Projekt Long-Term Evolution könnte bereits 2024 starten

Die Bundeswehr will ihre Kampfflugzeuge des Typs Eurofighter mindestens bis ins Jahr 2050 einsetzen. Um die Flieger für die Nutzung in den kommenden Jahrzehnten fit zu machen, wird schon länger darüber diskutiert, ein Programm mit der Bezeichnung „Long-Term Evolution“ (LTE) anzustoßen. Dabei geht es unter anderem darum, neue Hardware-Komponenten einzuführen und alte zu ersetzen, um genug „Processing Power“ für die in Zukunft zu erwartenden größeren Datenmengen verfügbar zu haben.  Mit dem Projekt verbunden ist unter anderem ein neues Design für das Cockpit.

In Zukunft sollen überdies in einem ersten Schritt 15 Eurofighter der Luftwaffe zum elektronischen Kampf befähigt werden. Das Flugzeug muss langfristig auch in ein Future Combat Air System (FCAS), das gegenwärtig von Frankreich, Deutschland und Spanien entwickelt wird, eingebunden werden.

Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, plant das Verteidigungsministerium nun,  bereits 2024 mit der Long-Term Evolution zu starten. Umgesetzt wird die LTE zunächst wohl in zwei „Technology Maturation“-Phasen, wobei es sich um vertiefte Technologiestudien handeln dürfte.  Demnach soll bereits im kommenden Jahr ein Vertrag für die dreijährige Phase 1 geschlossen werden, die dann bis 2027 läuft. In dieser Zeitspanne müssen dem Vernehmen nach in erster Linie die Beseitigung von Obsoleszenzen und Maßnahmen untersucht werden, wie neue Hardware in das Kampfflugzeug eingebaut werden kann. Dabei geht unter anderem um die Modernisierung der Avionik mittels Trennung der Datenströme, die für die Flugsicherheit erforderlich sind und denen, die für eine Mission genutzt werden.

Den Kreisen zufolge soll sich dann in den Jahren 2026 bis 2028 die zweite, dann zweijährige LTE-Phase anschließen, in der eine Reihe von Einzelfähigkeiten des Eurofighters betrachtet werden. Neben einer Verbesserung der Mensch-Maschine-Schnittstelle, einer leistungsfähigeren Breitbandkommunikation und Datenfunk wird offenbar auch das Thema elektronischer Kampf und ein verändertes Selbstschutzsystem angegangen. Auch die Anbindung von unbemannten Luftfahrzeugen soll im Fokus stehen.

Insider berichten überdies, dass in Phase 2 dies Modifizierung des Triebwerks durch eine so genannte Zwei-Parameter-Schubvektorsteuerung untersucht wird.  Werden die Zeitlinien eingehalten, plant das BMVg dem Vernehmen nach, alle im Bestand der Luftwaffe befindlichen Eurofighter dann bereits ab 2030 auf den sich aus den beiden Studienphasen ergebenen LTE-Stand umzurüsten.

Da es sich beim Eurofighter um ein europäisches Gemeinschaftsprodukt handelt, an dem auch Großbritannien, Italien und Spanien beteiligt sind, muss Deutschland nur einen Teil der Kosten für die LTE-Studien tragen. Beobachter gehen davon aus, dass bei einem Aufwand von insgesamt 800 Millionen Euro für die erste Phase rund 250 Millionen Euro auf Deutschland entfallen. Die Aufwendungen werden den Kreisen zufolge aus dem Sondervermögen Bundeswehr bezahlt und sind bereits fest eingeplant. Wie es heißt, sind die Kosten für die zweite Phase dagegen weder beziffert noch haushälterisch abgebildet. Dabei dürfte es erforderlich sein, die Mittel dafür bereits im kommenden Jahr bereitzustellen, wenn 2026 wie geplant der Vertrag geschlossen werden soll.

Nach Aussage von Airbus Defence and Space auf einem Pressetermin vor wenigen Wochen dient das LTE-Programm nicht nur zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit der eingeführten Eurofighter. Es soll darüber hinaus auch die Grundlage für neue Fähigkeiten und Technologien der Eurofighter-Tranche 5 bilden. Ob und wann diese Tranche beauftragt wird, ist im Augenblick jedoch ungewiss. Mit der Umsetzung der Long-Term Evolution könnte jedoch ein erster Schritt dazu gemacht werden.

Anderseits würde eine Umrüstung der deutschen Eurofighter auf den LTE-Stand ab 2030 erhebliche Produktionskapazitäten in Anspruch nehmen, da tief in die Flugzeugstruktur eingegriffen würde. Die würde just in dem Augenblick geschehen, in dem nach Angaben der Industrie die Fertigung der Tranche-4-Eurofighter für die Luftwaffe ausläuft.
Lars Hoffmann