MBDA Deutschland leitet EU-Projekt für Hyperschallgleiter

Lars Hoffmann

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Die Staaten der EU haben bisher nur ein begrenztes Know-how bei der Entwicklung und der Abwehr von Hyperschallwaffen. Um hier Abhilfe zu schaffen, hatte der European Defence Fund (EDF) Anfang des Jahres 2024 ein Projekt zur Entwicklung eines Hyperschall-Gleiters ausgeschrieben. Wie es in der Projektbeschreibung mit dem Titel „Countering hypersonic glide vehicles“ heißt, soll ein repräsentatives Modell eines Hyperschallgleitfahrzeugs (HGV) entworfen werden, zusammen mit einem vereinfachten, grundlegenden HGV-Demonstrator, der im Flug getestet werden soll.

Eine tragende Rolle bei dem Projekt wird dem deutschen Lenkwaffenspezialisten MBDA Deutschland zukommen. Wie aus einer Mitteilung der EU-Kommission von Ende Oktober 2025 hervorgeht, soll das in Schrobenhausen ansässige Unternehmen das Konsortium rund um das Projekt mit den Akronym HYROGLIVE koordinieren. Die Gesamtkosten des Vorhabens werden auf rund 110 Millionen Euro beziffert, von denen die EU etwa 78 Millionen Euro übernimmt. Die Differenz bei EDF-Projekten wird in der Regel von den Mitgliedsländern getragen. Weitere Details, etwa zu den Projekt-Partnern, werden nicht genannt. Ein MBDA-Sprecher wollte mit Verweis auf die Geheimhaltungseinstufung des Vorhabens keine weitere Auskunft geben.

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Bei HGVs handelt es sich um Hyperschallwaffen, die mit ballistischen Raketen als Träger zunächst auf die notwendige Höhe und Geschwindigkeit gebracht werden, bis sie sich ausklinken und dann mit mehr als Mach 5 auf einer variablen und nicht vorhersehbaren Flugbahn ihr Ziel ansteuern. China, Russland, die USA und zuletzt auch Frankreich arbeiten bereits seit Jahren an dieser Technologie.

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Den Ausschreibungsunterlagen zufolge sollen die Ergebnisse des Projektes unter anderem zur Entwicklung wirksamerer Abwehrmaßnahmen gegen hyperschallbasierte Bedrohungen beitragen. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die gewonnenen Erkenntnisse auch zur Entwicklung eines Hyperschallgleiters als Deep-Strike-Precision-Waffe genutzt werden können. Für die Bundeswehr hat neben der Luftverteidigung die Beschaffung von Waffen für den Deep Strike höchste Priorität.

Mit der Auswahl von MBDA Deutschland als Koordinator für das HGV-Projekt dürften die Chancen hervorragend sein, auch mit dem Folgevorhaben betraut zu werden. So hat die EU-Kommission im Ende Dezember veröffentlichen Arbeitsprogramm des EDF für 2026 ein entsprechendes Projekt (EDF-2026-RA-EUCI-IBA-DS-AIRDEF-CHGV: Bekämpfung von Hyperschallgleitfahrzeugen) ohne Vergabe im Wettbewerb angekündigt, für das ein Budget von 68 Millionen Euro vorgesehen ist.  

Dieses Projekt sei eine Fortsetzung von EDF-2024-DA-EUCI-CHGV und solle das PESCO-TWISTER-Projekt ergänzen, um dazu beizutragen, wirksamere Gegenmaßnahmen gegen Hyperschallbedrohungen zu entwickeln, indem Informationen über Signaturen und Manövrierfähigkeiten im Hyperschallbereich gesammelt werden, heißt es.

Der Vorschlag muss sich mit den Ergebnissen und Erkenntnissen des Vorgängerprojekts befassen und diese auf auf die Weiterentwicklung des HGV-Demonstrators anwenden. Letzendlich solle ein vollwertiges System erreicht werden. „Der Vorschlag muss frühere Aktivitäten in diesem Bereich ergänzen, mit dem Ziel, einen grundlegenden HGV-Demonstrator in Originalgröße (Form, Passform, Funktion) mit verbesserter Manövrierfähigkeit zu bauen, zu testen und zu fliegen“, heißt es in dem Text.

Nachdem das EDF-Arbeitsprogramm 2026 im Gesamtvolumen von 1,01 Milliarden Euro von der Europäischen Kommission am 17. Dezember 2025 veröffentlicht wurde, erwarten Beobachter den Beginn der eigentlichen Ausschreibung im Frühjahr 2026. Die Abgabefrist für die Angebote dürfte dann im September dieses Jahres enden.

Lars Hoffmann