Konsequenz besteht die Aufgabe der Drohne darin, eine Wirkladung zu relativ geringen Kosten ins Ziel zu transportieren. Demzufolge sind auch viele Drohnen nutzlastagnostisch konstruiert. Die Wirkung im Ziel erfolgt ausschließlich über die Nutzlast und genau hier sieht DND seine Stärken. Während es zunehmend mehr Anbieter von Strike-Drohnen und Loitering Munition auf dem Markt gibt, ist die Anzahl von Unternehmen sehr gering, die in der Lage sind, „sichere“ Gefechtsköpfe herzustellen, zu lagern und für den Einsatz nutzbar zu machen. Insbesondere dann, wenn es um besonders sicherheitsbewusste Kunden, wie beispielsweise die Bundeswehr, geht.
Nach Darstellung des Unternehmens verfügt man bereits über eine breite Palette an Gefechtsköpfen, die bei vielen Kunden bereits qualifiziert sind, darunter auch viele in der Bundeswehr. Die Mehrzahl dieser Gefechtsköpfe sind nach Einschätzung von DND für den Einsatz in Strike-Drohnen geeignet. Neben den vergleichbar geringen Kosten – da keine große Entwicklungsschritte unternommen werden müssen – würde man beim Rückgriff auf bestehende Gefechtskopfdesigns zudem Zeitvorteile bei der Qualifizierung der Strike-Drohnen für die Nutzung in Streitkräften erzielen. Daher sieht man es auch nicht als notwendig an, eigene drohnenspezifische Gefechtsköpfe zu entwickeln.
Als mögliche Gefechtskopfkandidaten wurden seitens DND beispielsweise Gefechtsköpfe identifiziert, die das Unternehmen ursprünglich für die Nutzung in schultergestützten Waffen – bspw. Panzerfäusten und der RGW-Serie – entwickelt hat. Diese Gefechtsköpfe weisen die Kaliber 60 mm, 90 mm und 110 mm auf. Als Varianten kommen insbesondere HEAT- (High-Explosive-Anti-Tank = Hohlladunggranate) und HESH-Gefechtsköpfe (High-Explosive-Squash-Head = Quetschkopfgranate) in Frage. Selbst die projektilbildenden 103 mm-Gefechtsköpfe aus der AT2-Mine sieht man als geeignet an, um diese in Strike-Drohnen bzw. Loitering Munition einsetzen zu können. Das Hauptinteresse sieht das Unternehmen aktuell im Bereich der 60mm- und 90mm-Gefechtsköpfe.
Gleichwohl ist eine Eins-zu-eins-Übernahme der Gefechtsköpfe aufgrund des in schultergestützten Waffen genutzten Zündmechanismus nicht möglich. Die Verwendung dieser Zünder, die für die Funktion hohe, beim Abschuss entstehende Beschleunigungskräfte, als auch einen mechanischen Sicherungsstift (bore rider) benötigen, ist in den vergleichsweise langsam fliegenden Drohnen nicht möglich. Strike-Drohnen benötigen aufgrund Ihrer nicht festgeschriebenen Flugbahn und zur Möglichkeit des sicheren Überflugs eigener Truppenteile eine gänzlich andere Zünd- und Sicherungsarchitektur, bestehend aus einem im Gefechtskopf befindlichen Zündverstärker, einem Detonator (Low Energy Exploding Foil Initiator – LEEFI) sowie einer elektrischen Zünd- und Sicherungseinrichtung (Electronic Safe and Arm Detonation Devices – ESAD). Nach Aussage von DND befindet sich das Unternehmen derzeit in der finalen Phase interner Tests, die noch dieses Jahr abgeschlossen werden und nachweisen sollen, dass die Gefechtsköpfe auch mit der drohnenspezifischen Zünd- und Sicherungsarchitektur wie vorgesehen funktionieren. Ab dann wäre man in der Lage, in der Bundeswehr qualifizierte Gefechtsköpfe in großer Stückzahl zu vergleichsweise günstigen Preisen zu liefern.
Waldemar Geiger


















